Städte der zweiten Reihe holen auf: Wo es sich in Deutschland gut leben lässt

03. Dezember 2012
von Bert Losse und Konrad Fischer

Wer Städte miteinander vergleicht, richtet seinen Blick zunächst auf die großen. Kein Wunder, denn Metropolen bieten meist bessere Jobchancen, kulturelle Abwechslung und Lebensqualität. Doch das hat meist seinen Preis. Und gerade in Deutschland sind viele kleinere Städte die Hidden Champions. Das Exklusiv-Ranking der WirtschaftsWoche sagt, wo es sich in Deutschland gut leben und arbeiten lässt.

Anzeige

Die alljährliche Exklusiv-Studie ist der mit Abstand umfangreichste Leistungs-Check für Kommunen in Deutschland. Er besteht aus zwei Teilen: Die Dynamik-Wertung spiegelt die Veränderung von insgesamt 35 wirtschaftlichen und sozialen Einzelindikatoren seit 2006 wider. Die besten Städte nach Magdeburg sind hier Oldenburg, der Vorjahres-Dynamik-Sieger Kassel und Rostock, die rote Laterne geht an Solingen, knapp davor liegen Krefeld und Wuppertal.

Städteranking 2012

Die Niveau-Wertung vergleicht hingegen die aktuellen Ist-Werte von 56 Indikatoren, mithin die absolute Wirtschaftskraft der Kommunen. Klarer Sieger ist hier wie in den Vorjahren die bayrische Landeshauptstadt München, gefolgt von Stuttgart, Münster, Karlsruhe und Frankfurt am Main. Die letzten Plätze belegen in diesem Teilranking die Ruhrgebietsstädte Duisburg, Herne und Gelsenkirchen.

Überraschend ist vor allem, dass in puncto Dynamik zunehmend Mittelstädte in der Provinz den Großstädten den Rang ablaufen. Beispiel Oldenburg, Silbermedaillengewinner im Dynamik-Ranking: Man tritt den 162 000 Einwohnern wohl nicht zu nahe, wenn man sagt, dass die Republik über die Stadt im niedersächsischen Niemandsland kaum etwas weiß. Ein ICE hält hier nur selten, das Hotelangebot ist dürftig und die städtebauliche Attraktivität jenseits des pittoresken Stadtkerns mit Schloss und St.-Lamberti-Kirche überschaubar. Es gibt die örtlichen Basketballer, die 2009 Deutscher Meister wurden; Insider verbinden die Stadt auch mit den „Oldenburger Männertagen“ oder dem Grünkohl-Diplom, dass man im Internet erwerben kann. Aber Oldenburg als Wirtschaftsstandort? Nun ja.

Falsch gedacht! Oldenburg ist ein kommunaler „Hidden Champion“, der freilich einen komplett anderen Weg einschlägt als der Produktionsstandort Magdeburg. Hier gibt es nämlich, abgesehen von einigen Automobilzulieferern, so gut wie keine Industrie. Dennoch lag der Zuwachs an Jobs so hoch wie in kaum einer anderen deutschen Stadt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen stieg seit 2006 um stolze 16,2 Prozent. Das Credo von Oberbürgermeister Gerd Schwandner: „Oldenburg ist eine Stadt in der zweiten Reihe – dort aber wollen wir ganz oben mitspielen.“

Wachsen durch Dienstleisten

Das Erfolgsmodell der alten Residenzstadt: Dienstleistungen und Wissenschaft. Allein im Hochschulsektor mit Universität, Fachhochschule und diversen Forschungsinstituten sind über 2000 Leute beschäftigt. „Wir haben mit der Wissenschaftsorientierung das zentrale Thema für unsere Stadtentwicklung gefunden“, sagt der parteilose Schwandner, der als Kandidat der CDU die Stadt seit 2006 regiert. Vom Stifterverband 2009 als „Stadt der Wissenschaft“ ausgezeichnet, ist es Universität und Instituten gelungen, wichtige Zukunftsfelder wie die Gesundheits- und Energieforschung zu besetzen; Oldenburg zählt heute zum Beispiel zu den europaweit führenden Standorten für Hörforschung und -technik.

Anzeige
Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 03.12.2012, 09:59 UhrEinLeser

    Die Tatsache, dass scheinbar die Hälfte aller Top-Städte in NRW liegt, zeigt schon die Qualität des Rankings auf. Nichts gegen NRW, aber das ist doch nun wirklich nur ein Witz! Bitte, liebe WiWo, spart Euch solche Beiträge. Entweder ein richtiges Ranking, in dem Ihr Euch wirklich die Top aus den Top 1000 Städten raussucht, oder lieber keines.

Alle Kommentare lesen
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.