ThemaKonjunktur

Südeuropa: Neuer Euro-Test

von Silke Wettach

2015 könnte sich zeigen, dass die Währungsunion noch nicht aus dem Schlimmsten heraus ist. Ein Abschied Griechenlands ist möglich.

Es droht wieder einmal kurzfristiges Krisenmanagement. Sollte der griechische Premier Antonis Samaras auch in der entscheidenden Abstimmung am 29. Dezember im griechischen Parlament keine Mehrheit für seinen Präsidentschaftskandidaten Stavros Dimas gewinnen, wird die EU zwischen den Jahren improvisieren müssen. Die Märkte werden sehr unsanft auf die dann fälligen Neuwahlen in Griechenland reagieren.

Lange hatte sich die Euro-Zone in der Sicherheit gewogen, das Schlimmste hinter sich zu haben. Doch 2015 könnte sich dies als Wunschdenken herausstellen. Nicht nur in Griechenland werden vor allem politische Entwicklungen den Euro auf die Probe stellen.

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Noch hofft Brüssel, dass es in Athen nicht zum Äußersten kommt. 20 zusätzliche Stimmen aus der Opposition benötigt Samaras, um seinen Kandidaten im dritten Wahlgang durchzubringen. Weil der Konservative gerade bei Machtfragen zu Hochform aufläuft, trauen ihm viele zu, genügend Überläufer zu gewinnen. Einige unabhängige Abgeordnete haben keine Chance auf Wiederwahl und sind deswegen an vorgezogenen Neuwahlen nicht interessiert. Sie wollen bis zur regulären Wahl 2016 im Amt bleiben.

Konjunkturdaten der Weltwirtschaft

  • USA

    Wirtschaftswachstum

    2014: 2,3 %

    2015: 2,7 %

    Inflation

    2014: 1,7 %

    2015 - 1,0 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 6,2 %

    2015: 5,7 %

  • China

    Wirtschaftswachstum

    2014: 7,3 %

    2015: 7,0 %

    Inflation

    2014: 2,0 %

    2015: 1,8 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 4,0 %

    2015: 3,9 %

  • Russland

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,1 %

    2015: –1,7 %

    Inflation

    2014: 7,7 %

    2015: 8,8 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 5,1 %

    2015: 5,0 %

  • Japan

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,2 %

    2015: 1,1 %

    Inflation

    2014: 2,9 %

    2015: 2,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 3,7 %

    2015: 4,3 %

  • Frankreich

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,4 %

    2015: 0,9 %

    Inflation

    2014: 0,5 %

    2015: 0,6 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 10,2 %

    2015: 10,1 %

  • Großbritannien

    Wirtschaftswachstum

    2014: 3,0 %

    2015: 2,6 %

    Inflation

    2014: 1,5 %

    2015: 1,5 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 6,2 %

    2015: 5,5 %

  • Türkei

    Wirtschaftswachstum

    2014: 2,6 %

    2015: 3,1 %

    Inflation

    2014: 9,0 %

    2015: 7,1 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 9,7 %

    2015: 9,7 %

  • Brasilien

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,0 %

    2015: 0,5 %

    Inflation

    2014: 6,3 %

    2015: 5,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 5,0 %

    2015: 5,4 %

  • Portugal

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,8 %

    2015: 1,5 %

    Inflation

    2014: –0,3 %

    2015: 0,4 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 14,2 %

    2015: 13,7 %

  • Spanien

    Wirtschaftswachstum

    2014: 1,3 %

    2015: 2,0 %

    Inflation

    2014: –0,1 %

    2015: –0,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 24,5 %

    2015: 22,9 %

  • Italien

    Wirtschaftswachstum

    2014: –0,3 %

    2015: 0,6 %

    Inflation

    2014: 0,2 %

    2015: –0,2 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 12,6 %

    2015: 12,9 %

  • Griechenland

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,2 %

    2015: 1,9 %

    Inflation

    2014: –1,1 %

    2015: –0,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 27,1 %

    2015: 26,4 %

Wie blank die Nerven in Brüssel liegen, zeigt die offene Parteinahme der EU-Kommission für den Kandidaten Dimas. Normalerweise achtet die Behörde peinlich genau darauf, sich aus den inneren Angelegenheiten von Mitgliedstaaten herauszuhalten.

