Robert Mundell: "Ich glaube an den Euro"

Robert Mundell: "Ich glaube an den Euro"

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"Der Austritt von Griechenland würde den Euro stärken", sagt der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell.

von Anne Kunz

Der Nobelpreisträger fordert einen konsequenten Schuldenabbau – nicht nur in südeuropäischen Krisenstaaten.

WirtschaftsWoche: Professor Mundell, die Krise der Europäischen Währungsunion geht weiter. Wird der Euro überleben?

Robert Mundell: Ja. Der Euro hat trotz der Krise eine vielversprechende Zukunft. Zu seinem zehnten Geburtstag 2009 wurde er noch als großer Erfolg gefeiert – und das zu Recht. Die gemeinsame Währung hat die Produktivität in Europa enorm gesteigert und die einzelnen Staaten zu einem großen Wirtschaftsraum verbunden. Es ist natürlich möglich, dass ein insolventes Land wie Griechenland die Euro-Zone verlassen wird. Aber das würde die Gemeinschaftswährung stärken – und nicht schwächen.

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Betrachtet man das von Ihnen entwickelte Modell optimaler Währungsräume, ist Europa aber alles andere als ein Musterkandidat.

Ich wollte in meiner Arbeit von 1961 zeigen, dass man Gebiete mit hoher Mobilität der Arbeitskräfte zu Währungsunionen zusammenschließen sollte, weil dies hohe Effizienzgewinne bringt. Ich habe damals aber angenommen, dass jeder Staat selbst für seinen Haushalt geradestehen muss und nicht andere Mitgliedsländer bei Schwierigkeiten helfen müssen. Ich glaube nach wie vor, dass die Euro-Zone die Charakteristika eines optimalen Währungsraums erfüllen kann – sobald alle 27 EU-Staaten in die Währungsunion eingetreten sind.

Was wenig realistisch ist. Wie sollte Europa mit den enormen Unterschieden zwischen den Ländern umgehen?

Die entscheidenden Unterschiede gibt es bei Produktivität, Technologie und Lebensstandard. Die südlichen Länder haben weniger Kapital und exportieren mehr arbeitsintensive Güter. Das größte Problem aber ist die massive Verschuldung. Die Staatsausgaben sollten in allen Ländern deutlich zurückgefahren werden, nicht nur im Süden. Die meisten Länder hatten in den Sechzigerjahren noch eine Staatsquote von 25 Prozent. Als der Euro eingeführt wurde, war der Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt bereits auf 45 bis 55 Prozent gestiegen.

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Auch die Bundesstaaten in der USA sind hoch verschuldet. Trotzdem gibt es keine Probleme mit dem Dollar als Einheitswährung.

Das stimmt. Der Hauptunterschied ist, dass die US-Bundesstaaten nicht darauf hoffen können, dass andere für sie einstehen, wenn sie insolvent werden. Das ist seit den Zeiten von George Washington so. Im 19. Jahrhundert gab es Zahlungsausfälle bei neun Bundesstaaten. Die Regierung rettete sie nicht, und die Staaten mussten sich selbst mit ihren Gläubigern einigen – was gelang. Ähnliches hatten die Schöpfer der Maastricht-Verträge im Sinn. In denen gibt es auch eine entsprechende Klausel – über die sich die Politik bekanntlich hinweggesetzt hat. Das hat die Anreize zur Haushaltsdisziplin in überschuldeten Staaten verringert.

Was halten Sie vom jüngst geschlossenen europäischen Fiskalpakt?

Wenn es nicht gelingt, jedes Land für seine Schulden verantwortlich zu machen, bleibt als einzige Alternative eine Fiskalunion, in der die Staatsausgaben vertraglich gedeckelt werden.

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