Schwaches zweites Quartal: Deutsche Wirtschaft knickt ein

Schwaches zweites Quartal: Deutsche Wirtschaft knickt ein

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Die deutsche Wirtschaft muss einen Rückgang verkraften.

von Tim Rahmann

Europa stagniert - und auch die deutsche Wirtschaft muss im Frühjahr erstmals seit gut einem Jahr schlechte Nachrichten verkraften. Von einer drohenden Rezession in Deutschland zu sprechen, ist allerdings Panikmache.

Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr erstmals seit gut einem Jahr geschrumpft. Wegen des schwächelnden Außenhandels und sinkender Investitionen fiel das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Überraschend kam dieser Einbruch nicht. Im ersten Quartal 2014 war die Wirtschaft noch um 0,7 Prozent gewachsen und hatte vor allem am Bau vom milden Winter profitiert. Die sonst übliche Frühjahrsbelebung im zweiten Quartal fiel damit mehr oder weniger aus. Das Ergebnis: Das zweite Quartal verlor leicht.

Neben den Verzerrungen durch den milden Winter sorgten die zahlreichen Krisenherde rund um den Globus für Verunsicherung, insbesondere der Russland-Ukraine-Konflikt und die Entwicklung im Nahen Osten. Dem konnte sich die Exportnation Deutschland nicht völlig entziehen. Die Exporte stiegen nach Angaben des Bundesamtes im Vorquartalsvergleich weniger stark als die Importe, daher wirkte sich der wichtige Außenbeitrag negativ auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung aus. "Daneben gingen die Investitionen insbesondere in Bauten deutlich zurück", erklärte das Statistische Bundesamt. Die privaten Verbraucher und die öffentlichen Haushalte hätten hingegen ihren Konsum jeweils etwas gesteigert.

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Die zehn wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Unter den Top 10 der wettbewerbsfähigsten Ländern befinden sich gleich drei skandinavische Staaten. Den Anfang macht Norwegen auf Rang 10. Damit verliert das Land im Vergleich zum Vorjahr vier Plätze. Nahezu unschlagbar ist Norwegen in den Punkten gesellschaftliche Rahmenbedingung, Produktivität und Effizienz, sowie politischer Stabilität. Doch die Steuerlast und die Einkommen sind sehr hoch. Das macht es für Unternehmen in dem Land schwer, konkurrenzfähige Preise zu bieten.

  • Platz 9

    Neu vertreten unter den zehn wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt ist Dänemark. Die Skandinavier klettern um drei Plätze nach oben. Das Land weist die geringste soziale Ungleichheit auf (Rang eins beim Gini-Index), kennt das Wort Korruption praktisch nicht (Rang eins) und hat einen äußerst flexiblen Arbeitsmarkt (Rang zwei). Auf der Negativseite steht die hohe Besteuerung von Konsumgütern (Rang 49) und dem Einkommen (Rang 59) .

  • Platz 8

    Auch die Vereinigten Arabischen Emirate verteidigen ihren Platz in den Top 10. Von Platz 16 im Jahr 2012 ging es 2013 und 2014 hoch auf Rang acht. Die Emirate gelten als der Knotenpunkt für Tourismus, Handel und Luftfahrt. Im Ranking punkten die Arabischen Emirate besonders mit den Unternehmenssteuern (Platz eins im weltweiten Vergleich), den Umsatzsteuern (Platz eins), der Einkommenssteuer (Platz eins), den Sozialversicherungsbeiträgen, der Bürokratie und dem Altersdurchschnitt der Gesellschaft. Auch beim Image, der Erfahrung und der Bereitschaft, ausländische Fachkräfte anzuheuern, kann das Land punkten. Mau sieht es dagegen mit der Beschäftigungsrate von Frauen aus.

  • Platz 7

    Kanada festigt den siebten Platz. Das Land gilt wegen seiner Facharbeiter, der politischen Stabilität, dem hohen Bildungslevel, der guten Infrastruktur und dem unternehmerfreundlichen Umfeld als besonders attraktiv für Unternehmen.

  • Platz 6

    Gleich drei Ränge nach oben geht es für Deutschland. Der positive Trend setzt sich damit fort. Berlin belegte im Jahr 2007 noch Rang 16. Besonders gut steht Deutschland unter anderem bei der Jugendarbeitslosigkeit (weltweit Rang fünf), Export (weltweit Rang drei) und der Diversifizierung der Wirtschaftstätigkeit (Rang zwei) da. Auch bei Ausbildung und Lehre (Platz eins), Fortbildungen (Platz zwei), Produktivität der Arbeitskräfte und kleinen und mittelständischen Unternehmen (jeweils Platz eins) macht Deutschland keiner etwas vor. Bei Sozialversicherungsbeiträgen (Rang 54), Arbeitsstunden (Rang 53) oder dem Ausbau von Highspeed-Breitband (Rang 53) kann Deutschland noch etwas lernen.

