Schwellenländer-Krise: Kommt nun das Ende der Globalisierung?

kolumneSchwellenländer-Krise: Kommt nun das Ende der Globalisierung?

Von der Krise der Schwellenländer profitieren vor allem die Industrienationen, schreibt unser Gastautor Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank.

In einem wirklich atemberaubenden Tempo haben sich in den vergangenen Jahren die Gewichte in der Weltwirtschaft verschoben. Die traditionellen Industrienationen haben gegenüber den Emerging Markets erheblich an Bedeutung verloren. Doch plötzlich ist dieser Trend zum Stillstand gekommen. Mehr noch: Die klassischen Industrienationen gehören gegenwärtig zu den klaren Gewinnern der Krise. Dagegen liefern die ehemaligen Wachstumstreiber, die Emerging Markets, aktuell kaum noch neue Impulse für die Weltwirtschaft.

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Erleben wir also gegenwärtig den Anfang vom Ende der Globalisierung? Oder stehen wir gar am Anfang einer neuen Krise in den Emerging Markets? Ich glaube nicht. Vielmehr haben sich die Strukturen der Weltwirtschaft in den letzten Jahren stark gewandelt und dieser Veränderungsprozess wird sich auch weiterhin fortsetzen. Allerdings – inzwischen kämpfen viele dieser Länder mit ähnlichen Problemen wie die klassischen Industrienationen.

In der Tat stehen viele Schwellenländer in diesen Tagen vor einer gewissen Zäsur. Sie werden langsam „erwachsen“. Und das hat für diese Länder sowohl positive als auch negative Folgen. Negativ ist: Die Produktionskosten und insbesondere das Lohnniveau sind in diesen Ländern bereits erheblich gestiegen. Damit dürften sich in Zukunft jedoch die Waren verteuern und der seit Jahren inflationsdämpfende Effekt durch die günstigen Exportwaren sollte an Bedeutung verlieren. Dieser Lohndruck hat aber zugleich auch positive Seiten. Denn die steigenden Einkommen stimulieren die Wirtschaft und führen zu einem stärkeren binnenwirtschaftlichen Wachstum. Die Länder wandeln sich also mittelfristig von einem reinen Niedriglohnanbieter zu Volkswirtschaften, die ausländisches Kapital durch eine stabile und nachhaltige binnenwirtschaftliche Entwicklung anziehen.

Stefan Bielmeier ist seit 2010 der Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ Bank, dem Zentralinstitut von mehr als 900 Genossenschaftsbanken. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Stefan Bielmeier ist seit 2010 der Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ Bank, dem Zentralinstitut von mehr als 900 Genossenschaftsbanken. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Das ist aber nur eine der Ursachen für die aktuelle Wachstumsverlangsamung in den Ländern der Emerging Markets. In Wahrheit gibt es hier sehr viele und sehr unterschiedliche Gründe. Denn diese Länder sind längst nicht mehr als einheitlicher Block zu sehen. China ist beispielsweise gerade dabei, sein Wirtschaftsmodell zu adjustieren. So möchte die chinesische Regierung die binnenwirtschaftliche Dynamik des Landes nachhaltig steigern und weniger von der Exportnachfrage abhängen. Während der Eurokrise hat die merklich nachlassende Nachfrage aus dem Euroraum zu einem deutlichen Konjunktureinbruch in China geführt und die chinesische Regierung musste infolge die Wirtschaft mit Konjunkturprogrammen stützen.

Solche Abhängigkeiten möchte man in Zukunft wohl reduzieren. Diese Adjustierung hat aber eine erhebliche Wachstumsverlangsamung zur Folge. Denn die Industriestruktur muss angepasst werden und das verfügbare Einkommen sollte über die Zeit steigen, was zunächst Marktanteile kosten sollte. Dieser Verlust an wirtschaftlicher Dynamik, soll dann später mit einer kräftigen Binnenwirtschaft kompensiert werden.

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