Thomas Mayer: "Nach der Finanzkrise droht die Geldkrise"

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InterviewThomas Mayer: "Nach der Finanzkrise droht die Geldkrise"

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Thomas Mayer, Volkswirt und Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute, im Interview mit WirtschaftsWoche.

von Malte Fischer

Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Instituts, plädiert für eine radikale Reform unseres Geldsystems.

WirtschaftsWoche: Herr Mayer, in der Öffentlichkeit werden der Kapitalismus und die Gier der Banken für die Finanzkrise verantwortlich gemacht. Sie  haben  ein neues Buch geschrieben, in dem sie argumentieren, dass nicht der Kapitalismus, sondern unser Geldsystem  Schuld an der Krise ist.  Was ist faul an unserem Geld?

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Thomas Mayer: Die aktuelle Debatte über die Instabilität des kapitalistischen Wirtschaftssystems blendet die Rolle des Geldsystems komplett aus. Als Ökonom kann man sich da nur wundern. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten berühmte Ökonomen wie Ludwig von Mises, Friedrich von Hayek und Joseph Schumpeter erkannt, welch überragende Bedeutung das Geldwesen für das Entstehen von Krisen hat. In unserem Papiergeldsystem vergeben die Banken Kredite, die durch nichts gedeckt sind. Sie schreiben dem Kreditnehmer die Kreditsumme auf dessen Konto gut und schöpfen so mit einem Federstrich Geld aus dem Nichts.

Joseph Schumpeter betrachtete diese Kreditvergabe aus dem Nichts als treibende Kraft für das kapitalistische System. Er erkannte aber auch, dass sie die Ursache für die inhärente Instabilität des Systems ist. Denn die Banken neigen dazu, zu viel Kredit und Geld zu schöpfen, wenn die Zentralbanken den Zins zur Stimulierung der Konjunktur nach unten manipulieren. Die Folge sind Finanzkrisen, in denen sich die geballte Kraft der schöpferischen Zerstörung entlädt. Die Krisen wecken mit der Zeit ein Bedürfnis der Gesellschaft nach Stabilität. Dann müssen die dynamischen Unternehmer den Managern, Bürokraten und Intellektuellen weichen, die das freie Spiel der Kräfte durch staatliche Eingriffe einhegen und die Wirtschaft letztlich in den bürokratischen Sozialismus führen.

Zur Person

  • Thomas Mayer

    Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute mit Sitz in Köln. Zuvor war er Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe und Leiter der Deutsche Bank Research. Bevor er in die Privatwirtschaft wechselte, bekleidete er verschiedene Funktionen beim Internationalen Währungsfonds in Washington und beim Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Das hört sich an wie eine Prophezeiung, die nun wahr wird.

Durchaus, Schumpeter hat in seinen Arbeiten ziemlich genau beschrieben, was wir derzeit erleben. Die gesellschaftliche Gegenreaktion auf die Finanzkrise besteht vor allem in Bankenregulierungen, Steuererhöhungen und Eingriffen in die freie Preisbildung. Der Kapitalismus wird schleichend in eine sozialistische Wirtschaftsordnung überführt.  Ludwig von Mises und Friedrich von Hayek haben jedoch gezeigt,  dass der Sozialismus keine Lösung ist. Er zerstört den Wohlstand und führt am Ende in die „Knechtschaft“. Die Erfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg haben Mises und Hayek Recht gegeben. Weil der Sozialismus ins Verderben führt, ist das Kreditgeldsystem, das den Sozialismus befördert,  gefährlich. Es begünstigt diejenigen, die das aus dem Nichts geschöpfte Geld als Erste erhalten und leistet so einer ungerechten Verteilung von Einkommen und Vermögen Vorschub. Es ist daher allerhöchste Zeit, sich Gedanken über ein neues Geldsystem zu machen.

Thomas Mayers "Die neue Ordnung des Geldes: Warum wir eine Geldreform brauchen" ist am 10. Oktober 2014 im FinanzBuch Verlag erschienen. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Thomas Mayers "Die neue Ordnung des Geldes: Warum wir eine Geldreform brauchen" ist am 10. Oktober 2014 im FinanzBuch Verlag erschienen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Die Antwort der Politiker besteht  in  schärferen Eigenkapitalvorschriften für  Banken.

Mehr Eigenkapital der Banken allein löst das Problem nicht. Es ist wie mit den  Befürwortern von  Atomkraftwerken. Die glauben, sie könnten den GAU verhindern, indem sie dickere Mauern um den Reaktor bauen. Das macht die Atommeiler zwar etwas stabiler, aber die Gefahr eines GAU bleibt. Übertragen auf die Banken können Vorschriften, die Kredite mit mehr Eigenkapital zu unterlegen, die Kreditvergabe zwar etwas bremsen und Puffer für Kreditausfälle schaffen. Aber an dem Problem, dass Kredite aus dem Nichts erzeugt werden, ändern sie nichts.  Das Geldsystem bleibt inhärent instabil und hoch gefährlich. In der Energiepolitik haben wir durch die Abkehr von der Atomenergie die Konsequenzen aus den Risiken gezogen, in der Geld-und Währungspolitik steht der Kurswechsel noch aus.

