Schuldenkompromiss: Die USA stehen vor zwei unschönen Alternativen

Schuldenkompromiss: Die USA stehen vor zwei unschönen Alternativen

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Beruhigt der Kompromiss im US-Schuldenstreit die Märkte?

von Mark Fehr

Die Märkte in Europa reagieren fürs Erste erleichtert auf den Kompromiss im US-Schuldenstreit. Doch was folgt langfristig für Europa und Deutschland? Die Stimmen der Ökonomen.

Die Insolvenz stand kurz bevor, aber US-Präsident Barack Obama und die mächtige Opposition haben sich über das Wochenende zu einem Kompromiss zusammengerauft. Amerikas Regierung darf höhere Schulden machen, muss aber gleichzeitig auf die Ausgabenbremse treten. Jetzt braucht das Konzept noch die Zustimmung des Kongresses.

Während die Börsen kurzfristig erleichtert auf die Lösung in letzter Minute reagieren, analysieren Ökonomen die langfristigen Folgen der Schuldenlösung. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Privatbank Berenberg, erkennt dabei sogar positive Auswirkungen für die deutsche Konjunktur.

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„Amerika überwindet jetzt offenbar seine Selbst-Blockade. Zudem beginnen die USA endlich damit, ihr riesiges Loch im Staatshaushalt zu verkleinern, statt immer nur über die zumeist geringeren Haushaltsdefizite in Europa die Nase zu rümpfen", sagte Schmieding der WirtschaftsWoche. Die deutschen Exporte über den Atlantik dürften laut Schmieding kaum unter den Sparmaßnahmen leiden.

„Deutsche Exporte dürften kaum leiden“

„Dass die USA handeln, stützt die Börse auch bei uns. Es hilft dem US-Dollar und kann den Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks etwas mehr Zukunftsvertrauen geben. Das kommt auch den Investitionen bei uns – und somit unserer Konjunktur zugute. Die Sparmaßnahmen in den USA fallen zumindest bis 2013 recht moderat aus. Sie werden unsere Ausfuhr in die USA kaum belasten."

Pessimistischer fällt Schmiedings Analyse hinsichtlich des Staatsschuldendilemmas in Europa aus: „Sofern sich die Lage in den USA beruhigt, könnte sich das Augenmerk wieder auf die weiter schwelende Euro-Krise richten. Nur wenn die EZB eindeutig klarstellt, dass sie notfalls erneut eingreifen würde, so wie sie es vom Mai 2010 bis zum Februar 2011 getan hat, könnten wir sicher sein, dass wir in der Euro-Schuldenkrise das Schlimmste überstanden haben."

Herabstufung des Ratings gebannt

Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner sieht die US-Lösung als wichtigen Schritt für das internationale Finanzsystem: „Sollte es nicht zu einer Abstimmungsspanne auf den letzten Metern kommen, ist zumindest die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit der USA und einer kurzfristigen Herabstufung des Ratings gebannt. Damit bliebe der Weltwirtschaft ein Schock auf dem Finanzmarkt erspart."

Noch überwiegt an den Börsen die Erleichterung über den US-Kompromiss. Doch das dürfte nach Meinung von Commerzbank-Analysten nicht so bleiben: „Die Vereinbarung sollte zunächst als Erleichterung kommen und den Risikoappetit unterstützen", schreibt Rainer Guntermann von der Commerzbank. Mittelfristig dürfte sich der Markt laut Guntermann aber zunehmend Sorgen über die negativen Auswirkungen der restriktiveren Fiskalpolitik auf das Wachstum machen.

Laut Commerzbank-Experte Ulrich Leuchtmann stehen die USA nun vor zwei unschönen Alternativen. Entweder ufern die Defizite so stark aus, dass das endgültige Haushaltsdesaster drohe – oder die Konjunktur werde durch Sparsamkeit just in dem Moment abgewürgt, wo sie fiskalpolitische Stimulierung bräuchte.

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