Protektionismus: Argentinien isoliert sich selbst

Protektionismus: Argentinien isoliert sich selbst

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Mit der angekündigten Verstaatlichung von YPF gerät Argentinien weiter ins wirtschaftliche Abseits.

von Oliver Voß

Mit der Verstaatlichung von YPF Repsol, absurden Importbeschränkung, Kapitalflucht und einer riesigen Inflation steuert Argentinien in die nächste Wirtschaftskrise.

Auch der spanische König Juan Carlos konnte nichts mehr ausrichten. Der Monarch höchstpersönlich hatte kürzlich Argentiniens Präsidentin Christina Fernandez de Kirchner angerufen, um den Konflikt mit dem spanischen Ölriesen Repsol zu schlichten. Doch die blieb stur und kündigte am Montag die Verstaatlichung der argentinischen Repsol-Tochter YPF an.
Seit Wochen stand YPF unter massivem Beschuss, die Regierung warf dem Konzern vor, nicht genug zu investieren. In der Folge hatten verschiedene Provinzen YPF mehr als 15 Förderkonzessionen entzogen. Der Aktienkurs hatte seit Jahresbeginn bereits ein Drittel verloren, nach der Ankündigung ging es noch einmal um 21 Prozent bergab.


Repsol-Chef Antonio Brufau warf Argentinien vor, eine Kampagne gegen den Aktienkurs des Unternehmens zu fahren, um bei einer Enteignung geringere Entschädigungsleistungen zahlen zu müssen. Er kündigte rechtliche Schritte gegen die geplante Verstaatlichung an.
YPF verfügt über rund 42 Prozent der gesamten bekannten Ölreserven des Repsol-Konzerns. Die Spanier halten 57 Prozent an dem argentinischen Unternehmen. YPF erwirtschaftete ein Viertel des Repsol-Konzerngewinns
Brufau war in der vergangenen Woche nach Buenos Aires gereist, um über höhere Investitionen zu sprechen. Ohne Erfolg. Denn die Entscheidung stand offenbar seit einiger Zeit fest: Argentinien wird YPF verstaatlichen.

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Am Montag kündigte Kirchner dann offiziell an, Argentinien wolle 51 Prozent an YPF übernehmen. Spanien reagierte empört und drohte mit scharfen Konsequenzen, als erster Schritt wurde der Botschafter abgezogen. Der spanische Industrieminister José Manuel Soria bezeichnete das argentinische Vorgehen als „eine eindeutig feindselige Geste“. Spanien werde in den nächsten Tagen Gegenmaßnahmen auf diplomatischer Ebene sowie im Handels-, Industrie- und Energie-Bereich ergreifen.
Regierungschef Mariano Rajoy hatte bereits davor gewarnt, die freundschaftlichen ökonomischen Beziehungen zu zerstören. Auch die EU-Kommission äußerte ihre Besorgnis und verschob ein geplantes Treffen mit Argentinien.

Kirchner droht Banken und Telefongesellschaften

Doch Kirchner lässt das kalt. In ihrer Erklärung klangen sogar schon die nächsten Drohungen an. Sie ermahnte Banken und Telefongesellschaften noch einmal daran, es sei notwendig, dass diese in Argentinien investieren. Vor allem in Spanien wird man ihre Worte genau verfolgen, denn Banco Santander ist die größte Privatbank im Land und auch die Telefongesellschaft Telefonica ist ein Schwergewicht in Argentinien.

Zwar war seit einiger Zeit über eine YPF-Verstaatlichung spekuliert worden, doch wie drastisch Argentinien vorgeht ist trotzdem überraschend. Immerhin ist Spanien noch vor den USA der größte Investor in Argentinien. Doch der Schritt ist nur die nächste Eskalationsstufe in der protektionistischen argentinischen Wirtschaftspolitik. Seit einiger Zeit hat sich das Land an die Spitze von Staaten gesetzt, die mit aller Macht Importe einschränken und damit auch deutsche Firmen treffen.

Für internationale Konzerne und Investoren hat sich die Situation in Argentinien in den vergangenen Monaten deutlich erschwert. Die EU, die USA und zehn weitere Länder haben daher im vorigen Monat eine umfassende Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht. Beim Amerika-Gipfel am vergangenen Wochenende nahm sich US-Präsident Barack Obama Cristina Kirchner zur Brust und äußerte seine „Besorgnis über Beziehungen in bestimmten Handelsthemen“.

Porsche kauft Wein, BMW Soja und Reis

Geholfen hat es offensichtlich nicht. Kirchner bleibt ihrer Linie nicht nur treu, sondern verschärft sie sogar. „Wir müssen die Substitution von Importen beschleunigen“, hatte Kirchner im vorigen Jahr angeordnet. Dazu werden Einfuhren mit immer neuen Mitteln blockiert. Wer seine Waren in Argentinien verkaufen will, soll sie im Land produzieren oder muss im gleichen Gegenwert argentinische Produkte ausführen.

Diese Maxime führt zu teilweise absurd anmutenden Wechselgeschäften: So kauft Porsche argentinischen Wein und Olivenöl, Adidas Möbel und BMW einigte sich nach zähem Ringen darauf, Soja, Leder und Reis zu exportieren.

Doch nicht alle Konzerne lassen sich auf solche Kuhhandel ein. Obwohl Argentinien die höchste Smartphone-Verbreitung in Südamerika aufweist, spielt Apple hier keine Rolle. Im Gegensatz zur Konkurrenz weigert sich der iPhone-Hersteller, seine Geräte in Feuerland zu montieren.

Das Modelabel Escada hat gerade seinen Laden in Buenos Aires geschlossen, auch Calvin Klein hat das Land verlassen und andere Kleiderriesen machen einen großen Bogen um Argentinien. So kündigte H&M am Montag an, seine erste Filiale in Lateinamerika zu eröffnen: Nicht wie lange spekuliert wurde in Buenos Aires, sondern in Mexiko Stadt. Der US-Kleidungsriese Gap hatte Ende 2011 in Chile sein erstes Südamerika-Geschäft eröffnet und eine Expansion nach Kolumbien, Uruguay und Peru angekündigt. Argentinien? Fehlanzeige.

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