
Für gewöhnlich folgen Konjunktur und Stimmung in Kassel einem strengen Fünf-Jahres-Rhytmus. Einige Wochen vor und während der weltweit beachteten Kunstschau Documenta befindet sich die Stadt in Aufruhr, Hotels und Privatunterkünfte sind restlos ausgebucht. Wenn es das nächste Mal soweit ist, wird sogar ein leer stehendes Gefängnis zur Pension, nur die Zellentüren brauchen noch Griff und Schlüsselloch auf der Innenseite. Ist das Spektakel vorbei, ergeht man sich für den Rest der Zeit in Melancholie.
Die nächste Documenta steigt im Sommer 2012, nach Kalender ist also Schwermut angesagt. Doch Bertram Hilgen kommt aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Hilgen, 57, ist Oberbürgermeister von Kassel, ein gewissenhafter und zurückhaltender Sozialdemokrat. Gerade hat er das Museum „Neue Galerie“ eröffnet, 25 Millionen Euro hat das Land Hessen in die Erneuerung des historischen Gebäudes investiert. Insgesamt fließen bis 2015 gut 200 Millionen Euro vom Land in die Museen der Stadt, das ist mehr als die Hälfte der gesamten Kulturinvestitionen des Landes.
Bild: dpaRang 10, Nürnberg: In der bayerischen Stadt arbeitet jeder dritte Meinungsforscher Deutschlands. Außerdem ist Nürnberg ein Zentrum der Informations- und Kommunikationsindustrie, sowie in den Bereichen Verkehr und Logistik. Erfreulich: In Nürnberg steigt die Zahl der Unternehmen. Das Gewerbesaldo – also die Zahl der Gewerbeanmeldungen minus der Zahl der -abmeldungen – liegt bei 3,2 je 1.000 Einwohner. Das bedeutet Rang 6 im Städteranking. Auch die Ingenieursdichte (4,1 Ingenieure je 1000 Einwohner, Rang 11) und das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner (45.602 Euro, Rang 12) sind überdurchschnittlich. In der Rangliste "Die besten Städte für Akademiker" landet Nürnberg auf Rang 10.
Bild: PR Stadt MannheimRang 9, Mannheim: 53.275 Euro erwirtschaftet im Durchschnitt jeder Mannheimer pro Jahr. Damit liegt Mannheim im Städtevergleich auf Rang 7. Darüber hinaus hat Mannheim die neunthöchste Ingenieursdichte Deutschlands. Insgesamt springt für die Universitätsstadt Rang 9 heraus.
Bild: dpaRang 8, Wiesbaden: Knapp ein Drittel (30,5 Prozent) aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Wiesbaden arbeitet in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen. Das ist der zehntbeste Wert im Deutschland-Vergleich. Das liegt zum einen an dem hohen Verwaltungsanteil als Landeshauptstadt Wiesbadens. Darüber hinaus sind aber auch die „R+V Versicherung“, die „Nassauische Sparkasse“ (Naspa) und die „SV SparkassenVersicherung“ große Arbeitgeber. Insgesamt erwirtschaftet jeder Wiesbadener im Jahr ein BIP in Höhe von 48.737 Euro (Rang 9).
Bild: dpaRang 7, Hamburg: Die Hansestadt boomt. Bestes Beispiel ist das Gewerbesaldo. Die Zahl der Gewerbeanmeldung minus der Zahl der -abmeldung liegt bei 4,6 je 1000 Einwohner. In keiner anderen deutschen Stadt ist der Wert höher. Auch beim BIP je Einwohner (49.327 Euro, Rang 8), der Ingenieursdichte (3,4, Rang 14) sowie beim Anteil der Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen (28,0 Prozent, Rang 13) liegt Hamburg über dem Durchschnitt.
Bild: dpaRang 6, Ludwigshafen: Die BASF-Stadt hat die zweitgrößte Ingenieursdichte in Deutschland. Auf 1000 Einwohner kommen 6,4 Ingenieure. Darüber hinaus punktet Ludwigshafen mit dem drittgrößten BIP je Einwohner (56.510 Euro).
Bild: dapdRang 5, Karlsruhe: Keinen Spitzenplatz, aber durch die Bank überdurchschnittlich: Karlsruhe weist das sechstgrößte BIP je Einwohner auf (54.072 Euro) und die fünfhöchste Ingenieursdichte (4,9 Ingenieure je 1000 Einwohner). Zudem arbeiten über 30 Prozent der Arbeitnehmer in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen, Rang 9.
