Prognosen: Aufruf zum Kaufrausch

Prognosen: Aufruf zum Kaufrausch

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ISM-Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie

Das Wachstum in Deutschland schwächt sich ab. Wie sich die Wirtschaft im nächsten Jahr entwickelt, hängt entscheidend vom privaten Konsum ab und von den Schwellenländern.

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft verliert deutlich an Tempo. So sank der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft, der ifo-Geschäftsklimaindex, im August auf 108,7 Punkte – und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2010. Die Entwicklung der Auftragseingänge deutscher Unternehmen deutet ebenfalls darauf hin, dass eine spürbare Abkühlung bevorsteht. So sind etwa in der Elektroindustrie – der zweitgrößten deutschen Branche – im Juni erstmals seit eineinhalb Jahren weniger Bestellungen eingegangen als ein Jahr zuvor. Im Maschinen- und Anlagenbau schrumpfte der Zuwachs auf nur noch ein Prozent.

Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorjahr in Prozent

Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorjahr in Prozent

Hinzu kommt, dass die Daten für das zweite Quartal alles andere als erfreulich waren: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs lediglich um 0,1 Prozent. Für die unerwartete Schwäche waren zwar auch Sondereffekte in der Bauwirtschaft verantwortlich. Aufgrund der milden Witterung wurde ein großer Teil der Bautätigkeit in das erste Vierteljahr vorgezogen. Dennoch haben sich die Aussichten für die Unternehmen deutlich eingetrübt. Auslöser ist vor allem der Außenhandel. Bereits im Juni verkauften die deutschen Exporteure 1,2 Prozent weniger als im Mai. Dieser Trend droht sich in den kommenden Monaten zu beschleunigen.

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ifo-Geschäftsklima

ifo-Geschäftsklima

Das Gros der Ökonomen befürchtet, dass die Euro-Zone im kommenden Jahr in eine Rezession rutscht, das hieße, dass die Wirtschaftskraft der Währungsunion zwei Quartale in Folge nicht wächst oder gar schrumpft. So trübte sich das Geschäftsklima in der Euro-Zone im August deutlich ein und fiel auf den tiefsten Stand seit Juni 2010. Für die USA signalisiert der Einkaufsmanagerindex der US-Industrie ISM einen Abschwung. Der Indikator gilt als wichtigster Frühindikator für die US-Industrie. Er hat einen Vorlauf von drei bis sechs Monaten.

Geschäftsklima in der Euro-Zone

Geschäftsklima in der Euro-Zone

„Deutschland wird es jedoch nicht so schlimm erwischen“, sagt Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Der größte Teil der deutschen Ausfuhren geht zwar in die Mitgliedsländer der Währungsunion und die USA. Allerdings dürfte die Bundesrepublik vom Boom in den Schwellenländern profitieren. Mittlerweile gehen 16 Prozent der deutschen Ausfuhren nach Asien. Als Wachstumsstütze erweisen sich derzeit die Investitionen, und das dürfte auch erst mal so bleiben: Die Volkswirte der Bundesbank erwarten, dass die Unternehmen weiter investieren und dass viel Geld in den Wohnungsbau fließt.

Außerdem sitzt die Industrie noch immer auf einem dicken Auftragspolster, von dem sie eine Weile wird zehren können: Die Elektroindustrie hat insgesamt im ersten Halbjahr 17 Prozent mehr Bestellungen erhalten, im Maschinen- und Anlagenbau waren es 23 Prozent. Viele Volkswirte in Banken und Wirtschaftsinstituten planen zwar ihre Prognosen für 2011 von mehr als drei Prozent leicht nach unten zu korrigiere, doch das Plus der deutschen Wirtschaft wird dieses Jahr immer noch sehr kräftig sein.

Deutsche Konsummuffel

Unsicherer wird die Lage im kommenden Jahr. „Alles steht und fällt nun mit dem privaten Konsum“, sagt Ferdinand Fichtner, Konjunktur-Chef beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Doch die Ausgaben der Verbraucher stocken. Nach Schätzungen des DIW wird der private Verbrauch im laufenden dritten Quartal 2011 nur um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen. Die Verschärfung der weltweiten Schuldenkrise, die sich mittlerweile auch den hiesigen Börsen widerspiegelt, vermiest den Deutschen die Laune, sie behalten ihr Geld wohl lieber im Portemonnaie.

Die Experten hoffen deshalb, dass die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt den Konsum stärkt. Schon jetzt ist die Arbeitslosenquote rund ein Prozentpunkt niedriger als vor der Krise. „Bis Ende dieses Jahres erwarten wir, dass der Anteil der Arbeitslosen auf sieben Prozent fällt“, sagt Fitchtner. Für 2012 geht er von 6,7 Prozent aus. Zudem dürften die höheren Lohnabschlüsse für eine steigende Binnennachfrage sorgen.

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