Schuldenkrise: Angst um Euro wächst dramatisch

Schuldenkrise: Angst um Euro wächst dramatisch

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Die Anzeigetafel für den DAX-Index Foto: Frank Rumpenhorst dpa/lhe

Der Euro im Sturzflug, der Dax unter 5000 Punkten und die Kosten für griechische Kreditausfallversicherungen auf neuem Rekordhoch - die Sorgen um den Euro nehmen weiter zu. Hauptverantwortlich die Planspiele von Wirtschaftsminister Rösler, der dafür auch aus den eigenen Reihen harsch kritisiert wurde.

Das von einer Staatspleite bedrohte Griechenland verfügt nach eigenen Angaben noch bis Oktober über ausreichend Geld. Bis dahin sei das Land zahlungsfähig, sagte der stellvertretende griechische Finanzminister Filippos Sachinides am Montag. Zuletzt war aus griechischen Regierungskreisen verlautet, das südeuropäischen Land verfüge nur noch wenige Wochen über finanzielle Mittel.

Faktisch wäre eine Staatspleite schon bald Realität, wenn Griechenland nicht die ausstehende sechste Tranche von acht Milliarden Euro aus dem 110 Milliarden Euro schweren ersten Hilfspaket seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) erhält. Weil das Land seine Sparzusagen bisher nicht einhalten kann, liegt die Tranche auf Eis. Am Wochenende kündigte die Regierung in Athen die Einführung einer Immobiliensteuer an, die zwei Milliarden Euro in die klamme Staatskasse spülen soll.

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Dax und Euro auf Talfahrt - Kosten für griechische Kreditausfallversicherungen auf Rekordhoch

Die Sorgen um die Zahlungsfähigkeit Griechenlands haben die Kosten für eine Kreditausfallversicherung (CDS) des südeuropäischen Landes auf ein neues Rekordhoch getrieben. Fünfjährige Swaps zur Versicherung von zehn Millionen Euro an griechischen Staatsanleihen waren mit 3,950 Millionen Euro so teuer wie noch nie.

Die Aktienmärkte gingen erneut in die Knie. Der Dax fiel am Montag erstmals seit gut zwei Jahren unter die Marke von 5000 Punkten, er rutschte um bis zu 3,8 Prozent ab. Die Börsen in Mailand, Paris oder London gaben ebenfalls deutlich nach. Am deutschen Aktienmarkt gehörten die Deutsche Bank und die Commerzbank mit Abschlägen von jeweils mehr als sieben Prozent zu den größten Verlierern.

In den vergangenen acht Wochen verzeichnete der Dax damit den stärksten Kursrutsch seit neun Jahren. Zwischen Ende Juli und Mitte September verlor der deutsche Leitindex rund 2300 Punkte oder ein Drittel seines Wertes. Das aktuelle Quartal ist zudem das zweitschlechteste seiner Geschichte nach dem dritten Quartal 2002. Sollte der Dax in den kommenden beiden Wochen weitere fünf Prozentpunkte auf den Verlust seit Ende Juli draufpacken, würde es zum schwärzesten Jahresviertel. Durch die Talfahrt des Aktienmarktes verloren die 30 Dax-Werte insgesamt 238 Milliarden Euro an Börsenwert. Dies entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung Griechenlands.

Auch der Euro befindet sich im freien Fall: Die Gemeinschaftswährung rutschte zeitweise auf ein Acht-Monats-Tief von 1,3499 Dollar und lag damit rund 1,5 US-Cent unter dem New Yorker Freitagsschluss. Zur japanischen Valuta war sie mit 104,08 Yen sogar so billig wie seit Mitte 2001 nicht mehr.

Röslers Bankrott-Planspiele

Weiterhin für Unruhe sorgte der Abgang von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. Er hatte am Freitag überraschend seinen Rücktritt angekündigt und damit die Märkte in Aufruhr versetzt. Das stärke nicht gerade das Vertrauen in die EZB, die europäische Finanzkrise in den Griff zu bekommen, sagte ein Händler. „Das hat den Märkten einen ordentlichen Schlag versetzt und das wirkt nach“, ergänzte IG-Markets-Stratege Potter.

Für Unruhe sorgte zudem vor allem, dass eine Staatspleite Griechenlands in der Euro-Zone offenbar kein Tabu mehr ist. Medienberichten vom Wochenende zufolge laufen im Bundesfinanzministerium bereits Planspiele, wie ein Bankrott beherrscht werden könnte. Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler nannte in einem Beitrag für „Die Welt“ eine geordnete Insolvenz denkbar, wenn dafür die Instrumente zur Verfügung stünden. „Die Unterstützung für das Land scheint zu bröckeln. Der Markt beginnt, mit dem schlimmsten zu rechnen“, sagte Katsunori Kitakura, Chef-Händler bei Chuo Mitsui Trust and Banking. Die Analysten der Commerzbank sahen ebenfalls Anzeichen, dass die Bundesregierung ein Ende der Griechenland-Hilfe anstrebe. „Sollte das die neue Position Berlins sein, wird das Problem der Ansteckung wieder akut.“

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