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31 Kommentare zu Thomas Mayer: "Nach der Finanzkrise droht die Geldkrise"

  • Die Bezeichnung "Kreditvergabe aus dem Nichts" ist irreführend. Die Kredite werden nach einer erfolgreichen Bonitätsprüfung vergeben und benötigen regelmäßig entsprechende Sicherheitsbestellungen (außer bei Kontokorrent).
    Wenn die Geldschöpfung damit gemeint sein sollte: Auch in diesem Fall trifft das Nichts nicht zu. Kreditauszahlung durch Forderung an Kasse hinterlässt nicht immer einen negativen Kassensaldo. Nur dann, wenn Giralgeldreserven fehlen.

    "Im Aktivgeldsystem gibt die Zentralbank Geld direkt an die Bürger aus." Auf welcher Grundlage wird einem Büger "einfach so" von der EZB Geld ausgezahlt? "Dieses wird ihnen auf den Geldkonten bei den Geschäftsbanken gutgeschrieben."

    Darf ich auf das Konzept "Remote Instant Money" von bornmax hinweisen? In meinem Beitrag analysiere ich das Risiko eines Systemversagens (aufgrund des Herdentriebs) bei Giralgeldschöpfung und im Volcker-System. Vollgeld halte ich für untauglich.
    Was fehlt, ist die Steuerung der Geldmenge durch die Eigentümer des Geldes, also denjenigen, denen am meisten daran liegt. M. Draghi liegt an meinem und an Ihrem Geldvermögen sehr wenig. Es ist ihm tatsächlich egal. Wie kann er dann das Recht für sich anmaßen, mein und Ihr Geldvermögen zu entwerten? Mein Geldvermögen entspricht einer Lebensarbeitszeit netto von zwanzig Jahren. Und diese Zeit ist meine gewesen.

  • Wie Herr Born schon richtig feststellt geschieht die Kreditvergabe nicht aus dem nichts sondern jeder Kredit muss besichert sein.
    In der Eurozone ist das nicht der Fall, für Staatskredite braucht es keinerlei Pfand oder sonstiger Sicherheit. Das war und ist der Ursprung der horrenden Überschuldung der Eurozonenmitglieder.

    Herr Mayer spricht in dem Artikel von Vertrauen in das Geld und meint damit auch Rechtssicherheit. Sprich die Rahmenbedingungen und Regeln mit denen das Geld verwaltet und umgesetzt wir müssen per Gesetz eindeutig und stringent definiert sein so wie der Staat dafür zu sorgen hat das diese Regeln auch eingehalten werden.

    Das es im Euro keine monetäre Staatsfinanzierung, keine 'Bail-Outs', geben darf ist per Gesetz festgeschrieben. Dennoch betreibt die EZB im großen Stiel Staatsfinanzierung wie unlängst das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat.
    Mit den vor ein paar Tagen erst bekannt gegebenen Plan zum Kauf von Ramschpapieren soll das Volumen der Staatsfinanzierung nochmal drastisch erhöht werden. Die Bundesregierung ist per Gesetz verpflichtet dies zu unterbinden:
    http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Archiv/2014/Q4/press_20141002_ezb.html

    Sie unternimmt aber nichts! D.h. der Euro schwebt im Rechtsfreien Raum!
    Egal welche Währung wir hätten ohne eine Regierung die nicht mal ihren Minimalverpflichtungen nachkommt wird es in Deutschland keine funktionierende Währung geben!

    Aus diesem Grunde werde ich auch bei der nächsten Wahl aus voller Überzeugung AfD wählen.

  • "Sie schreiben dem Kreditnehmer die Kreditsumme auf dessen Konto gut und schöpfen so mit einem Federstrich Geld aus dem Nichts."
    Auch wenn es noch so oft wieder holt wird, die Aussage stimmt nicht. Kredite können nicht aus dem Nichts erzeugt werden. Ich habe noch keine Bankbilanz gesehen, bei der die Aktivseite größer wäre, als die Passivseite. Wenn eine Geschäftsbank einen Kredit vergibt, belastet sie das Darlehenskonto (Aktiva) und schreibt den Betrag dem laufenden Konto des Kunden (Passiva) gut. Ist der Kunde mit seinem Konto im Minus, erfolgt nur ein Aktivtausch. Weiters passiert nichts, schon gar nichts was mit Geldschöpfen zu tun hätte. Falls die Umbuchung zu einem Guthaben führt, kommt es darauf an, was der Kunde mit dem Geld macht. Hebt er es bar ab, muß die Bank dafür Zentralbankgeld hergeben. War wieder nichts mit Geldschöpfung. Überweist der Kunde z.B. von der Commerzbank an einen Kunden bei der Deutschen Bank, wird das Konto der Commerzbank bei der Bundesbank belastet. Wieder nichts mit Geldschöpfung. Nur wenn das Geld als Guthaben bei der Bank bleibt, kann sie es, abzgl. Mindestreserve, erneut ausleihen. Dies solange, bis die Liquiditäts- und Eigenkapitalrichtlinien eingehalten werden. Die Verschärfung der Richtlinien würde also schon etwas bewirken, sofern auch Staatsanleihen einbezogen würden. Die Notenbanken können dagegen sehr wohl Geld schöpfen. Da braucht der US-Finanzminister nur der FED einen Schuldschein geben, den diese ankauft und den Gegenwert gutschreibt. Oder die EZB kauft direkt oder über Banken Staatspapiere und schreibt dafür den Banken das Geld gut, das diese in Ermangelung anderer Verwendung wieder in Staatspapiere anlegen. So man (Politiker) denn wollte, könnte man das sofort unterbinden. Kreditschöpfung hat also nichts mit Zauberei zu tun.

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