Serie Ökonomen der Krise: Robert Shiller: Rufer in der Finanzwüste

Serie Ökonomen der Krise: Robert Shiller: Rufer in der Finanzwüste

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Robert J. Shiller, 62, US-Ökonom, sieht in der jetzigen Krise eine große Chance, das Finanzsystem zu reformieren. Der Schlüssel dazu sei seine Demokratisierung

Der US-Ökonom Robert Shiller warnte schon früh vor den Gefahren einer Finanzkrise. Lange stieß er mit seinen Thesen auf taube Ohren. Heute ist er ein gefragter Mann.

Nichts bringe ihn mehr auf die Palme als konventionelles Denken, sagte Robert James Shiller einmal. Wer in seinen mehr als 100 wissenschaftlichen Arbeiten, zahlreichen Kolumnen und seinem halben Dutzend Büchern stöbert, nimmt ihm das gerne ab. Ausgetretene Pfade hat der 62-jährige Ökonom selten betreten.

Sein gerade erschienenes Buch „Animal Spirits“ belegt dies einmal mehr: „Wir werden niemals die wichtigen ökonomischen Ereignisse verstehen, wenn wir nicht erkennen, dass sie psychologisch motiviert sind“, schreibt er dort. Märkte seien eben nicht vollständig rational und effizient, wie es die klassische Theorie nahelege. Stattdessen spielten Faktoren wie Vertrauen und Misstrauen, Fairness und Täuschung in ökonomischen Entscheidungen eine zentrale Rolle. „Insofern hat die Makroökonomie der letzten 30 Jahre eine falsche Richtung eingeschlagen“, lautet sein Urteil.

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Auch die aktuelle Finanzkrise sei mit der herkömmlichen Theorie nicht zu erklären. Wie die meisten Auf- und Abwärtsbewegungen der Wirtschaft basiere sie stattdessen auf einem Wechselspiel zwischen übermäßigem und mangelndem Vertrauen.

Finanzmärkte sind unberechenbar

Die Ursprünge dieser Erkenntnis gehen weit zurück: Schon 1981 veröffentlichte Shiller in der „American Economic Review“ einen viel beachteten Artikel, der irrationales Verhalten an den Finanzmärkten anhand von Kursausschlägen an den US-Aktienmärkten seit 1920 zu belegen suchte.

Seither hat den Yale-Professor die Unberechenbarkeit der Finanzmärkte nicht mehr losgelassen. Mit immer neuen Forschungen trug er maßgeblich zur Weiterentwicklung der Verhaltensökonomik der Finanzmärkte (behavioral finance) bei. Dieser noch junge, boomende Zweig der Ökonomie erkennt an, dass der Mensch nur eingeschränkt rational handelt und sich dabei oft von Motiven wie dem Herdentrieb leiten lässt. So analysierte Shiller in seinem im Jahr 2000 veröffentlichen Bestseller „Irrational Exuberance“ den irrationalen Überschwang der Märkte und sagte das Platzen der Dotcom-Blase voraus.

Auch die aktuelle Finanzkrise im Gefolge des US-Immobilienbooms sah er kommen: Zusammen mit seinen Ökonomen- Kollegen Karl Case und Allan Weiss entwickelte er den Case-Shiller-Index, der vierteljährlich die Veränderung der US-Häuserpreise ermittelt und als einer der wenigen Frühindikatoren den Zusammenbruch des Marktes voraussagte.

Auf taube Ohren gestoßen

Zu Boomzeiten stieß er damit auf taube Ohren: „Die Leute vertrauen immer noch eher den Geschäftsleuten, die großes Geld machen ...als den Experten für Risikomanagement“, klagte Shiller. Heute finden seine Mahnungen und Vorschläge breites Gehör. Das nutzt er, um konkrete Lösungen zu präsentieren.

In seinem im Herbst erschienenen Buch „The Subprime Solution“ fordert der Ökonom, den Verbraucherschutz für Finanzanlagen deutlich zu verbessern. Dazu soll es unter anderem bankenunabhängige Finanzberater geben, die keine Provision pro Abschluss erhalten, sondern pro Stunde bezahlt und vom Staat bezuschusst werden. Generell, so Shiller, müssen die Finanzprodukte einfacher und sicherer werden, um die Menschen in Krisenzeiten besser zu schützen. Er fordert Kredite, die gegen Risiken abgesichert sind, und Versicherungen, die Geld zahlen, wenn der Wert des Eigenheims sinkt.

Rückbesinnung auf alte Tugenden

Von der Finanzwelt verlangt der Ökonom eine Rückbesinnung auf alte Tugenden: Viele sähen in den Börsen nur einen Ort, an dem man das große Geld machen könne. Tatsächlich jedoch sollten Finanzleute „bescheidene Diener“ der Unternehmer sein. Denn nur diese erhielten durch ihren Gründergeist die Vitalität der Wirtschaft.

Beruflich legte Robert Shiller eine Bilderbuchkarriere hin – nach einem BA an der Michigan-Universität 1967 und der Promotion 1972 am MIT wurde er bald an die renommierte Yale-Universität gerufen, wo er seit 1982 lehrt.

Privat ist der Familienvater seit mehr als 30 Jahren verheiratet. In der Liebe, sagte Shiller einmal, setze er auf langfristige Kontinuität. In die Zukunft blickt er zuversichtlich: Finanzkrisen könne man nicht verhindern, doch sie seien auch nicht das Ende der Welt. Es gehe darum, unkonventionell zu handeln und sich dabei nicht vom Verhalten der Mehrheit beeindrucken zu lassen. Es sei wie beim Fußballspiel: „Halte dich von der Meute fern, dann wird der Ball früher oder später zu dir kommen.“

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