Studie: Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland immer noch deutlich höher

Studie: Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland immer noch deutlich höher

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Die Arbeitslosigkeit ist in Ostdeutschland höher als im Westen

Obwohl die Lohnstückkosten in Ostdeutlschan kräftig gesunken sind, ist die Arbeitslosigkeit noch immer viel höher als im Westen. Eine neue Studie zeigt, warum.

Eines der drängendsten Probleme in Deutschland ist noch immer die Lage auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt. Trotz des Aufschwungs der vergangenen zwei Jahre lag die Arbeitslosenquote in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres im Schnitt bei 15,4 Prozent. Das ist mehr als doppelt so hoch wie im Westen (siehe Grafik) – und das trotz geringerer Löhne.

So ergab kürzlich eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft, dass die Arbeitskosten in der ostdeutschen Industrie ein Drittel niedriger sind als im Westen. Auch wenn man die schwächere Produktivität der Ost-Wirtschaft berücksichtigt, gibt es nach ökonomischer Lesart keinen Grund mehr für eine höhere Arbeitslosigkeit.

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Allerdings nur auf den ersten Blick, zeigen Dennis Snower und Christian Merkl vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in einer neuen Studie („East German Unemployment: The Myth of the Irrelevant Labor Market“, Kiel Working Paper Nr. 1435): Die ostdeutschen Lohnstückkosten liegen zwar mittlerweile in etwa auf dem gleichen Niveau wie die im Westen.

Dennoch spielt das Lohnniveau eine gewichtige Rolle für das Ausmaß der Unterbeschäftigung. Die These der Autoren: Die kräftigen Lohnerhöhungen in den Jahren nach der Wende, als die Tarifpartner aus dem Westen „Stellvertreterverhandlungen“ für den Osten führten und dessen Lohnkostenvorteil zunichte machten, wirken heute noch nach. „Die andauernd hohe Arbeitslosigkeit hat diverse Fallen zuschnappen lassen, die verhindern, dass sich der Arbeitsmarkt mit sinkenden Löhnen erholt.“

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So machten es die hohen Löhne in Verbindung mit staatlichen Investitionshilfen für die Unternehmen jahrelang attraktiv, Arbeit durch Kapital zu ersetzen. Das wiederum änderte die Qualifikation der Arbeiter: Sie lernten, Maschinen zu bedienen, anstatt die Arbeit von Hand zu erledigen. Und weil Investitionsverhalten und Qualifikationsstruktur jetzt schön aufeinander abgestimmt sind, ändert sich auch nichts.

„Das resultierende Gleichgewicht spart Arbeit“, so die Autoren, „trotz hoher Arbeitslosigkeit.“ Gleichzeitig bleibt aber die Produktivität im Osten trotz höherer Kapitalintensität niedriger als im Westen. Weil Arbeitslosigkeit Fähigkeiten einrosten lässt, aber auch, weil vor allem junge, leistungsbereite Arbeitnehmer abwandern. Aus alledem resultiert ein Teufelskreis, der nicht leicht zu durchbrechen ist.

Auch wenn die Autoren selbst es nicht so deutlich sagen: Will man den Menschen in Ostdeutschland bessere Jobperspektiven verschaffen, führt kein Weg an einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitsmarktgesetze vorbei. Zumal sich die Lage am Arbeitsmarkt angesichts der konjunkturellen Turbulenzen schon bald dramatisch verschärfen dürfte.

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