Schwellenländer: Die Weltbank bekommt Konkurrenz

Schwellenländer: Die Weltbank bekommt Konkurrenz

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Die Regierungschefs der BRICS-Staaten.

Mit der New Development Bank haben die großen Schwellenländer beim BRICS-Gipfel eine eigene Entwicklungsbank gegründet. Bei Infrastrukturprojekten gibt es also bald eine Alternative zur Weltbank.

Richtig glücklich mit der Politik von Weltbank und Internationalem Währungsfond (IWF) waren die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (BRICS) nie. In ihren Augen sind die Washingtoner Institutionen viel zu eng mit den USA und Westeuropa verbandelt. Sie mussten für den Bau von Straßen, Schulen und Krankenhäuser meist selbst die Finanzierung organisieren.

Das soll jetzt anders werden. Beim Gipfeltreffen in der russischen Stadt Ufa haben die fünf Staats- und Regierungschefs Einzelheiten für den Aufbau der neuen multilateralen Bank beschlossen. Zunächst investieren die fünf Schwellenländer 50 Milliarden Dollar in ihre „New Development Bank“ (NDB), in den kommenden Jahren soll der Fond auf 100 Milliarden verdoppelt werden. Den Löwenanteil übernimmt China mit 41 Milliarden, Gipfel-Gastgeber Russland begnügt sich mit 18 Milliarden. Brasilien und Indien steuern die gleiche Höhe bei, Südafrika fünf Milliarden.

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Präsident der Bank wird Kundapur Kamath aus Indien. Die NDB soll große Infrastrukturprojekte finanzieren, aber auch mit ihren Dollareinlagen einspringen, wenn ein BRICS-Land in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Das soll Rubel, Renminbi und Co. gegen Spekulationen schützen und die Wechselkurse stabilisieren.

Die neue Entwicklungsbank ist ein Versuch der Schwellenländer, ihr schwaches Wachstum wieder anzukurbeln. Zurzeit leidet Russland unter den Kapitalmarktrestriktionen durch die Ukrainekrise und Indien unter Reformstau, während Chinas Börsen auf Talfahrt sind, Brasilien die Korruption und Südafrika die internen Konflikte nicht in den Griff bekommt. Andererseits machen die fünf Nationen rund 20 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung aus.

Die Gründung der Bank ist ein politisches Ausrufezeichen. Bei allen wirtschaftlichen und politischen Unterschieden zwischen den fünf Ländern, wollen sie alle in der Weltpolitik und in der globalen Wirtschaftspolitik mitreden. Aus ihrer Sicht werden sie von den USA, Europa und Japan bei wichtigen Entscheidungen ignoriert. Das widerspricht ihrem Selbstbewusstsein, und daran soll sich durch die NDB Entscheidendes ändern.

Schon im April 2016 soll die Bank ihre Arbeit aufnehmen und in eigene Projekte der Gründungsländer investieren. Später sollen auch andere Staaten gefördert werden. Dass der enge Zeitplan eingehalten werden kann, bezweifelt der Göttinger Entwicklungsökonom Stephan Klasen: „Wenn im nächsten Jahr Geld ausgegeben werden soll, dann müssen die Projekte schon in der Schublade liegen.“ Der Aufbau einer öffentlichen Investitionsbank dauere eigentlich länger. Sehr schnell seien eigentlich nur Co-Finanzierungen mit anderen Entwicklungsbanken möglich, meint Klasen, der auch Mitglied im UN-Ausschuss für Entwicklungspolitik ist.

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In einigen Jahren kann die BRICS-Bank dennoch den etablierten westlichen Entwicklungsbanken Konkurrenz machen. Afrikanische Staaten hängen im Moment allein am Tropf der Weltbank und des IWF. In Zukunft könnte die NDB in das Wettrennen um die Entwicklung und Ressourcenverteilung des Kontinents einsteigen.

Eine ausreichende Kapitalisierung hat die neue Entwicklungsbank. Die 100 Milliarden Dollar sind zwar weniger als die Hälfte dessen, was die Weltbank mit ihren rund 220 Milliarden zur Verfügung hat. Dennoch ist sich Klasen sicher: „Die neue Bank wird im Infrastrukturbereich ein großer Player.“

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