Alleine die Aussicht auf einen Wahlsieg der linken Syriza, die aktuell die Meinungsumfragen anführt, lässt die Märkte zittern. Anfang Dezember kam es am Athener Aktienmarkt zum größten Einbruch seit den Achtzigerjahren, fünfjährige Staatsanleihen erreichten Renditen von zehn Prozent, mehr als doppelt so viel wie noch im April. Syriza-Chef Alexis Tsipras und seine Parteifreunde stellen den bisherigen Kurs der Euro-Rettung infrage. „Wenn sie ihre radikalsten Vorschläge umsetzen und die griechische Schuld nicht mehr bedienen sowie die Reformen und Haushaltsanpassungen der vergangenen fünf Jahre zurückdrehen, dann könnte ein griechischer Ausstieg aus dem Euro wieder eine Möglichkeit werden“, urteilt Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank.

Ein Grexit aber hat nach wie vor nichts von seinem Schrecken verloren. Die politisch Verantwortlichen wollen auch drei Jahre nachdem sich ein solches Szenario erstmals gestellt hat, tunlichst vermeiden, dass ein Land die Euro-Zone verlässt.

Zu groß ist die Angst vor Ansteckungseffekten etwa in Portugal, das gerade erst im ablaufenden Jahr den Ausstieg aus dem Hilfsprogramm geschafft hat. Viele Investoren aus Übersee könnten der Euro-Zone den Rücken kehren, weil sie weitere Ausstiege befürchten. „Der Reputationsverlust für Europa wäre enorm, wenn ein Land die Euro-Zone verlässt“, prognostiziert ein hoher EU-Beamter.

Doch gerade weil die Euro-Zone den Grexit auf jeden Fall vermeiden will, fehlt es ihr an Verhandlungsmacht gegenüber einer neuen Regierung in Athen: „Die Euro-Zone ist in einer gefährlichen Lage, weil sie komplett erpressbar ist“, sagt ein Verantwortlicher in Brüssel.

Selbst wenn es nicht so weit kommen sollte, drohen der Euro-Zone 2015 weitere Turbulenzen. Im Herbst werden Spanier und Portugiesen wählen, und der Unmut über die dort Regierenden ist groß. In beiden Ländern wurden im zu Ende gehenden Jahr spektakuläre Fälle von politischer Korruption bekannt. Nur 10 Prozent der Spanier und 14 Prozent der Portugiesen vertrauen ihrer Regierung, so eine Umfrage im Auftrag der Kommission.

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Russland taumelt, die Schwellenländer stecken in der Flaute, die Euro-Krise meldet sich zurück – als globaler Wachstumsmotor kommen 2015 nur die USA in Schwung. Ein Blick auf die wichtigsten Volkswirtschaften.

Die USA werden 2015 der globale Wachstumsmotor sein Quelle: Getty Images, AP, Montage: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche Online

Vorbild Tsipras

In Spanien führt die erst im Januar gegründete Protestpartei Podemos die Umfragen an. Parteichef Pablo Iglesias plädiert, ähnlich wie sein Vorbild Tsipras, für Verstaatlichungen und will Spaniens Staatsschuld nur in Teilen bedienen. Podemos könnte zwar alleine nicht regieren und müsste in einer Koalition seine Forderungen zum Teil abschwächen. Doch das könnte immer noch ausreichen, um Investoren massiv zu verschrecken. „Innenpolitische Themen eines Landes werden ganz schnell die gesamte Euro-Zone betreffen“, heißt es in Brüssel.

So ist die Euro-Zone auch 2015 von den Strukturen einer stabilen Währungsunion noch meilenweit entfernt. Die Präsidenten von Kommission, Rat, Euro-Gruppe und Europäischer Zentralbank (EZB) sollen deswegen im kommenden Sommer einen Bericht zur Vertiefung der Währungsunion vorlegen, ein Projekt, das EZB-Chef Mario Draghi angestoßen hat. Doch herauskommen wird dabei wenig. Die Staats- und Regierungschefs haben das Thema schon zu oft von den Tagesordnungen ihrer Gipfel gestrichen.

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