Serie Geistesblitze (XV): Der Inflation auf der Spur

ThemaÖkonomen

Serie Geistesblitze (XV): Der Inflation auf der Spur

von Malte Fischer

Die Quantitätstheorie des Geldes ist das Einmaleins der Geldtheorie. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen Geld und Preisen. Ökonomen unterschiedlicher Denkschulen haben sich an ihr abgearbeitet.

Bild vergrößern

Inflation vernichtet das Ersparte der Bürger.

Wer hat sich nicht schon darüber geärgert, dass das Leben ständig teurer wird? Ob Auto, Miete oder Urlaub – für alles müssen wir immer tiefer in die Tasche greifen. Was aber treibt die Preise nach oben? Diese Frage haben sich Ökonomen schon vor 300 Jahren gestellt. Weil die Preise der Güter in Geldeinheiten gemessen werden – damals waren dies Edelmetallmünzen –, lag es auf der Hand, Preisänderungen mit der Menge des verfügbaren Geldes in Verbindung zu bringen. Der englische Philosoph John Locke (1632 bis 1704) und der schottische Ökonom David Hume (1711 bis 1776) waren die Ersten, die diesen Zusammenhang erkannten. Ihre Überlegung: Steigt die Geldmenge stärker als die Menge der verfügbaren Güter, so entfallen rechnerisch mehr Geldmünzen auf jedes Gut. Ergo steigen die in Geld gemessenen Güterpreise.

Geistesblitze der Ökonomie

Hume erkannte, dass die Menschen Geld nachfragen, um damit Güter und Dienste zu kaufen. Deren Wert errechnet sich als Produkt aus den Gütermengen und den Güterpreisen, wobei sich das Preisniveau aus dem Durchschnitt der Einzelpreise ergibt. Weil die Menschen Geld nicht immer genau dann einnehmen, wenn sie Ausgaben zu leisten haben, halten sie Geld in der Kasse, um flüssig zu sein. Bunkern sie Münzen im Schnitt beispielsweise ein halbes Jahr, bedeutet dies, dass die Geldmenge zwei Mal im Jahr umgeschlagen wird. Der Wert der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes beträgt dann zwei. Werden pro Jahr in der Wirtschaft Güterkäufe im Wert von 100 Münzen abgewickelt, benötigen die Menschen dafür 50 Münzen. Denn das Produkt aus der Geldmenge (50) und der Umlaufsgeschwindigkeit (2) entspricht dem Wert der gehandelten Güter (100). Daraus leiteten die Klassiker die Quantitätsgleichung ab: M·v = Y·P. Sie besagt, dass das Produkt aus der Geldmenge M und der Umlaufsgeschwindigkeit v dem Produkt aus der Gütermenge Y und dem Güterpreisniveau P entspricht.

Anzeige
Bild vergrößern

Tatsächliche und mit der Geldmenge geschätzte Inflation der Euro-Zone. Für eine vergrößerte Ansicht bitte klicken.

Damit aber war die Frage noch nicht beantwortet, wie sich eine höhere Geldmenge auf die reale Produktion Y und das Preisniveau P verteilt. Die Ökonomen der Klassik gingen davon aus, dass Produktion und Beschäftigung durch das nutzen- und gewinnmaximierende Verhalten der privaten Haushalte und Unternehmen bestimmt werden. Die Geldmenge hat somit keinen Einfluss auf die reale Wirtschaft. Zudem betrachteten die Klassiker die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes als eine konstante Größe. Daher schlagen sich Änderungen der Geldmenge in proportionalen Änderungen des Preisniveaus nieder. Eine Verdopplung der Geldmenge führt zu einer Verdopplung des Preisniveaus.

Der Transmissionsmechanismus, der dies bewirkt, ist der Realkasseneffekt. Er wurde von den Neoklassikern entwickelt, indem sie die Geldmenge als Bestimmungsfaktor der Güternachfrage analysierten. Erhöht sich die Geldmenge, so steigt die Realkasse über das gewünschte Niveau. Um den Kassenbestand zu reduzieren, kaufen die Menschen Güter. Das treibt bei konstantem Güterangebot die Preise in die Höhe, und zwar so lange, bis der Preisanstieg dem Anstieg der Geldmenge entspricht und die Realkasse wieder auf das gewünschte Niveau sinkt.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stand die Quantitätstheorie im Mittelpunkt eines großen währungspolitischen Streits. Es ging um die Frage, welche Folge die Emission ungedeckten Papiergeldes hat. Die Vertreter der Currency-Schule, die in der Tradition der Klassiker standen, hielten an der Proportionalität von Geldmengen- und Preisentwicklung fest. Sie betrachteten die Ausgabe ungedeckten Papiergeldes als Ursache von Inflation, Bank-Runs und Finanzkrisen. Deshalb forderten sie, die Emission ungedeckten Papiergeldes zu verbieten.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%