Bild: dpaRang 4, Düsseldorf: Die Rheinmetropole gilt als „Schreibtisch Nordrhein-Westfalens“. 16 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SVB) haben einen FH- oder Hochschulabschluss, 32,7 Prozent der SVB arbeiten in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen. Das BIP je Einwohner beträgt 73.766 Euro – der zweithöchste Wert Deutschlands.
Bild: dapdRang 3, Stuttgart: Die Heimat von Daimler, Porsche und Bosch (Gerlingen bei Stuttgart) ist auch eines der Zentren des deutschen Mittelstandes. Diese Unternehmen arbeiten vor allem als Zulieferer für die Automobilbranche. Keine Überraschung ist es folglich, dass Stuttgart die höchste Ingenieursdichte Deutschlands vorweisen kann. Auf 1000 Einwohner kommen 7,1 Ingenieure. Außerdem positiv: Mehr als jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (21,6 Prozent) hat einen FH- oder Hochschulabschluss – ebenfalls Rang 1.
Bild: APRang 2, München: Trotz Siemens: Die Ingenieursdichte in München belegt deutschlandweit „nur“ Rang 7. Auf 1000 Einwohner kommen 4,8 Ingenieure. 36,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SVB) in München arbeitet in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen (Rang 2). Ebenfalls den zweiten Rang belegt die Stadt beim Anteil der Hochqualifizierten: 21,4 Prozent der SVB können einen FH- oder Hochschulabschluss vorweisen.
Bild: dpaRang 1, Frankfurt: Die Bankenmetropole erwirtschaftet das mit Abstand höchste BIP je Einwohner (81.593 Euro). Ein Großteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitet in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen (37,7 Prozent, Rang Eins), fast jeder fünfte Beschäftigte (18,3 Prozent) hat ein FH- oder Universitätsstudium erfolgreich abgeschlossen. Da auch das Gewerbesaldo eine Top-Drei-Platzierung vorweisen kann, ist die Mainstadt die beste Stadt für Akademiker.
Rang 10, Nürnberg: In der bayerischen Stadt arbeitet jeder dritte Meinungsforscher Deutschlands. Außerdem ist Nürnberg ein Zentrum der Informations- und Kommunikationsindustrie, sowie in den Bereichen Verkehr und Logistik. Erfreulich: In Nürnberg steigt die Zahl der Unternehmen. Das Gewerbesaldo – also die Zahl der Gewerbeanmeldungen minus der Zahl der -abmeldungen – liegt bei 3,2 je 1.000 Einwohner. Das bedeutet Rang 6 im Städteranking. Auch die Ingenieursdichte (4,1 Ingenieure je 1000 Einwohner, Rang 11) und das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner (45.602 Euro, Rang 12) sind überdurchschnittlich. In der Rangliste "Die besten Städte für Akademiker" landet Nürnberg auf Rang 10.
„Kassel bekommt die Bedeutung, die es als Kunststadt verdient“, sagt Hilgen. Schließlich sei Kassel hinter Frankfurt und Stuttgart die Stadt mit der drittgrößten Dichte an Museen im Land. Das weiß bloß keiner. Man muss den üppigen Geldfluss Richtung Kassel als Signal verstehen dafür, dass der Glaube an ein Gedeihen der Stadt zumindest schon bis Wiesbaden reicht. „Kassel ist eine unserer wichtigsten Boomregionen“, sagt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Während die gesamte deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren einen fulminanten Aufstieg erlebt hat, hebt sich Kassel in besonderem Maße von dieser Entwicklung ab. Nirgendwo sonst ist zugleich die Zahl der Langzeitarbeitslosen so stark gefallen, während sich zugleich der Wohlstand deutlich erhöhte.
Umfassende Analyse
Für das Städteranking haben WirtschaftsWoche und Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bereits zum achten Mal das Kölner Beratungshaus IW-Consult, Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), mit einer umfassenden Analyse der Entwicklung Deutschlands größter Städte beauftragt. Insgesamt nahmen die Forscher von Berlin (3,5 Millionen Einwohner) bis Solingen (160.000) 50 Städte anhand von 91 Indikatoren unter die Lupe. Sie griffen auf mehr als ein Dutzend Quellen wie die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die Daten des Statistischen Bundesamtes oder der Bundesagentur für Arbeit zurück und ermittelten zudem eine Reihe von Daten exklusiv für den Test.
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