Studie: Rutschiger Abhang staatlicher Eingriff

Studie: Rutschiger Abhang staatlicher Eingriff

Warum hält sich der Glaube an die Meriten staatlicher Eingriffe und Regulierungen in vielen Ländern so hartnäckig? Eine neue Studie gibt eine beunruhigende Antwort.

Wie viel Staat brauchen wir eigentlich? Auch wenn das niemand so genau weiß, in einem sind sich die Ökonomen ziemlich einig: dass ein fetter Wohlfahrtsstaat, hohe Steuern und kleinkarierte bürokratische Regelungen der Wirtschaft schaden und den erreichten Wohlstand aufs Spiel setzen. Trotzdem zieht sich der Staat nicht zurück, schon gar nicht in Deutschland: Die Regierungskoalition verteilt wieder munter soziale Wohltaten, Mindestlöhne sollen den Arbeitsmarkt noch stärker regulieren, der geplante Gesundheitsfonds markiert den Einstieg in die Staatsmedizin. Wie kann es sein, dass immer wieder so viele falsche Weichenstellungen vorgenommen werden – trotz überwältigender Evidenz, dass Reformen hin zu mehr Markt uns allen guttun würden?

Roland Bénabou von der US-Eliteuniversität Princeton gibt darauf eine plausible Antwort. In einer neuen Studie, erschienen als Diskussionspapier des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, analysiert er die Entstehung und das Fortbestehen marktfeindlichen Denkens anhand eines einfachen Modells. Damit lassen sich auch die gewaltigen Unterschiede erklären, die zwischen Ländern hinsichtlich der Einstellungen der Menschen zur Marktwirtschaft bestehen (siehe Grafik).

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Bénabous Argument geht so: Weil die Menschen längst ihre gesamte Lebensplanung an die Verhältnisse angepasst und sich im bestehenden System eingerichtet haben, fällt es ihnen schwer, sich dessen Mängel einzugestehen. Das deckt sich mit Erkenntnissen der Psychologie, denen zufolge Menschen oft sehr lange an offensichtlich falschen Überzeugungen festhalten – so lange, bis sie die gegenteiligen Beweise gar nicht mehr ignorieren können. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass Realitätsverweigerung umso leichter fällt, je stärker verbreitet sie ist.

So kann sich eine Gesellschaft immer tiefer in einen etatistischen Irrglauben hineinbohren – zumal die Politiker darauf mit einer noch marktfeindlicheren Politik reagieren. Ein schockierender Befund: „Wenn die Staatswirtschaft zu immer schlechteren Ergebnissen führt“, so Bénabou, „muss das nicht zu Reformen führen, sondern kann stattdessen ideologische Abwehrmechanismen auslösen, die Reformen blockieren oder verzögern – bis die Wirklichkeit in einer Weise zuschlägt, die nicht mehr ignoriert oder wegrationalisiert werden kann.“

Ähnlichkeiten mit dem eigentümlichen Mix aus Linksruck, Selbstgefälligkeit und Realitätsflucht, der zurzeit in Deutschland herrscht, sind nicht zu übersehen. Nicht auszudenken, wo das hinführen kann. Von dem rutschigen Abhang, den Bénabou beschreibt, sollten wir uns tunlichst fernhalten.

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