Steigende Preise: Nahrungsmittel und Öl schüren Inflation

Steigende Preise: Nahrungsmittel und Öl schüren Inflation

Eine Krise kommt selten allein: Als hielte die Finanzkrise die Welt nicht schon genug in Atem, haben wir jetzt auch noch eine Nahrungsmittelkrise, die in immer mehr Ländern zu Unruhen führt.

Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) meldet aus 37 Staaten akute Versorgungsprobleme und beziffert den Hilfsbedarf auf 1,2 bis 1,7 Milliarden Dollar.

Auslöser der Krise ist die Preisexplosion bei wichtigen Nahrungsmitteln: Milchprodukte, Getreide sowie pflanzliche Öle und Fette sind etwa doppelt so teuer als noch vor einem Jahr; der Preis für Reis hat sich seit Anfang des Jahres verdoppelt. Dabei gehört gerade Reis zu den wichtigsten Nahrungsmitteln der Welt – in den Entwicklungsländern sorgt er für 27 Prozent der Kalorien- und für 20 Prozent der Proteinzufuhr der Menschen.

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Dabei gibt es sogar eine heimliche Verbindung zwischen den beiden Krisen. Denn viele Investoren, die in den Strudel der Finanzkrise geraten waren, suchten nach einer sicheren Anlage – und entdeckten die Weltmärkte für Rohstoffe und Nahrungsmittel, die anscheinend nur eine Richtung kannten: nach oben. Das trägt jetzt dazu bei, dass der Ölpreis immer neue Rekorde erreicht – Mitte vergangener Woche kostete das Barrel Rohöl in Amerika schon mehr als 115 Dollar. Und es treibt eben auch die Preise für Lebensmittel in die Höhe. Mit einer baldigen Entwarnung ist nicht zu rechnen. „Obwohl die Preissteigerungen nicht ewig weitergehen können“, schreibt die Asiatische Entwicklungsbank in ihrem jüngsten Wirtschaftsausblick, „dürfte sich der Aufwärtsdruck in den kommenden zwei Jahren fortsetzen.“ Tatsächlich werden die wichtigsten Ursachen für die Preisexplosion nicht über Nacht verschwinden, wie etwa die gestiegene Nachfrage aus vielen Schwellenländern, wo sich mit zunehmendem Wohlstand immer mehr Menschen ähnlich ernähren wie in den westlichen Industrieländern. Das treibt zum Beispiel den Fleischpreis nach oben, verteuert aber auch Grundnahrungsmittel wie Mais, die auch als Tierfutter verwendet werden.

Hinzu kommt, dass die Gefahr weiterer Unruhen oder Hungerrevolten bei vielen Regierungen einen Aktionismus auslöst, der die Krise noch verschärft. So haben China, Ägypten, Vietnam, Kambodscha und Indien Exportbeschränkungen für Reis erlassen, um die Preissteigerungen im eigenen Land einzudämmen. Weil diese Länder fast zwei Drittel der Weltproduktion von Reis ausmachen, haben diese Maßnahmen den Preisanstieg auf dem Weltmarkt kräftig beschleunigt.

Experten warnen mittlerweile schon vor einer weltweiten Inflationsspirale. Die Ökonomen der Asiatischen Entwicklungsbank befürchten, dass die teuren Lebensmittel in Asien kräftige Lohnsteigerungen zur Folge haben könnten. Auch könnten die Staatsschulden vielerorts ansteigen, weil die Regierungen den Konsum von Lebensmitteln subventionieren, um den Menschen zu helfen – was aber die Inflation zusätzlich anheizen könnte. Die Gefahr, dass die Teuerung außer Kontrolle gerät, ist nicht von der Hand zu weisen. In China lag die Inflationsrate im März bei 8,3 Prozent, wobei allein die Nahrungsmittelpreise um 21 Prozent zulegten. Auch in Euroland haben die Preissprünge bei Rohstoffen und Nahrung die Inflation auf 3,6 Prozent in die Höhe getrieben – der höchste Wert seit Einführung des Euro. Die Währungshüter sind alarmiert. So sagte Bundesbankpräsident Axel Weber vergangene Woche auf einer Veranstaltung in Frankfurt, die Inflation sei „eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre“.

Trübe Aussichten für die Weltwirtschaft

Angesichts der zunehmenden Belastungen ist es kein Wunder, dass sich die Konjunkturaussichten für die Weltwirtschaft zusehends eintrüben. Der Frühindikator der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt für alle beobachteten Länder mehr oder weniger deutliche Bremsspuren. Selbst das Wachstumswunder China scheint sich der weltweiten Abschwächung nicht mehr entziehen zu können – der Indikator sank im Februar zum fünften Mal in Folge auf 101,1 Punkte. Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft mit 10,6 Prozent zum Vorjahr zwar noch immer kräftig, die Wachstumsrate ging aber zum dritten Mal in Folge zurück.

Die jüngsten Konjunkturdaten bestätigen im Großen und Ganzen die weltweite Abwärtstendenz. Italien und sein neuer Ministerpräsident Silvio Berlusconi dürften in eine veritable Rezession rutschen. In den USA stieg zwar die Industrieproduktion im März überraschend um 0,3 Prozent, und auch die Umsätze im Einzelhandel legten um 0,2 Prozent zu. Das genügt aber nicht, um die Experten hoffnungsfroh zu stimmen, zumal sich der Immobiliensektor nach wie vor im freien Fall befindet – die Zahl der Baubeginne brach im März um 11,9 Prozent zum Vormonat auf annualisiert 947 000 ein, das niedrigste Niveau seit 17 Jahren.

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