
Selten hat sich der Ausblick für die deutsche Wirtschaft in wenigen Wochen so verschlechtert, wie jetzt. Wichtige Stimmungsbarometer sind drastisch eingebrochen. Sie zeigen, dass Unternehmen und Finanzmarktexperten die Zukunftsaussichten deutlich schlechter einschätzen. Die ZEW-Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten fielen zuletzt so stark wie seit 1998 nicht mehr, der Ifo-Index über die Stimmung der Unternehmen sank auf den niedrigsten Wert seit März 2010.
Bei all den schlechten Signalen gibt es jedoch eine große Ausnahme: Der deutsche Konsum. Er hält der Krise stand, wie die neuesten Daten des Marktforschungsinstituts GfK zeigen. Trotz aller Krisen-Signale kletterte das Konsumklima-Barometer im Juli überraschend von 5,7 auf 5,8 Punkte, teilten die GfK-Marktforscher mit. Auf der anderen Seite gingen die Konjunkturerwartungen der Konsumenten von 16,6 auf 3,0 Punkte dramatisch zurück. Zusammengefasst bedeutet das: Die Deutschen sehen die Wirtschaftslage skeptischer, aber sie lassen sich nicht davon abbringen ihr Geld auszugeben.
Für die deutsche Wirtschaft ist das ein Glücksfall. Während die schwankungsanfälligen Exporte durch die Krise schnell in Mittleidenschaft gezogen werden, geben der Konsum und die Bauwirtschaft derzeit Hoffnung. Der Bau profitiert nach vielen schwachen Jahren vom besonders niedrigen Zinsniveau. Doch im Vergleich zum Konsum ist er zu klein um der Wirtschaft starke Impulse zu geben.
Der Konsum hingegen hat deutlich mehr Gewicht: Die Konsumausgaben lagen 2011 in Deutschland bei fast 2 Billionen Euro - und damit deutlich über dem Wert der Exporte (1,3 Billionen Euro). Die Bauinvestitionen machten hingegen mit 255 Milliarden Euro nur etwa ein Fünftel der Exporte aus.
Die guten Aussichten für den Konsum haben aus Sicht von Experten zwei Ursachen: "Die Arbeitsmarktlage ist gut und die Einkommen steigen," fasst ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen zusammen. Seit der Finanzkrise ist die Arbeitslosenzahl in Deutschland von etwa 3,5 Millionen im Jahr 2009 auf inzwischen deutlich unter 3 Millionen gefallen. Dies macht sich besonders stark beim Konsum bemerkbar, weil grade untere Einkommensschichten einen besonders großen Teil ihres Einkommens für Konsum ausgeben.
Vergleich zeigt großes Potenzial
Die gute Arbeitsmarktlage spiegelt sich inzwischen auch in der Lohnentwicklung wieder. Die Tarifabschlüsse lagen zuletzt deutlich über dem Niveau der Vorjahre. In der Metallindustrie haben sich die Tarifparteien zum Beispiel auf einen Lohnaufschlag von 4,3 Prozent geeinigt, im öffentlichen Dienst sollen die Tarife über die nächsten zwei Jahre um insgesamt 6,3 Prozent steigen.
Bislang haben die Konsumenten immer dann Zurückhaltung geübt, wenn sie um ihre Ersparnisse fürchteten. Um Vermögensverlusten entgegenzuwirken sparten sie dann noch mehr. Trotz der Euro-Krise gibt es dafür derzeit keinen Anlass: Die Inflation geht zurück. Die Energiepreise, die die Inflation im vergangenen Jahr anheizten, sind zuletzt stark gefallen.
Wie hoch das Potenzial für den deutschen Konsum ist, zeigt der Vergleich mit den USA. Dort liegt der Anteil der Konsumausgaben am Einkommen seit vielen Jahren bei etwa 70 Prozent. In Deutschland sind es hingegen grade mal 55 Prozent. Zwar sind beide Volkswirtschaften nicht direkt vergleichbar. Tatsache ist aber auch, dass die Bedingungen für den Konsum in Deutschland in den vergangenen Jahren vergleichsweise schlecht waren. Dieser Trend dreht sich nun.
Früher hieß es immer dann, wenn die Weltwirtschaft schlecht lief: Der amerikanische Konsument muss sie retten. Das funktioniert diesmal nicht. Zumindest in Deutschland könnte der Konsum aber in den nächsten Jahren zur entscheidenden Stütze werden.














