Rohstoffreich und günstig: Die Märkte von morgen

Rohstoffreich und günstig: Die Märkte von morgen

von Florian Willershausen

Chinas schiere Größe zieht Investoren an wie ein Magnet. Aber das Land hat das Turbowachstum hinter sich. Wer morgen Erfolg haben will, muss heute in Märkte der zweiten Reihe investieren. Die besten stellt die WirtschaftsWoche in einer neue Serie vor.

Martin Winterkorn lässt keine Gelegenheit aus, um zu zeigen, wie gut es für Volkswagen in China läuft. Erst im August reiste er im Tross der halben Bundesregierung nach Peking und schüttelte die Hände der Parteiführung. Im April bat er Chinas scheidenden Premier Wen Jiabao hinter das Steuer eines Elektroautos, als dieser mit der Kanzlerin die Hannover Messe eröffnete.

Jenseits der Blitzlichter lässt sich die Story von Volkswagen aber auch so erzählen: Winterkorn hat seinen Konzern auf Gedeih und Verderb dem China-Geschäft ausgeliefert. Dort setzte er im vergangenen Jahr 2,3 Millionen Fahrzeuge ab, in China ziert das VW-Logo jeden fünften Kühlergrill. Doch Umsatz und Gewinn müssen sich die Wolfsburger mit Partnern teilen, die immer wieder in Verdacht geraten, deutsche Technik zu kopieren.

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So feuerte Winterkorn seinen China-Chef Karl-Thomas Neumann, weil der lokale Partner FAW in dessen Amtszeit Gelegenheit bekam, tiefe Einblicke in die Baupläne des Polo- und Golf-Motors zu gewinnen. Zudem drohen in China, wo VW 12 seiner 14 asiatischen Fabriken betreibt, massive Überkapazitäten. Im Reich der Mitte entscheidet sich Winterkorns Schicksal, das er an den Erfolg der „Strategie 2018“ geknüpft hat: Bis dahin soll VW weltgrößter Autokonzern werden.

Turbowachstum adé

China, China, immer wieder China. Das Riesenland im Osten bringt immer noch Investoren zum Träumen – große wie VW und kleine Mittelständler, die sich bisher kaum aus Deutschland herauswagten. Wer hierzulande China-Konferenzen mit Praktikern der Wirtschaft besucht, muss strategisch gut aufgestellt sein, um Scampi- Häppchen am Büfett zu ergattern: Der Andrang ist riesig, das Interesse groß. Allein mit seiner Masse von 1,3 Milliarden Einwohnern schafft es China, den Mythos eines unersättlichen Absatzmarktes am Leben zu halten. In Wahrheit stockt Chinas Konjunktur aber ebenso wie jene in den ressourcenreichen Ländern Brasilien, Russland und Indien. Die Zeiten des Turbowachstums sind vorbei, der BRIC-Traum platzt (WirtschaftsWoche 36/2012).

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Wer morgen noch global erfolgreich sein will, sollte sich nicht allein auf China konzentrieren – und jetzt mutig in neue Märkte der zweiten Reihe vorstoßen. Das empfehlen Unternehmensberatungen wie McKinsey und Roland Berger, die sich stark in Afrika engagieren. Das sagt Jim O’Neill von der Investmentbank Goldman Sachs, der sich von seinem eigenen Akronym der BRIC-Länder als Garant für Wachstum verabschiedet hat und jetzt auf Südkorea, Indonesien und die Türkei setzt.

Niemand rät zum Rückzug aus China – das Land ist der größte Markt in Asien und wird das auch bleiben. Doch Bernhard Esser, der Schwellenländerexperte der Bank HSBC in Düsseldorf, warnt: „Für viele Investoren käme der Markteintritt jetzt zu spät, weil die Wettbewerber längst vor Ort sind.“ Zumal sich die Regierung in Peking „genau überlegt, welchen Wert eine Investition für die Wirtschaft hat“. Peking zielt auf High Tech – Massenware ist out.

Zu den Skeptikern zählt auch Thorsten Makowski, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Valueneer in Berlin. „Früher gingen die mutigen Investoren nach China, heute sind es die Angsthasen.“ Vor lauter China-Euphorie trügen viele Manager Scheuklappen, die den Blick auf Märkte jenseits der BRIC-Staaten verhinderten: Länder wie Ghana oder Indonesien haben jenes Turbowachstum, das bisher China und Russland auszeichnete, noch vor sich.

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