  • Platz 5

    Schweden kommt in dem internationalen Vergleichsranking als zweitbeste europäische Nation auf einen guten fünften Platz. 2013 hatte es zwar noch für Rang vier gereicht, dennoch ist das nordische Land optimal für den globalen Wettbewerb aufgestellt - ganz anders als etwa 2007, als das Land nur Platz 19 belegte. Besonders in den Bereichen Bildung, Gesundheitsversorgung, Management und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist das skandinavische Land unschlagbar. Auch die Produktivität der Firmen und das Finanz-Know-How sind weltspitze.

  • Platz 4

    Um einen Platz nach unten geht es für die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. 2012 hatte es die chinesische Metropole noch auf Platz eins geschafft. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong besonders wegen der attraktiven und wettbewerbsfähigen Besteuerung der Unternehmen, dem wirksamen Rechtssystem, der unternehmerfreundlichen Umgebung, der verlässlichen Infrastruktur und der dynamischen Wirtschaftsentwicklung. Ganz gut steht Hongkong auch bei der Höhe der Steuersätze für die Bürger, dem Bank- und Finanzsektor sowie den Direktinvestitionen da.

  • Platz 3

    Vom fünften auf den dritte Platz geht in diesem Jahr für Singapur. Das asiatische Land wird von Unternehmen wegen seiner kompetenten Regierung, der verlässlichen Infrastruktur, dem wirksamen Rechtssystem und dem stabilen politischen System sowie seiner Unternehmerfreundlichkeit geschätzt.

  • Platz 2

    Der zweite Platz geht - wie im Vorjahr - an die Schweiz. Der kleine Alpenstaat mit seinen nur rund acht Millionen Einwohnern punktet besonders mit sehr gut ausgebildeten Fachkräften und hohen wissenschaftlichen Standards. Unternehmen aus aller Welt schätzen die politische Stabilität in der Schweiz genauso wie die gut ausgebildeten Arbeitskräfte vor Ort, die hohe Bildung, die herrschenden Steuersätze und die verlässliche Infrastruktur.

  • Platz 1

    Die wirtschaftlich stärkste und wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Zu diesem Ergebnis kommt das IMD World Competitiveness Center in seiner aktuellen Vergleichsstudie. Demnach punktet die US-Amerikaner mit einer dynamische Wirtschaft, qualifizierten Arbeitskräften, den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, sowie den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung.

Europas größte Volkswirtschaft war zuletzt Wachstumsmotor der Währungsunion. Damit ist es vorerst vorbei. Das hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaftsdaten der Euro-Zone. Die 18 Volkswirtschaften stagnierten im Frühjahr überraschend. Vor allem eine Flaute in den drei größten Volkswirtschaften sorgte dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum zwischen April und Juni auf dem Niveau des Vorquartals verharrte, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Neben Deutschland schrumpfte auch die Wirtschaft in Italien (-0,2 Prozent). Frankreich stagnierte. Anfang des Jahres hatten die 18 Länder der Währungsunion noch um 0,2 Prozent zugelegt. Danach machte sich allerdings Unsicherheit über die Folgen der Ukraine-Krise breit und der gesamte Aufschwung fiel schwächer aus als erwartet. Für Lichtblicke sorgten nun Spanien und Portugal mit einem Wachstum von jeweils 0,6 Prozent sowie die Niederlande mit plus 0,5 Prozent. In Österreich ging es um 0,2 Prozent bergauf.

Sorgen um die deutsche Wirtschaft Kippt jetzt die Konjunktur?

Die Russland-Krise zeigt Wirkung: Im zweiten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft stagniert haben, und auch im Gesamtjahr 2014 wird das Wachstum weniger stark zulegen als erwartet. Droht ein Absturz wie 2008?

Quelle: dpa/Montage

Bei allen Sorgen um die deutsche Konjunktur wäre es allerdings falsch nun von einer drohenden Rezession zu sprechen. Die positiven Aspekte des konjunkturellen Geschehens überwiegen deutlich. Erstens wird die Binnenwirtschaft von einem ansehnlichen Konsumzuwachs getragen, zweitens ist der Dienstleistungssektor sehr stabil, und drittens gab der ifo-Indikator im Vergleich zu früheren Vergleichsperioden nur moderat nach. Derzeit gibt es keinerlei Anzeichen, dass auch das dritte Quartal schwach laufen wird. Im Gegenteil: Volkswirte gehen davon aus, dass Deutschland um 0,6 bis 1 Prozent wachsen wird. Auf Jahressicht dürfte Deutschland nicht mehr - wie zu Jahresbeginn erhofft - um rund zwei Prozent wachsen, wohl aber um rund 1,5 bis 1,7 Prozent. "Es gibt keine Ähnlichkeit zum Katastrophenjahr 2008", beruhigt auch ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Jörg Krämer von der Commerzbank sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich sehe keine Rezessionsgefahr. Der Leitzins ist viel zu niedrig für Deutschland, das entfacht das Wachstum. Das ist nur eine Delle. Wir haben unsere Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr bereits zuvor von 2,0 auf 1,7 Prozent heruntergenommen. Um ein solches Wachstum beneiden uns die meisten Länder in der Euro-Zone." Recht hat er. (mit Material von dpa)

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