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Stimmt es, dass...: die Bundesbank das ihr anvertraute Vermögen nicht verschenken darf?

von Norbert Häring Quelle: Handelsblatt Online

Die Bundesbank beherbergt Gold- und Devisenreserven. Da es keinen Wechselkurs mehr gibt, ist ihr einziger Ertrag die „Vertrauensbildung“ der Bürger. Doch die beunruhigt das Volksvermögen bei der Bundesbank eher.

Quelle: Handelsblatt
Quelle: Handelsblatt

FrankfurtDas hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann im Handelsblatt-Interview betont. Leser Martin Siegel von Stabilitas Fonds will dazu wissen: „1. Wer hat den Notenbanken Vermögen anvertraut? 2. Woraus besteht dieses Vermögen 3. Welche Gegenleistung erhalten diejenigen, die ihr Vermögen anvertraut haben?“ Er bezweifelt, dass Weidmann dazu eine Antwort habe.

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Weidmanns Sprecher Michael Best kann die Fragen aus dem Stand beantworten: „Der Gesetzgeber hat der Bundesbank die deutschen Währungsreserven anvertraut. Diese bestehen aus Gold, Devisen und Sonderziehungsrechten. Die Gegenleistung ist Geldwertstabilität. Die Währungsreserven dienen dazu, das Vertrauen der Bürger in die Währung zu stärken.“ Alles klar?

In der Tat hat der Gesetzgeber die Verwaltung der Gold- und Devisenreserven der Bundesbank bei ihrer Gründung 1957 anvertraut. Sie waren damals bei weitem nicht so hoch wie heute und stiegen kräftig an, weil die Bundesbank im Rahmen des Festkurssystems, das bis in die 1970er-Jahre bestand, einen festen Wechselkurs zum Dollar verteidigen musste. Immer, wenn die D-Mark unter Aufwertungsdruck stand, musste sie Dollar oder Gold kaufen und dafür zusätzliche D-Mark in Umlauf bringen.

Ende 2010 betrug der Wert von Gold und Devisen in der Bundesbank-Bilanz 162 Milliarden Euro. Einen währungspolitischen Zweck erfüllen sie kaum noch, da kein Wechselkurs zu verteidigen ist. Es gibt Notenbanken ohne nennenswerte Gold- und Devisenreserven, die damit gut zurechtkommen. Die laufenden Erträge dieses Vermögens sind gering, aber immerhin war die Wertsteigerung bei Gold beträchtlich. Die Bundesbank zeigt jedoch keine Neigung, diese Aufwertungsgewinne jemals auszuschütten.

Der einzige Ertrag der Goldreserven scheint tatsächlich „Vertrauensbildung“ zu sein. Viele Deutsche beunruhigt allerdings eher, dass das Volksvermögen für die Stabilität des Euro geradestehen soll.

Gold und Devisen sind aber zusammen weniger als ein Viertel des Bundesbankvermögens. Der Rest entstand, lose gesprochen, dadurch, dass die Bundesbank Geld gedruckt und dafür Wertpapiere gekauft oder Ansprüche gegenüber Banken erworben hat. Durch Gelddrucken, ist sie auch zu den griechischen Anleihen gekommen, die sie und andere Euro-Notenbanken nach Meinung vieler Politiker und Banker jetzt zu ihren Einstandskosten wieder zurückgeben sollten, um Griechenland zu entschulden. Das bezeichnete Weidmann als „Verschenken von Vermögen“.

„Verschenken“ würde die Bundesbank dabei einen Teil ihres laufenden Geldschöpfungsgewinns. Man muss die Definition von „anvertrautes Vermögen“ weit fassen, damit der noch darunterfällt.


1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 19.02.2012, 09:28 UhrWegweiser

    Flache Analysen, die wichtigen Funktionen einer Notenbank, mit einer dazu abgestimmten Steuer- und Wirtschaftspolitik scheinen bei diesen Aussagen leider unter die Räder gekommen zu sein. Handelsungleichgewichte durch unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeiten und Leistungsfähigkeiten (siehe Leistungsbilanzsalden, Target 2, Liquiditätshilfen) können durch die fehlenden Auf- und Abwertungen nicht mehr ausgeglichen werden. Eine analytische Hintergrundsbetrachtung und die davon ausgehenden Schlußfolgerungen für die Notenbankpolitik sind leider nicht zu finden.

    Die fehlenden Aufwertungsgewinne als volkswirtschaftliche Sozial- und Wohlfahrtsdividende schädigen das anvertraute Vermögen. Dazu kommen die gigantischen Risiken aus den Eurorettungsmaßnahmen. Der Sprecher sollte unbedingt eine das Buch von Herrn Prof. Hankel Die Euro Lüge lesen, damit etwas volkswirtschaftliches Denken Einzug hält. Traurig, wie wenig Kompetenz und Sachkenntnis vorhanden ist, wenn man diesen Artikel liest. Dies trifft zum Glück nicht auf die Wirtschaftswoche zu.

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