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Rettungsschirm EFSF: Feilschen um Billionen

von Jörg Stroisch auf Basis von AP, dpa und rtr

Durch Hebel soll der Rettungsschirm EFSF auf bis zu zwei Billionen Euro erweitert werden. Während die Politik darüber streitet, gibt es neue Hiobsbotschaften aus Spanien und Portugal.

Der Hebel soll mehr Finanzen Quelle: dpa
Der Hebel soll mehr Finanzen in den europäischen Rettungsfonds EFSF spülen, Foto: Uli Deck/dpa Quelle: dpa

Weiter Kreativität zeigen Europas Regierungschefs, wenn es um eine mögliche Ausweitung des Euro-Rettungsschirm EFSF geht: Nach Informationen des „Handelsblatts“ soll Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gegenüber der Unionsfraktion eine sogenannte Hebelung auf bis zu 1000 Milliarden Euro ins Gespräch gebracht haben, die britische Tageszeitung „The Guardian“ spricht sogar von 2000 Milliarden Euro.

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Prompt werden diese Gerüchte dementiert: Eine mit den Verhandlungen vertraute Person sagte: „Es gibt keine Einigung.“ Ein anderer EU-Vertreter erklärte, es sei nicht so einfach, das Kreditvolumen des EFSF von 440 Milliarden Euro auf eine deutlich höhere Summe zu multiplizieren. „Es ist naiv zu glauben, dass man eine einfache Rechnung aufmachen kann und dass am Ende dann eine schöne runde Zahl von zwei Billionen steht“, sagte der EU-Vertreter. „Es ist nicht annähernd so einfach.“

Hebel nur mit Rückversicherung realistisch

Der Hebel erscheint so nur in Form einer Rückversicherung realistisch umsetzbar, bei dem der EFSF den privaten Käufern von Staatsanleihen einen Teil des Verlustrisikos abnimmt. Auf diese Weise könnte der Fonds mit einem Einsatz von beispielsweise 100 Milliarden Euro eine Finanzierung von 300 bis 500 Milliarden Euro sicherstellen, sagten EU-Vertreter. Die Kraft des Rettungsschirms könnte dadurch auf höchstens 1,5 Billionen Euro erhöht werden, hieß es weiter.

Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms signalisierte, dass die Liberalen der geplanten Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF durch einen Kredithebel wohl zustimmen werden. „Der Haftungsrahmen von 211 Milliarden Euro darf keinesfalls ausgeweitet werden“, sagte Solms der „Rheinischen Post“. „Wenn das nicht geschieht, man aber über eine Versicherung versucht, den Kreditrahmen rascher und effizienter auszuschöpfen, sehe ich nicht, warum wir dagegen sein sollten“, sagte Solms.

Ein weiterer Lösungsweg, um das Finanzvolumen des Rettungsschirms auszuweiten ist die Einbindung von finanzstarken Schwellenländern, wie China, Indien und Brasilien über Konten beim Internationalen Währungsfonds (IWF). So seien laut „Handelsblatt“ die USA und der IWF im Grundsatz offen für diese Idee. Allerdings verlangten die USA, dass zunächst die Europäer aus eigener Kraft den EFSF nochmals aufstocken. Erst danach komme dann der Lösungsweg über die Konten beim IWF infrage.

15 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.10.2011, 20:25 UhrAnonymer Benutzer: Karin Jürgens

    Ausgerechnet Obama - von wegen ungesicherte CDS!
    bloomberg meldete am Mittwoch, daß Merrill Lynch (jetzt bank of America) Derivate im Wert von 75 billionen USD (trillions!) in eine Einrichtung verlegt hat, die von der Einlagensicherung abgedeckt wird - zahlt im bedarfsfall also der Steuerzahler. Es sollen vor allem Wetten auf Staats- und bankpleiten in Europa sein. Ähnliche Papiere im Werte von 79 billionen USD hat JP Morgan unter den Schutz von FED und FDiC gestellt - zahlt bei Fälligkeit also auch der Steuerzahler. Da die Aktionen heimlich erfolgten - ergibt Sinn, denn die FED gehört Privatbanken - wird bernanke inzwischen für verrückt erklärt und das Verschieben für gesetzeswidrig. Ganz Amerika regt sich darüber auf, denn dieser "Rettungsschirm" von 154 billionen USD würde bei Fälligkeit die Pleite der USA bedeuten. Aber im gesamten Deutschen blätterwald war nicht eine Zeile darüber zu lesen - merkwürdig, oder? Jetzt wird auch klar, warum Europas Regierungsmannschaft gegen alle ökonomische Vernunft handelt, wer will schon Schuld daran sein, daß die USA pleite gehen. Und auch auf Geithners hektischen Europabesuch kann man sich einen Reim machen. Angela Merkel (und damit wir) hängt schwer in der Klemme, vor allem weil sie ja alles andere als mutig ist.
    Wer sich informieren will: "Gaertner's blog - Chaos im billionen-Club", die Links führen zu den Originalseiten.

  • 20.10.2011, 10:53 UhrAnonymer Benutzer: Resistenz

    Wenn Anleger - gleich ob privat, gewerblich oder staatlich - etwas aus den ganzen Krisen gelernt haben sollte, dann das:
    lasse dich nie auf Finanzprodukte ein, die du nicht verstehst!

    Mir kann kein Mensch erzählen, dass unsere Politiker-Elite eigentlich noch weiß, worüber im Wochentakt entschieden wird.
    Einen eindrucksvollen beleg dafür, dass das schon bei den noch recht "einfachen" Entscheidungen nicht mehr klar war, gibts z.b. bei Youtube unter "Panorama Rettungsschirm".

    inzwischen haben die Konsequenzen der Entscheidungen geradezu epische Außmaße erreicht.
    Unser uninformiertes Stimmvieh im bundestag, bestehend aus Ärzten, Verwaltungsangestellten, Lehrern und Theaterwissenschaftlern ohne Abschluss, setzt im Mainstream schwimmend unser aller Zukunft aufs Spiel!

    Dem Volk bleibt nur noch wenig Zeit, dieses Pack in die Wüste zu schicken.
    Übrigens: Das Grundgesetz, Artikel 20.4 sagt: Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das
    Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

  • 20.10.2011, 09:15 UhrAnonymer Benutzer: GFRGR

    So in etwa stelle ich mir die spätrömische Dekadenz vor.

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