Rezession: Wie kommt Deutschland aus der Krise?

Rezession: Wie kommt Deutschland aus der Krise?

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Professor Gustav Horn ist Leiter des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der staatsunabhängigen, gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Seit heute ist es offiziell: Deutschland steckt mitten in der Rezession. Nach zwei Jahren des Aufschwungs schlägt die Finanzkrise auf die Realwirtschaft durch, tausende Jobs sind gefährdet. Doch wie verhalten sich Unternehmer und Verbraucher am besten in der Krise? Und was haben Wissenschaft und Politik aus den vorherigen Durststrecken gelernt? wiwo.de fragte den Konjunkturforscher Gustav Horn und den erfahrenen Volkswirt Martin Hüfner.

Gustav Horn, volkswirtschaftlicher Experte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, fordert im Gespräch mit wiwo.de zupackendes Krisenmanagment: „Wir dümpelten von 2001 bis 2004 stagnativ vor uns hin, das darf nicht wieder passieren.“ Es gebe keinen Automatismus für Licht am Ende des Tunnels, das Land müsse aktiv aus der Krise geführt werden.

Die aktuellen Bemühungen der Politik kritisiert der Konjunkturforscher vor diesem Hintergrund scharf. „Der Fokus eines Hilfsprogramms muss deutlich auf 2009 liegen, das wird unser Krisenjahr“, betont Horn. Die Effekte über zwei, drei oder vier Jahre zu streuen sei ein Fehler. Der Fachmann erwartet die Talsohle für die erste Hälfte des kommenden Jahres und hofft, dass im dritten Quartal 2009 eine leichte Aufwärtsbewegung einsetzt. Auch Martin Hüfner, ehemals Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, sieht Ende 2009 eine leichte Aufwärtsbewegung. "Länge und Stärke der Krise sind zwar noch ungewiss, aber die Wirtschaft ist recht robust. In zwölf Monaten dürften die Aussichten bereits deutlich besser als heute sein", so der Konjunkturspezialist.

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"Entschlossenes Krisenmanagement nötig"

Wichtig, so Hüfner, seinen jetzt positive Impulse von Seiten der Politik: "Ein Konjunkturprogramm ist unumgänglich. Investitionen könnten beispielsweise durch degressive Abschreibungsmöglichkeiten angeregt werden." Die derzeitigen Bemühungen seien jedoch eher ein zeichen, dass die Politik die Tragweite der Krise noch nicht erkannt habe. "Wir haben heute größere Probleme als 1993/93, vielleicht wird es sogar schlimmer als 1973", prophezeit Hüfner.

Horn schlägt in die selbe Kerbe: „Die Politik muss endlich die Scheu vor der gezielten Unterstützung der Wirtschaft ablegen und das Krisemanagement entschlossen angehen“, wettert er. „Doch derzeit trauen sich die Akteure kaum, das Wort Konjunkturprogramm auch nur in den Mund zu nehmen.“ Lernbereitschaft sei kaum vorhanden: „Wie schon zuvor agierte die EZB sehr zögerlich, greift bei den Zinssenkungen aber jetzt wenigstens beherzt zu,“ so Horn.

Weitere Abschläge beim Leitzins sind seiner Meinung nach zu erwarten, Konsumenten könnten in der Talsohle mit extrem niedrigen Zinsen rechnen. Derzeit seien die Kosten für die Kreditaufnahme jedoch im Nachhall der Bankenkrise noch überhöht. Auch an anderer Stelle eröffnen sich Chancen für Krisenprofiteure: „Die Rabatte auf Neuwagen werden wohl weiter sinken, auch andere Produkte sind relativ günstig zu haben.“ Horn wie auch Hüfner raten zum Abwarten: "Es geht noch ein paar Monate lang bergab, wer es sich leisten kann sollte in der Talsohle zugreifen."

Martin Hüfner

Martin Hüfner

Um mit einem Konjunkturprogramm nennenswerte Effekte zu erzielen, müssen nach Horns Einschätzung mindestens ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufgewendet werden - für Deutschland wären das rund 25 Milliarden Euro. „Am besten wäre es, wenn die Europäer hier an einem Strang ziehen würden“, so der Fachmann. Hüfner ergänzt: "Angesichts der Anstrengungen in den USA und China wären auch zwei Prozent angemessen." Die Prognosen der Regierung zur wirtschaftlichen Entwicklung seien zu rosig, auch die Wirtschaftsweisen liegen nach Hüfners Einschätzung oberhalb der Realität. "Deshalb muss gerade jetzt mit einem Konjunkturprogramm geklotzt und nicht gekleckert werden."

Für die gewünschten Effekte und einen möglichst langen Hebel seien die Vorschläge der Wirtschaftsweisen gut geeignet: Infrastruktur und Bildungssystem fördern, Energiekomponenten einflechten und steuerliche Anreize schaffen. „Die punktuelle Hilfe für notleidende Firmen verstößt gegen die guten Sitten honoriert im schlimmsten Fall auch noch deren Missmanagement“, urteilt der Volkswirtschaftler.

Den gestrigen Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie lobt Horn ausdrücklich. „Erhöht sich der Reallohn ist das gut für die Binnennachfrage - und mit der zweistufigen Vereinbarung wurde ein sehr eleganter Weg gewählt.“ Hüfner sieht den Abschluss kritischer, die Erhöhung sei "das Äußerste was ging": "Die Früchte des Aufschwungs können verteilt werden, aber in den kommenden Monaten wird es wohl keine weiteren Gewinne bei den betroffenen Firmen geben."

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