US-Notenbank: Steht die Fed vor einer Zinserhöhung?

US-Notenbank: Steht die Fed vor einer Zinserhöhung?

, aktualisiert 17. August 2016, 14:43 Uhr
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Es gibt immer mehr Zweifel am ökonomischen Modell der US-Notenbank.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach den Äußerungen zweier Notenbanker haben die Spekulationen über die Zinspolitik der Fed wieder zugenommen. Schon im September könnte die US-Zentralbank – nach der Zinswende im Dezember 2015 – erneut handeln.

New YorkZunehmende Spekulationen auf eine Zinserhöhung in den USA haben die europäischen Börsen am Mittwoch ausgebremst. Der deutsche Leitindex Dax fiel zwischenzeitlich um mehr als ein Prozent auf 10.545 Punkte. Der EuroStoxx50 notierte 0,8 Prozent schwächer bei 2993 Zählern. „Die Sommer-Rally legt eine Pause ein“, sagte LBBW-Stratege Wolfgang Albrecht. Die Anleger seien wegen der Debatte um eine baldige Anhebung der US-Zinsen in Wartestellung.

Der US-Währungshüter William Dudley hatte eine Zinserhöhung im September ins Gespräch gebracht. „Ich denke, dass es möglich ist“, sagte der Chef des US-Notenbankablegers in New York am Dienstag dem Fernsehsender Fox Business Network: „Wir nähern uns dem Zeitpunkt, zu dem es aus meiner Sicht angemessen ist, die Zinsen anzuheben.“ An den Terminmärkten habe sich unter den Investoren eine zu große Gelassenheit mit Blick auf eine Straffung der Geldpolitik breitgemacht, warnte Dudley. Der Präsident der Fed von Atlanta, Dennis Lockhart, betonte, die US-Wirtschaft sei stark genug für mindestens zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr.

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Seit der Zinswende vom Dezember 2015 hält die US-Zentralbank Federal Reserve den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Viele Fed-Beobachter rechnen zum Jahresende mit einem weiteren Schritt nach oben – wenn das Rennen um das Weiße Haus gelaufen ist. Die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung im September schätzten die Händler am Dienstag immerhin auf 18 Prozent ein und damit doppelt so hoch wie vor den Äußerungen Dudleys.

Dudley sagte, die US-Wahl spiele für die Geldpolitik keine Rolle. Die Wirtschaft werde sich im zweiten Halbjahr voraussichtlich besser entwickeln. Als positives Omen gelten die aktuellen Produktionsdaten aus den USA: Die Unternehmen haben den Ausstoß im Juli überraschend kräftig gesteigert. Die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes stellten 0,7 Prozent mehr her als im Vormonat – der höchste Anstieg seit November 2014.

Volkswirte hatten lediglich mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Die Auslastung der Maschinen und Anlagen lag mit 75,9 Prozent ebenfalls höher als von Experten erwartet. „Der industrielle Gegenwind für die Konjunktur dürfte abflauen und könnte zum Ende des Jahres eine Zinsanhebung ermöglichen“, sagte Ökonom Bernd Krampen von der NordLB.


Fed ist am Jobmarkt am Ziel

Die Notenbank, die Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern soll, ist am Jobmarkt praktisch am Ziel. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 4,9 Prozent. Doch bei der Inflationsrate ist aus Sicht der Fed noch Luft nach oben: Die Verbraucherpreise lagen im Juli um 0,8 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Die Teuerungsrate war damit noch einen Tick niedriger als von Experten erwartet.

Die Fed strebt bei der Inflation eine Zielmarke von zwei Prozent an. Die Währungshüter blicken bei der Inflation insbesondere auf die Preisveränderungen bei den persönlichen Verbraucherausgaben (PCE), wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten außen vor bleiben. Auch dieser Wert lag im Juni mit 1,6 Prozent noch unter dem Zielwert.

Auch den US-Dollar haben die Zinsspekulationen am Mittwoch gestärkt. Der Dollar-Index, der den Kurs des Greenbacks zu anderen wichtigen Währungen widerspiegelt, kletterte um 0,3 Prozent auf 95,025 Punkte. Der Euro gab im Gegenzug seine Kursgewinne ab und fiel auf 1,1261 Dollar zurück. Zuvor hatte er bei 1,1323 Dollar seinen höchsten Stand seit Mitte Juni erreicht.

Analysten sehen dennoch keine allgemeine Trendumkehr beim Dollar. „Hinweise auf geldpolitische Straffungen der Fed können den Dollar kurzfristig treiben, aber sie reichen nicht aus, um einen Aufwärtstrend auszulösen“, sagte Junichi Ishikawa vom Handelshaus IG Securities in Tokio. Denn immer noch rechneten Marktteilnehmer mit maximal zwei Zinsschritten in diesem Jahr, während Ende 2015 die Mehrzahl noch von bis zu vier ausgegangen sei.

Frische Hinweise auf die Geldpolitik dürften die am Abend nach Handelsschluss in Europa erwarteten Protokolle der letzten Sitzung der US-Notenbank Fed im Juli liefern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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