Serie Frühindikatoren (VII): Earlybird-Indikator: Früher Vogel

Serie Frühindikatoren (VII): Earlybird-Indikator: Früher Vogel

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Die Serie Frühindikatoren nimmt die wichtigsten Konjunkturbarometer unter die Lupe

von Malte Fischer

Der Earlybird-Indikator, den die Commerzbank exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelt, zeigt die Konjunktur früher an als alle anderen Indikatoren.

Wenn Ralph Solveen zu Vorträgen reist, hat er meist einen Vogel dabei. Keinen echten, versteht sich. Sondern einen virtuellen Piepmatz. Der ist sein eigenes Geschöpf – und trägt einen Namen, der zugleich Programm ist: Earlybird. Der frühe Vogel ist ein Indikator, der anzeigt, wie sich die deutsche Wirtschaft in den nächsten Monaten entwickelt. Solveen, der die Analyse der deutschen Konjunktur bei der Commerzbank verantwortet, hat den Earlybird Anfang 2000 auf Anfrage der WirtschaftsWoche entwickelt. Das Ziel war, einen Indikator zu konstruieren, der früher als alle anderen Alarm schlägt, wenn die Wirtschaft Volten schlägt.

Die meisten Frühindikatoren, darunter der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts und die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), beruhen auf Umfragen unter Unternehmen und Finanzexperten. Ein Indikator, der schneller ist als diese, muss daher die Faktoren messen, die die Stimmung der Unternehmen beeinflussen. Dies sind die Geldpolitik, die Wechselkurse und die Weltwirtschaft.

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Dabei hat die Geldpolitik den größten Einfluss auf die Konjunktur. Indem die Zentralbank den Leitzins nach oben oder unten schleust, verändert sie die Finanzierungskosten für die Unternehmen und die Haushalte und steuert so deren Bereitschaft, auf Pump zu investieren und zu konsumieren. Der Earlybird misst den Kurs der Geldpolitik anhand des kurzfristigen Realzinses. Dieser ergibt sich aus der Differenz des Nominalzinses für Kredite mit dreimonatiger Laufzeit am Interbankenmarkt (Euribor) und dem Durchschnitt der Kernteuerungsraten (Teuerungsraten ohne Energie und Steuereffekte) der vergangenen zwölf Monate. Neben dem Niveau gehen auch die Veränderungen der Realzinsen in den zurückliegenden zwölf Monaten in den Earlybird ein. Beide Teilgrößen haben ein Gewicht von 25 Prozent, sodass die Geldpolitik auf ein Gewicht von insgesamt 50 Prozent kommt.

Erheblichen Einfluss auf die deutsche Wirtschaft hat auch die Auslandskonjunktur, da Deutschland zu 50 Prozent vom Export lebt. Der Earlybird misst die Auslandskonjunktur durch einen Welteinkaufsmanagerindex, in den die nationalen Einkaufsmanagerindizes der USA (Gewicht: 40 Prozent), des Euro-Raums ohne Deutschland (40 Prozent) und Chinas (20 Prozent) eingehen. Dieser Weltindex hat im Earlybird ein Gewicht von 25 Prozent.

Von Bedeutung für die Exporte ist zudem die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Sie wird im Earlybird durch den realen Außenwert des Euro gegenüber den wichtigsten Handelspartnerländern Deutschlands gemessen. Dabei spiegelt der reale Außenwert neben dem Wechselkurs auch die unterschiedlichen Teuerungsraten in Deutschland und seinen Handelspartnerländern wider. Der reale Außenwert geht mit einem Gewicht von 25 Prozent in den Earlybird ein.

Das Ziel, die Wendepunkte der Konjunktur rascher als andere Indikatoren anzuzeigen, hat der Earlybird erreicht. Bereits im Jahr 2002 attestierten ihm die Ökonomen Jörg Breitung und Doris Jagodzinski in einer ökonometrischen Vergleichsstudie zur Güte von Frühindikatoren, von allen untersuchten Indikatoren „die besten Vorlaufeigenschaften“ zu besitzen. „Im Hinblick auf die einfache Konstruktionsweise des Earlybird-Indikators ist es überraschend, dass dieser Indikator in der grafischen und ökonometrischen Analyse mit einem Vorlauf von sechs Monaten am besten abschneidet“, heißt es in der Studie.

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Seine Extraklasse bewies der Earlybird, als er 2006 in Reaktion auf die geldpolitische Straffung in den USA und Europa auf steile Talfahrt ging – und damit früher als alle anderen Indikatoren vor der im Frühjahr 2007 einsetzenden Finanzkrise warnte. Die guten Prognoseeigenschaften des Earlybirds haben sich herumgesprochen. „Viele unserer Unternehmenskunden nutzen den Earlybird als Basis für ihre eigenen Geschäftsprognosen“, sagt Solveen. Sogar die Beamten des Statistischen Bundesamtes lassen sich den Earlybird, den die WirtschaftsWoche monatlich exklusiv veröffentlicht, regelmäßig von der Commerzbank schicken. „Wir verwenden den Indikator zusammen mit anderen Indizes als Hintergrundinformation für unsere eigenen Einschätzungen“, sagt Tanja Mucher vom Statistischen Bundesamt.

Derzeit scheinen sich die Aussichten für die Konjunktur einzutrüben. Zwar legte der Earlybird im Gefolge der gestiegenen Einkaufsmanagerindizes im Juli leicht auf 0,21 Zähler zu (siehe Grafik). Doch liegt er noch immer unter seinem Durchschnitt in den vergangenen zwei Jahren. „Der Earlybird mahnt, die Hoffnungen für das Wirtschaftswachstum nicht allzu hoch zu stecken“, sagt Solveen. Der Commerzbanker hat daher seine eigene Wachstumsprognose für dieses Jahr von 2,0 auf 1,7 Prozent zurückgenommen. n

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