Rückgang der Zuwächse: Mit Chinas Turbo-Wachstum ist es aus

Rückgang der Zuwächse: Mit Chinas Turbo-Wachstum ist es aus

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von Philipp Mattheis

Die Zeiten der gigantischen Wachstumsraten sind passé – aber deutsche Unternehmen können sich auch über bescheidenere Zuwächse auf dem chinesischen Markt freuen.

Maschinen hämmern und klopfen, doch Andrzej Wojcikowski trottet entspannt durch seine Fabrik. Ein Arbeiter hängt im Minutentakt armlange Metallfedern auf eine Maschine, die sie in ein Bad mit Schutzbeschichtungsflüssigkeit taucht. Der Chinese im Blaumann macht das den Tag über viele Hundert Mal – und nichts deutet darauf hin, dass sich daran bei Autozulieferer Mubea im Speckgürtel von Shanghai etwas ändern wird. „Von einer Konjunkturschwäche merken wir nichts“, sagt Geschäftsführer Wojcikowski. „Natürlich wächst der Automobilbereich nicht mehr so rasant wie vor drei Jahren.“ Aber es gebe Wachstum – das ist die Hauptsache.

China ist längst keine Goldgrube mehr, wo reine Anwesenheit genügt, um den großen Reibach zu machen. In Taicang, nordwestlich von Shanghai, fertigt Mubea Federn für Autobauer wie Volkswagen und General Motors. Um 28 Prozent ist der Umsatz in China im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Wojcikowski, ein Pole in Diensten eines sauerländischen Mittelständlers, kann sich über die zweistelligen Zuwachsraten freuen – auch wenn sich der Absatz nicht mehr alle zwei, sondern nur noch alle vier Jahre verdoppelt.

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Infografik: Deutsche Automobilhersteller in China

So wie Mubea geht es vielen deutschen Unternehmen in China. SAP verkündete im Juli, seine Belegschaft in China verdoppeln zu wollen. Bis Ende 2013 will LED-Lampenhersteller Osram ein neues Werk in Wuxi bauen. Mercedes-Benz vermeldet, zehn Prozent mehr verkaufte Wagen als im Vorjahreszeitraum. Volkswagen lieferte in den ersten sieben Monaten 15,2 Prozent mehr Fahrzeuge aus als im Vorjahreszeitraum. Abschwung? Krise? China-Blase vor dem Platzen? Nicht bei uns, heißt es 8500 Kilometer östlich von Europa, wiewohl niemand den Rückgang der Zuwächse bestreiten will.

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Dabei sind die jüngsten Nachrichten düster – jedenfalls für chinesische Verhältnisse: 7,6 Prozent Wachstum verkündete die Regierung im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr – so wenig wie seit drei Jahren nicht. Seitdem geistert der Begriff des Soft Landing durch die Presse. Acht Prozent, so sagen die meisten Experten, werden benötigt, um die Millionen von Arbeitern mit Jobs zu versorgen. Geschieht das nicht, könnten soziale Unruhen die Folge sein und damit die Herrschaft der Partei gefährden.

Im Perlflussdelta, der Werkbank des Landes, werden bereits die ersten Wanderarbeiter zurück in ihre Provinzen geschickt. Die Führungsriege Chinas ist ohnehin nervös wegen des im Herbst bevorstehenden Regierungswechsels. Bloß keine Zweifel an den Führungsqualitäten der Partei aufkommen lassen, lautete die Devise. Grund zur Besorgnis gibt es genug: In Wahrheit stehe es um die chinesische Wirtschaft noch weitaus schlimmer, sagen Kritiker. Die offiziellen Zahlen seien geschönt.

Skurrile Barometer

Indikatoren für die Dramatik in der Realwirtschaft gibt es reichlich. Der Elektrizitätsverbrauch legte im Juni überraschend nicht zu – das letzte Nullwachstum beim Stromkonsum hatte es im Juni 2009 gegeben, auf dem Höhepunkt der Krise. Da sind die Kasino-Gewinne in Macau, wo reiche Chinesen ihr Geld verpulvern. Haben sie wenig auszugeben, sinken auch die Einnahmen der Spielstätten. Im Moment zeigt der Indikator den tiefsten Stand seit der Krise 2009.

Diesseits solch skurriler Barometer deuten knallharte Zahlen darauf hin, dass die Wirtschaft längst schwächelt: Im Juli legten die Ausfuhren nur um etwa ein Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, im Juni waren es noch elf Prozent gewesen. In die EU lieferte China 16 Prozent weniger Waren – die Euro-Krise gibt dem Drachen weniger Futter. Nur am gewaltigen Absatzmarkt ist davon real noch nichts zu spüren – außer, dass der Optimismus wie weggeblasen ist: Chinas Einkaufsmanagerindex PMI lag im August bei 47,8 Punkten – der niedrigste Stand seit März 2009.

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