US-Notenbank Fed: Fed fällt Bewertung der Weltwirtschaft schwer

US-Notenbank Fed: Fed fällt Bewertung der Weltwirtschaft schwer

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Fed-Chefin Janet Yellen bei der Pressekonferenz zum Zinsentscheid der Federal Reserve.

Der Fed-Zinsentscheid war eng und spaltet die Experten. Der Chef der Federal Reserve Richmond konnte sich nicht durchsetzen. Er hält die Zinsen nahe Null nicht länger für notwendig.

Die US-Notenbank Fed ist offenbar tief gespalten in der Frage, wie stark sich die Probleme der Weltwirtschaft auf die USA auswirken. Trotz des nahezu einstimmigen Beschlusses, mit einer Zinserhöhung noch zu warten, sei die Entscheidung eine "enge Sache" gewesen, sagte Notenbanker John Williams am Wochenende.

Der Präsident der Fed von San Francisco gilt als Vertrauter von Fed-Chefin Janet Yellen. Sein Kollege aus St. Louis, James Bullard, bezeichnete die Stimmung in der Fed-Sitzung am Donnerstag als "spannungsgeladen". Bullard, der dieses Jahr im Fed-Zinsgremium nicht stimmberechtigt ist, sagte, er hätte sich seinem Kollegen von der Federal Reserve Richmond, Jeffrey Lacker, angeschlossen, der als einziger gegen das Festhalten an der gegenwärtigen Geldpolitik gestimmt hatte.

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Das sagen Experten zum Fed-Zinsentscheid

  • Marcel Fratzscher, Präsident des DIW-Instituts

    "Die Entscheidung der US-Notenbank ist enttäuschend und nicht konsequent. Die Fed hat sich vom großen Druck der Finanzmärkte beeindrucken lassen. Eine Nullzinspolitik ist nicht mehr angebracht, da die US-Volkswirtschaft nicht mehr in der Krise ist. Wachstum, Beschäftigung und Inflationserwartungen deuten alle auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung in den USA hin.
    Auch bei einer ersten Zinserhöhung wäre die Geldpolitik der USA noch immer extrem expansiv gewesen. Jede geldpolitische Entscheidung enthält Risiken. Die Risiken einer zu frühen Zinserhöhung und negativer Effekte für Schwellenländer steht das größere Risiko für die Finanzstabilität gegenüber. Die US-Notenbank muss in den kommenden zwei Jahren die Zinsen nachhaltig anheben, um nicht den gleichen Fehler der 2000er-Jahre, in der eine Zinserhöhung zu lange herausgezögert wurde, zu wiederholen.
    Die größte Gefahr für die Finanzmärkte ist nicht eine Zinserhöhung der US-Notenbank, sondern eine anhaltende Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der USA. Die Entscheidung der US-Notenbank diese Woche hat die Unsicherheit über den künftigen geldpolitischen Kurs nicht reduziert, sondern weiter erhöht."

  • Liana Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken

    "Die amerikanische Notenbank verzögert die Zinserhöhung und spielt mit ihrer Glaubwürdigkeit. Obwohl die Fed eines ihrer erklärten Ziele, die Vollbeschäftigung, nahezu erreicht hat, traut sie es der US-Konjunktur noch nicht zu, eine erste Zinserhöhung zu verkraften. An den Märkten verlängert die Fed durch ihr Zögern die Unsicherheit über die lang erwartete Zinswende in den USA.

    Von einer Zinserhöhung für Europa ist auch die Europäische Zentralbank (EZB) noch weit entfernt. Vor einem ersten Zinsschritt - frühestens im Jahr 2017 - muss zunächst das Anleihen-Kaufprogramm enden. Ob dies bereits, wie zunächst angedeutet, im Herbst 2016 der Fall ist, erscheint heute unwahrscheinlich. Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns somit noch länger begleiten."

  • Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef

    "Wir wünschen uns Zeiten, in der auch Zinserhöhungen möglich sind. Eine US-Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt wäre aber gefährlich gewesen, weil wir vielen globalen Krisenherden ausgesetzt sind - von China bis Brasilien. Viele Schwellenländer befinden sich in einer Konjunkturkrise. Mit einer US-Zinserhöhung wäre der Kapitalabfluss aus diesen Schwellenländern noch größer als ohnehin schon.
    Die robuste Konjunktur und der verbesserte Arbeitsmarkt in den USA legen nahe, dass die Zinswende nicht außer Reichweite ist. Nach wie vor ist der Preisdruck über Lohnerhöhungen aber recht gering, so dass Eile nicht geboten ist. Irgendwann wird und muss die Zeit des billigen Geldes auch enden."

  • Bob Michele, JP Morgan Asset Management

    "Ich bin alles andere als überrascht. Es hätte mich schockiert, wenn die Fed ihre Zinsen angehoben hätte. Denn der Markt wäre darauf alles andere als vorbereitet gewesen."

  • Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank

    "Seit zwei Jahren prognostizieren Analysten weltweit den Beginn eines Zinsanhebungszyklus in den USA - und immer wieder wird dieser verschoben. Klar rechnen auch wir irgendwann mit einem Zinsschritt. Aber wir glauben nicht, dass damit auch tatsächlich langfristig eine Schubkraft für die Kapitalmärkte verbunden wäre. Denn eine Erhöhung würde ohnehin nur im minimalen Bereich erfolgen - das würde dann sicher auch für die weiteren Folgeschritte in den kommenden Monaten gelten.
    Eine andere Taktik kann sich die USA auch gar nicht erlauben. Sie ist im Prinzip gefangen in ihrer eigenen Zinsstarre - denn eine tatsächliche Wende in der Politik des billigen Geldes könnte die Erholung am US-Immobilienmarkt ins Wanken bringen. Außerdem würde bei steigenden US-Zinsen und gleichzeitig einem Null-Zins-Kurs in der restlichen Welt der US-Dollar sehr stark an Wert gewinnen. Zwei Konsequenzen wären dann naheliegend: Zum einen brächen die US-Exporte weg; zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen. Wir sind der Überzeugung, dass die US-Notenbank nicht bereit ist, diese Risiken einzugehen."

  • Brian Rehling, Wells Fargo

    "In unseren Augen ist das die richtige Entscheidung. Die Inflationsdaten stützen derzeit noch keine Zinserhöhung. Auch die globalen Turbulenzen sprechen für diese Entscheidung.

    Ein bisschen enttäuscht bin ich über die Hinweise auf die Zukunft. Ich hatte mit etwas mehr Andeutungen auf den Zeitpunkt für einen Zinsschritt erhofft. Es gab aber nicht sehr viele Signale."

  • Andreas Bley, Chefvolkswirt Deutsche Volks- und Raiffeisenbanken

    "Leider hat die Fed die lange überfällige Leitzinserhöhung noch einmal herausgeschoben. Die Konjunktur hat sich in den USA weitgehend normalisiert. Dazu passt kein Leitzins nahe null. Die Fed sollte im Dezember den Mut haben, den Leitzins anzuheben, auch wenn die Teuerung dann noch auf einem niedrigen Niveau verharrt. Der Preisanstieg dürfte wieder zunehmen, wenn die Energiepreise allmählich wieder anziehen. Auch im Euro-Raum dürfte sich die Inflation im kommenden Jahr wieder normalisieren und die wirtschaftliche Erholung fortsetzen. Für Sorgen vor einer Deflation besteht daher trotz des niedrigen Preisanstiegs kein Anlass."

  • Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea

    "In der Fed ist man sich unsicher, wie stark die Inflation tatsächlich steigen wird. Diese Unsicherheit wird sich in den kommenden Monaten nicht unbedingt legen. Der Wille zur Zinserhöhung ist zwar nach wie vor da, aber er kann in den nächsten Monaten durchaus schwinden. Auch wenn der Leitzins in den nächsten Monaten steigt - der Zinserhöhungspfad wird wahrscheinlich flach ausfallen, denn einen zu starken Dollar kann die Fed nicht wollen."

Die Finanzmärkte bewegten sich auf und ab, manchmal auch abrupt, sagte Bullard vor Bankern in Illinois. "Die Geldpolitik muss stabiler sein". Die Fed habe keine befriedigende Antwort gegeben, warum die Zinsen nahe Null bleiben sollten.

Aus Lackers Sicht wird der jetzige Zinssatz der US-Konjunktur nicht gerecht und ist auch nicht länger notwendig. Die US-Wirtschaft sei robust genug für eine Zinserhöhung, erklärte der Chef der Fed von Richmond am Samstag. Der private Verbrauch steige stetig, und der Arbeitsmarkt ziehe an.. Die Zinsen sollten um 0,25 Prozentpunkte erhöht werden. Lacker gilt als Falke, also als Verfechter einer straffen geldpolitischen Linie.

Fed-Entscheid US-Notenbank hat aus ihren Fehlern nichts gelernt

Die US-amerikanische Zentralbank hat die Zinswende aufgeschoben. Sie missachtet ihre eigenen Regeln – und droht einmal mehr, gefährliche Blasen aufzubauen.

Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Federal Reserve . Quelle: dpa

Sein Kollege Williams, der im Zinsgremium der Fed, dem Offenmarktausschuss (FOMC), in diesem Jahr stimmberechtigt ist, sieht gute Chancen dafür, dass die Zinsen in diesem Jahr doch noch angehoben werden. Er ließ durchblicken, dass er sich den Schritt sogar schon im Oktober vorstellen könnte. Zwar sei im Anschluss an diesen Termin keine Pressekonferenz geplant.

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Das sei aber nicht problematisch, sagte er auf einer Konferenz in Armonk. Arbeitsmarkt und die Inflationsrate entwickelten sich in die richtige Richtung. Daher wäre eine erste kleine Zinsanhebung der richtige Schritt. Letztlich werde dies aber davon abhängen, wie die Fed die Lage der Weltwirtschaft und deren Auswirkung auf die US-Konjunktur einschätze.

Bei der Sitzung am Donnerstag hatte er sich - wie neun seiner zehn Kollegen in dem Gremium auch - wegen der relativ schwachen Wirtschaftslage in China und damit verbundenen Turbulenzen an den Finanzmärkten dafür ausgesprochen, die Zinsen vorerst bei nahe Null zu lassen.

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