Rezession: Deutsche Wirtschaft schrumpft immer schneller

Rezession: Deutsche Wirtschaft schrumpft immer schneller

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Eine abgestellte Baggerschaufel vor einem Schrotthaufen im Seehafen von Wismar. Wegen der Konjunkturkrise hat der Seehafen Kurzarbeit für das erste Halbjahr angemeldet.

Nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamts sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den letzten drei Monaten 2008 um 1,5 bis 2,0 Prozent. Damit gewinnt die Rezession an Fahrt. Zugleich verdrängt China die Bundesrepublik als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat Deutschland im vierten Quartal voll erfasst. Nach ersten vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamts sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den letzten drei Monaten 2008 um 1,5 bis 2,0 Prozent, sagte Norbert Räth vom Bundesamt heute in Frankfurt. Damit habe sich die negative Entwicklung zum Jahresende beschleunigt.

Auch in den beiden Quartalen zuvor war die Wirtschaftsleistung geschrumpft. Von April bis Juni sank das BIP um 0,4 Prozent, im dritten Quartal real um 0,5 Prozent. Der Rückgang hat sich nach den ersten Schätzungen im vierten Quartal ausgeweitet. Damit rutscht Deutschland immer tiefer in die Rezession. Im Gesamtjahr 2008 stieg das BIP real um 1,3 Prozent nach 2,5 Prozent im Jahr 2007 und sogar 3,0 Prozent im Boomjahr 2006. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Wachstum von 1,4 Prozent gerechnet. Der Anstieg der Wirtschaftsleistung insgesamt in den vergangenen zwölf Monaten ist vor allem auf das gute erste Quartal zurückzuführen, als das BIP real um 1,5 Prozent zulegte. Die endgültigen Zahlen für das vierte Quartal werden erst am 13. Februar veröffentlicht.

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Belastet wurde das Wachstum auch durch nicht mehr so stark wachsende Ausrüstungsinvestitionen. Diese stiegen um 5,3 Prozent zum Vorjahr. Im Jahr 2007 waren sie noch um 6,9 Prozent gewachsen. Der private Konsum blieb im Jahr 2008 unverändert, nachdem er im Vorjahr noch um 0,4 Prozent geschrumpft war. Die Staatsausgaben wuchsen wie im Vorjahr um 2,2 Prozent. Deutlich schwächer als im Vorjahr wuchsen die Exporte. Der Anstieg lag lediglich bei 3,9 Prozent nach 7,5 Prozent im Vorjahr. Das Importwachstum indes legte von 5,0 Prozent im Vorjahr auf 5,2 Prozent zu. Vom Außenhandel gingen damit im Gegensatz zu den Vorjahren negative Effekte für das Wirtschaftswachstum aus, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Hauptgrund sei die abgeschwächte Auslandsnachfrage. Positive Impulse seien nur aus dem Inland gekommen.

Maschinenbau brechen die Aufträge weg

Dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau sind im November die Aufträge in noch nie dagewesenem Umfang weggebrochen. Deswegen steht nun auch die Produktionsprognose für das laufende Jahr in Frage. Real seien im November 30 Prozent weniger Bestellungen als im Vorjahreszeitraum eingegangen, teilte der Verband Deutscher Maschinen-und Anlagenbau (VDMA) am Montag in Frankfurt mit. Dabei stampften sowohl die ausländischen Kunden (minus 29 Prozent) als auch die inländischen Kunden (minus 32 Prozent) ihre Investitionen ein.

Die Zahlen deuteten „auf einen bisher so nie gesehenen Rückgang der Aufträge hin“, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. „Somit stellt sich die berechtigte Frage, ob die Prognose einer 2009 stagnierenden Maschinenbauproduktion noch haltbar ist“. Er warnte aber davor, „Ausnahmesituationen in die Zukunft einfach fortzuschreiben“. Erst am 10. Februar soll deshalb auf der Jahrespressekonferenz über eine eventuelle Rücknahme der Erwartungen berichtet werden. Die Prognose 2008 sei aber sicher, sagte Wiechers der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Demnach hat der Maschinenbau dank bestehender Aufträge vom Jahresanfang bei der Produktion um gut 5 Prozent zugelegt. Es wäre das fünfte Wachstumsjahr in Folge.

China löst Deutschland als drittgrößte Wirtschaftsnation ab

China hat Deutschland inzwischen als drittgrößte Wirtschaftsnation abgelöst. Das nationale Statistikamt in Peking korrigierte am Mittwoch das Wachstum für 2007 nachträglich von 11,9 auf 13 Prozent. Das ist der größte Anstieg seit 1993.

Der neu kalkulierte Umfang des Bruttoinlandsproduktes wurde mit 25,73 Billionen Yuan (derzeit 2,8 Billionen Euro) um 3,1 Prozent oder 777,6 Milliarden Yuan höher angegeben als bisher. Damit hat China nach Berechnungen von Experten die Bundesrepublik überholt. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt erreichte im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nominal knapp 2,49 Billionen Euro. Das chinesische Statistikamt wollte sich zu Chinas Position in der Weltrangliste noch nicht äußern. Erst müssten die für kommende Woche erwarteten Wachstumszahlen für 2008 und die Wechselkursberechnungen abgewartet werden, sagte ein Sprecher. "Bislang haben wir noch keine Schlussfolgerungen gezogen.“ Wegen der globalen Wirtschaftskrise erwarten Experten für 2008 nur ein Wachstum von neun Prozent. Der Experte Stephen Green von der Standard Chartered Bank in Shanghai folgert aber nicht nur aus den neuen Zahlen, dass China bereits Deutschland überholt haben dürfte. "Da inoffizielle wirtschaftliche Aktivitäten in China größer sind als in Deutschland, ist das wahrscheinlich schon vor längerer Zeit geschehen.“

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