Schuldenkrise: Warum Sparprogramme keine Rezession auslösen

Schuldenkrise: Warum Sparprogramme keine Rezession auslösen

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Hand mit Rotstift

von Malte Fischer

Würgen die Rotstiftaktionen der Regierungen die Konjunktur ab? Diese Frage wird derzeit unter Ökonomen heiß diskutiert.

Vor allem keynesianisch orientierte Vertreter der Zunft betonen dabei, die private Nachfrage in den großen Industrieländern sei noch zu schwach, als dass die Wirtschaft ohne staatliche Stimuli auskomme. Sie fordern daher, mit dem Sparen noch zu warten oder sogar zusätzliche Konjunkturprogramme auf den Weg zu bringen.

Dagegen bezweifeln die Vertreter der angebotsorientierten Denkschule, dass die Haushaltskonsolidierung die Konjunktur stark dämpfe. Mache der Staat weniger Schulden, entlaste dies den Kapitalmarkt und senke die Zinsen. Darüber hinaus verringere ein geringerer Schuldendienst die künftige Steuerbelastung. Da sich die Bürger bei ihren Konsumentscheidungen am erwarteten Lebenseinkommen orientierten, stärke eine Rückführung der Schulden den privaten Konsum.

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Verbraucher steigern Konsum

Wer hat recht? Eine Antwort auf diese Frage gibt eine Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und des Analyseinstituts Kiel Economics. Mithilfe eines makroökonomischen Mehrländermodells haben die Ökonomen untersucht, wie sich Sparpakete auf das Wachstum der Wirtschaft auswirken. Dabei haben sie sowohl isolierte Sparmaßnahmen in einzelnen Ländern als auch koordinierte internationale Sparpakete betrachtet.

Unterstellt wurden Maßnahmenpakete, die mit einer Größenordnung von rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich umfangreicher sind als die derzeit in den großen Industrieländern diskutierten Pakete. Die Forscher haben in ihrer Simulation unterstellt, dass die Regierungen die konsumtiven Staatsausgaben und die Transferausgaben dauerhaft um jeweils fünf Prozent kürzen und die indirekten Steuern um zwei Prozentpunkte anheben.

Ergebnis: Die Sparmaßnahmen bremsen die Konjunktur zwar kurzfristig erheblich. Doch die restriktiven Wirkungen laufen rasch wieder aus. Das gilt besonders dann, wenn Bürger, Unternehmer und Notenbanker rationale Erwartungen hegen, also erkennen, dass geringere Schulden zu niedrigeren Steuern in der Zukunft führen. Die Verbraucher steigern ihren Konsum. Das belebt die Binnennachfrage und wirkt den dämpfenden Effekten der staatlichen Ausgabenkürzungen entgegen.

Spielraum für die Notenbank

Ein weiteres, überraschendes Ergebnis der Studie ist, dass international gleichzeitig implementierte Sparmaßnahmen die Konjunktur in den einzelnen Ländern weniger stark dämpfen als national isolierte Sparpakete. Die Kieler Ökonomen erklären dies damit, „dass die Geldpolitik bei weltweit restriktiver Finanzpolitik wesentlich rascher und stärker gelockert wird“. Sparen etwa alle Länder im Euro-Raum, so bremst die restriktive Finanzpolitik die Nachfrage und den Preisauftrieb. Das gibt der Notenbank den Spielraum, die Leitzinsen zu senken, wovon alle Länder des Währungsraums profitieren. Spart hingegen nur ein kleines Land wie Griechenland, so hat dies für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage im Euro-Raum kaum Bedeutung – und die EZB sieht keinen Anlass, die Leitzinsen zu senken.

Die Studie zeigt zudem: Selbst wenn die Bundesregierung ihr Sparprogramm auf das von den Kieler Forschern unterstellte Volumen von drei Prozent des BIPs aufstockt, wird es die Konjunktur nicht abwürgen. Zwar würde das BIP-Niveau dann im nächsten Jahr um 0,6 Prozent nach unten gedrückt. Doch bereits 2014 läge es wieder so hoch, als habe es kein Sparpaket gegeben.

Grafik: Wie die Sparmaßnahmen wirken

Grafik: Wie die Sparmaßnahmen wirken

Die Studie zeigt zudem: Selbst wenn die Bundesregierung ihr Sparprogramm auf das von den Kieler Forschern unterstellte Volumen von drei Prozent des BIPs aufstockt, wird es die Konjunktur nicht abwürgen. Zwar würde das BIP-Niveau dann im nächsten Jahr um 0,6 Prozent nach unten gedrückt. Doch bereits 2014 läge es wieder so hoch, als habe es kein Sparpaket gegeben.

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