Städteranking 2014: Vom Glanz und Elend deutscher Städte

Städteranking 2014: Vom Glanz und Elend deutscher Städte

von Bert Losse, Konrad Fischer und Marc Etzold

Wo brummt die Wirtschaft – und wo gehen langsam die Lichter aus? Der große Kommunen-Check der WirtschaftsWoche zeigt, dass die Schere zwischen starken und schwachen Kommunen weiter auseinandergeht. Ostdeutsche Metropolen und Universitätsstädte holen kräftig auf – und Autostädte sind kaum zu schlagen. Lesen Sie, wo es sich in Deutschland am besten arbeiten, wohnen und investieren lässt.

Es gibt Oberbürgermeister, die würden wohl jedem Investor eigenhändig den roten Teppich ausrollen – wenn überhaupt mal einer käme. Und dann gibt es Stadtoberhäupter, die sich vor Investitionen kaum retten können. Zu dieser Spezies gehören Dieter Reiter und Klaus Mohrs.

Reiter ist Oberbürgermeister von München. In seiner Stadt zieht Microsoft gerade seine neue Deutschland-Zentrale hoch, 2016 ziehen in Schwabing 1900 Mitarbeiter ein. Bereits im kommenden Frühjahr bezieht die renommierte Business School IESE aus Barcelona ein neues Domizil an der Maria-Theresia-Straße. Jüngst kam noch die Meldung, dass die Sorin Group, ein führender Hersteller von Herz-Lungen-Maschinen, ihre Produktionsfläche an der Isar auf 11.000 Quadratmeter ausbaut.

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Mohrs ist Oberbürgermeister von Wolfsburg. Er regiert eine boomende Stadt, die nicht weiß, wohin mit all dem Geld, das VW in ihre Kasse spült. Soeben hat der Autobauer, dessen Werk an der Aller so groß ist wie Gibraltar, verkündet, dass er 2014 konzernweit erstmals über zehn Millionen Fahrzeuge verkaufen werde. In den kommenden Jahren will VW Milliardensummen an seinem Stammsitz investieren.

In Wolfsburg gibt es gut bezahlte Jobs, fast alle Wirtschaftsindikatoren zeigen nach oben. Eine Arbeiterstadt ist Wolfsburg längst nicht mehr. Auf 1000 Erwerbstätige kommen 66 Forscher und Entwickler. Das schafft keine andere Kommune.

München ist die wirtschaftsstärkste Stadt Deutschlands und Wolfsburg die dynamischste – so lautet das Ergebnis des großen Städtetests von WirtschaftsWoche, Immobilienscout24 und IW Consult Köln. Die Studie, der umfangreichste Leistungs-Check für Kommunen in Deutschland, hat Standortqualität, Leistungskraft und Zukunftsperspektiven aller kreisfreien Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern analysiert. Sie besteht aus zwei Teilen: Die Niveauwertung vergleicht die aktuellsten Werte von 53 Indikatoren, also die absolute Wirtschaftskraft. Hier liegt München vorn, dahinter dürfen Erlangen und Ingolstadt aufs Treppchen – ein bayrisches Triple. Es folgen Wolfsburg und Stuttgart, die rote Laterne geht an die Ruhrgebietsstädte Herne und Gelsenkirchen. Das Dynamikranking zeigt hingegen die Veränderung von 40 Indikatoren in einem Fünfjahreszeitraum. Hier ist Wolfsburg nicht zu schlagen, auch nicht von Ingolstadt und Würzburg auf den Plätzen zwei und drei. Am Ende stehen Gelsenkirchen und Remscheid.

Kommunaler Piketty

Der Städtetest belegt einmal mehr die überragende Bedeutung der Automobilindustrie für den Wohlstand in Deutschland. Fast alle Autostädte – Wolfsburg (VW), Stuttgart (Daimler, Porsche), Ingolstadt (Audi), München und Regensburg (BMW) – schneiden formidabel ab; auch die dynamischste Oststadt Leipzig wartet mit zwei Autobauern (Porsche, BMW) auf. Audi ist bei jungen Berufstätigen der bundesweit beliebteste Arbeitgeber.

Exklusives Ranking Das sind Deutschlands beste Städte 2014

Das Städteranking von WirtschaftsWoche, Immobilienscout 24 und IW Consult zeigt: München ist die wirtschaftsstärkste Stadt - und Wolfsburg die dynamischste. Wer die Aufsteiger sind, wo es sich zu leben lohnt.

Städterankng-2014-Sieger München Quelle: dpa Picture-Alliance

Zudem fällt auf, dass Universitätsstädte von Jahr zu Jahr besser abschneiden und sich das Ost-West-Gefälle langsam auflöst. Es gibt aber auch einen beunruhigenden Befund: Die Schere zwischen starken und schwachen Kommunen öffnet sich immer weiter. Analog zu den Thesen des französischen Ökonomen und Bestsellerautors Thomas Piketty, der in der Gesellschaft eine wachsende Vermögensungleichheit und ein Schrumpfen der Mittelklasse beobachtet, werden auch bei den Kommunen die starken stärker und die schwachen schwächer. Deutlich wird dieser Effekt, wenn man sich die Entwicklung am oberen und unteren Rand anschaut. Von den besten 15 Städten haben nur fünf an Punkten verloren, sich also relativ zum Durchschnitt aller Städte verschlechtert. Die schwächsten 15 Städte hingegen haben allesamt verloren. Auf diese Weise driftet das Feld auseinander.

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