Stressindex: Der Druck an den Finanzmärkten sinkt

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Stressindex: Der Druck an den Finanzmärkten sinkt

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Auf den Finanzmärkten wird es ruhiger.

von Mark Fehr

Die expansive Geldpolitik beruhigt die angespannten Börsen. Sie kann allerdings nur Symptome lindern, nicht die Ursachen der Krise heilen.

Die weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank hat den Stress auf den Weltfinanzmärkten spürbar reduziert. Das signalisiert der Systemstressindex, den das Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) für die WirtschaftsWoche berechnet. Im März hatte die EZB den Leitzins auf Null Prozent gesenkt und den Strafzins für das von Geschäftsbanken bei der Notenbank geparkte Geld auf -0,4 Prozent erhöht. Zudem wurde das monatliche Volumen der Anleihekäufe auf 80 Milliarden Euro je Monat ausgeweitet.

Diese Schritte sind bei Ökonomen wegen ihrer unterschiedlichen Wirkung in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union stark umstritten. Allerdings haben sie laut IfK-Index zur Beruhigung der hypernervösen Finanzmärkte beigetragen. Der Stresspegel ist nach den jüngsten EZB-Entscheidungen stark zurückgegangen: Der Index sank von drei Punkten im Februar auf -31 Punkte im April. Negative Werte liegen im Indexbereich mit nachlassendem bis geringem Stress.

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Der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber, auch Chef des IfK, führt diese Entwicklung auf die milliardenschweren geldpolitischen Stimulationen der EZB zurück. Er warnt allerdings, dass dadurch lediglich mehr Zeit gekauft werden könne und verweist auf die steigenden Kosten dieser Maßnahmen. „Sie steigen jedes Mal an, weil sie zu noch größeren Geldprogrammen zwingen, um das System zu stabilisieren“, sagt Zschaber. Aus Sicht des Geldmanagers sei nun die Politik am Zug. Sie müsse die strukturellen Probleme der europäischen Wirtschaft lösen und die Ursachen der Krise bekämpfen statt der Symptome.

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Eine laut Zschaber dafür geeignete Maßnahme seien staatsfinanzierte Infrastruktur- und Konjunkturpakete, die Investitionen in Transportwege, Wohnimmobilien, Bildung, Umwelttechnik, Gesundheit und sonstige technische Innovationen anstoßen sollen. Bei der Finanzierung dieser Aufgaben könne das niedrige Zinsniveau in Europa helfen.

Der Systemstressindex des IFK stellt eine Fieberkurve der Weltfinanzmärkte dar und ist in eine dreistufige Skala unterteilt: Im unteren Bereich mit den Werten minus 100 bis minus 20 sind die Finanzmärkte entspannt, krisenhafte Entwicklungen auf den Finanz- und Gütermärkten nicht in Sicht. Die Zone zwischen minus 20 und plus 20 steht für mittleren Stress. Hier besteht zwar noch keine akute Gefahr, aber die Finanzmärkte befinden sich schon in einem Zustand nervöser Anspannung, in dem weitere schlechte Nachrichten schnell die nächste Krise ausbrechen lassen können. Der Indikator steigt dann in den Hochdruckbereich auf Werte zwischen plus 20 und plus 100.

In seine Berechnung fließen 6500 weltweite finanzielle und konjunkturelle Indikatoren ein, darunter Aktien- Währungs- und Rohstoffkurse sowie Zinsen auf Staats- und Unternehmensanleihen oder die Kosten für Versicherungen gegen Kreditausfälle. Je volatiler die Daten sich entwickeln, also je stärker sie schwanken, desto größer ist die Ansteckungsgefahr für die Weltkonjunktur.

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Im Februar hatten Sorgen vor einer Abschwächung der chinesischen Wirtschaft die Konjunktursorgen verschärft. Zudem kehrte die Angst vor einer neuen Finanzkrise zurück, als Anleger und Investoren vor allem aus Finanzwerten flohen und die Kosten für die Absicherung von Forderungen gegen Banken deutlich stiegen. Diese Ängste haben sich nun gelegt.

Dies wird aus Sicht von Vermögensverwalter Zschaber allerdings nicht von Dauer sein. Unternehme die internationale Politik keine nachhaltigen Schritte, könnte der systemische Stress schon beim nächsten Krisenereignis wieder anschwellen. Der Brexit, also der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, könnte ein solches Ereignis sein.

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