Tarifparteien: Atmendes System

KommentarTarifparteien: Atmendes System

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Tarifparteien stehen vor dem Problem, dass Konjunkturzyklen immer weniger vorhersehbar werden. Helfen könnten bei dem Problem Tarifverträge mit Revisionsklauseln.

von Bert Losse

Das Auf und Ab der Konjunktur stellt die Tarifparteien vor ein Problem. Revisionsklauseln wären eine Lösung.

Nicht schon wieder! Wer in diesen Tagen mit Metall-Gewerkschaftern spricht, erlebt diese zunehmend genervt von den immer schlechteren Konjunkturdaten. Schon in der vergangenen Tarifrunde verhagelte die Wirtschaftskrise den Arbeitnehmerlobbyisten das Geschäft.

Und auch jetzt verhandelt die IG Metall wieder mitten in einen Abschwung hinein: Wenn Ende März der Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie ausläuft, dürfte die deutsche Wirtschaft am Rande einer Rezession stehen. Der in der vergangenen Woche ausgehandelte Abschluss in der Stahlindustrie (3,8 Prozent, Laufzeit bis Ende Februar 2013) wird daher kaum als Blaupause herhalten können.

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Zeit für Revisionsklauseln

Die Tarifparteien stehen vor einem grundsätzlichen Dilemma: Die Konjunkturzyklen werden immer kürzer und unvorhersehbarer. Damit sinkt die Chance, einen treffsicheren Abschluss hinzubekommen – und es steigt die Wahrscheinlichkeit unerquicklicher Nachschlagsdebatten. Daher wäre es an der Zeit, ein Instrument auszuprobieren, an das sich Arbeitgeber und Gewerkschaften bislang nicht herangetraut haben: Tarifverträge mit sogenannten Revisionsklauseln. Dabei koppeln die Tarifparteien den Abschluss an bestimmte Kenngrößen in der Zukunft.

Entwickelt sich die Wirtschaft während der Laufzeit des Vertrags deutlich besser als erwartet, gibt es automatisch einen Nachschlag. Verschlechtert sich die Lage über Gebühr, können die Betriebe Lohnbestandteile streichen. Wie bei festen Wechselkursen mit Schwankungsbreiten nach oben und unten entsteht ein konjunkturell atmendes Tarifsystem.

Das große Problem dabei ist die Auswahl der Indikatoren. Woran lässt sich ein Boom oder Abschwung am ehesten ablesen? Am Umsatz? Am Quartalswachstum? Am unmittelbarsten dürfte der Auftragseingang die Realität in den Betrieben widerspiegeln. Den ermittelt mit einer geringen Verzögerung von zwei Monaten das politisch unverdächtige Statistische Bundesamt.

Natürlich sind noch viele Fragen offen, etwa wie es sich mit Firmen verhält, die gegen den Trend wachsen oder schrumpfen. Dennoch: 2012 ist ein guter Zeitpunkt, den neuen Weg in der Tarifpolitik zumindest einmal auszuprobieren.

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