Sachverständigenrat: Fünf Wirtschaftsweise, viele Meinungen

Sachverständigenrat: Fünf Wirtschaftsweise, viele Meinungen

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Wolfgang Franz, der neue Chef des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Seit wenigen Tagen ist Wolfgang Franz neuer Chef des Sachverständigenrates. In dem Gremium, das die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät, sitzen noch vier weitere markante Köpfe. Nicht immer sind sich die fünf Wirtschaftsweisen ganz grün.

Sie gelten als die besten Forscher ihrer Zunft, dennoch werden sie von Politikern und an den Stammtischen immer wieder heftig kritisiert. Kein Wunder: Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung stellt oft unbequeme politische Forderungen, etwa nach Steuererleichterungen und mehr wirtschaftlicher Liberalisierung. Kritik kommt aber auch, weil die fünf Wirtschaftsweisen mit ihren Prognosen regelmäßig daneben liegen. In der Wirtschaftskrise fordern sie jetzt staatliche Ausgabenprogramme, die sie früher in Bausch und Bogen ablehnten. „Ich glaube denen kein Wort“, sagt etwa Peter Struck, Chef der SPD-Bundestagsfraktion und fordert gar die Abschaffung des Rates.

Doch damit tut Struck den fünf Weisen unrecht. Denn sie sind tatsächlich ausgewiesene Kenner ihres Faches. Was sind das für Wissenschaftler, die mit ihren jährlichen Gutachten zur wirtschaftlichen Entwicklung immer wieder für aufgeregte Diskussionen sorgen?

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Der neue Chef des Gremiums ist der Arbeitsmarktexperte Wolfgang Franz. In einem Alter, in dem andere in den Ruhestand wechseln, erklimmt der 65-Jährige den Gipfel seiner Karriere. Führungserfahrung hat er schon reichlich gesammelt: Schon seit 1997 leitet er als Präsident das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), das er zu einer international beachteten Denkfabrik ausgebaut hat.

Der Topökonom wechselte die Seiten

Franz gilt als Realist und Reformer. Er unterstützte die „Agenda 2010“ der Schröder-Regierung und er protestierte gegen die Einführung eines Mindestlohns. In der aktuellen Finanzkrise müsse der Staat wegen der Gefahr eines Kollapses des gesamten Finanzsektors den Banken helfen - „wenn auch zähneknirschend“. Hilfen für Opel und andere in Not geratene Unternehmen lehnt der überzeugte Marktwirtschaftler jedoch entschieden ab.

Der neue Ratschef ist ein unabhängiger Kopf, der sich seine Denkrichtung nicht durch andere vorgeben lässt. Das spiegelt sich schon in seiner Ratskarriere wieder: Von 1994 bis 1999 gehörte er schon mal dem Rat an, damals auf Empfehlung der Gewerkschaften. Doch eben bei denen fiel der kantige Wissenschaftler zunehmend in Ungnade. Sie sorgten dafür, dass Franz noch vor Ablauf des fünfjährigen Mandats gehen musste. Den Gewerkschaften waren die Positionen des Wissenschaftlers zu liberal, gerade in der Arbeitsmarktpolitik. 2003 kehrte Franz aber dann wieder in das Gremium zurück – diesmal auf Empfehlung der Arbeitgeber.

Franz promovierte 1974 an der Universität Mannheim über Arbeitsmarktanalysen, 1981 habilitierte er sich mit einer Arbeit über Jugendarbeitslosigkeit. Der Professor ist ein Kenner der USA: Dort war er zwei Jahre an der berühmten Harvard Universität und am National Bureau of Economic Research tätig.

Ideen sollen besser erklärt werden

Franz ist von eher zurückhaltender Natur - anders als sein Vorgänger Bert Rürup, der Woche für Woche durch Talkshows geisterte und bei dem selbst sein Ausscheiden aus dem Gremium medienwirksam und umstritten ablief: Rürup wechselte zum Finanzdienstleister AWD.

Der neue Ratspräsident Franz ist in der breiten Bevölkerung bisher eher unbekannt. Der Wissenschaftler gilt als humorvoll und durchaus selbstbewusst. „Ich bin höflich im Ton, aber bestimmt in meinen Aussagen“, sagt Franz von sich selbst.

Der Wissenschaftler weiß, dass der Sachverständigenrat ein Kommunikationsproblem hat. Als neuer Chef wolle er versuchen, die Empfehlungen des Gremiums stärker als bisher in der Politik zu verankern. „Wir müssen unsere Ideen noch intensiver vermitteln“, sagt Franz.

Neben Franz sitzen im Sachverständigenrat Christoph Schmidt, Beatrice Weder di Mauro, Wolfgang Wiegard und Peter Bofinger.

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