US-Notenbankchef: Big Bens gefährlicher Drahtseilakt

KommentarUS-Notenbankchef: Big Bens gefährlicher Drahtseilakt

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FED-Chef Ben Bernanke spricht vor dem Congress in Washingon.

von Angela Hennersdorf

Ohne die expansive Geldpolitik der US-Notenbank wäre die Erholung der US-Konjunktur noch schwächer als sie derzeit sei, verteidigt Ben Bernanke die Politik der FED. Der Chef der US-Notenbank hat es mit seinem billigen Geld soweit getrieben, dass er selbst keinen risikofreien Ausstieg mehr sieht.

Ben Bernanke ist der neue Pferdeflüsterer der Nation. Wenn der Chef der US-Notenbank FED spricht, dann ist nicht nur Amerika ganz Ohr, auch die globalen Märkte hängen an seinen Lippen. Bahnbrechend Neues hat der Mann am Mittwoch in seiner Erklärung zur wirtschaftlichen Lage der USA vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongress nicht gesagt. Die Anleihenkäufe der FED gehen solange weiter wie nötig, war die Hauptaussage.

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Mehr wollten die Märkte gar nicht hören. An der Wall Street kletterte der Dow Jones um 0,7 Prozent auf 15.488 Punkte. Der S&P 500 Index gewann 0,6 Prozent auf 1679 Zähler. Der Nasdaq notierte 0,4 Prozent im Plus bei 3517 Punkten.

Ins interessantere Detail ging Bernanke erst in der Frage-und-Antwort-Stunde mit den Kongress-Abgeordneten. Denen lieferte er eine weniger bullige Story über das zukünftige Handeln der FED, die zeigten welch wackligen Drahtseilakt Bernanke mit seiner Politik tanzt. Die US-Notenbank kauft seit einem halben Jahr monatlich für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere und will damit die Wirtschaft in Schwung bringen.

Vor den Kongressabgeordneten spricht Bernanke von Risiken, zu hohen Kosten, von Inflation und die Gefahr eines zu späten oder zu frühen Ausstiegs aus dem milliardenschweren Anleihenkaufprogramm der FED.

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Bernanke-Rede belebt die Kurse - Dax steigt

Die Niedrigzinspolitik könne die Finanzstabilität gefährden

Einerseits, berge ein voreiliges Ende oder eine Straffung des FED-Anleihenkaufpogramms von monatlich 85 Milliarden Dollar das Risiko, die wirtschaftliche Erholung in den USA abzuwürgen. Andererseits könnten in den nächsten Monaten – eventuell sogar noch vor dem Labor Day – also Anfang September das Programm gekürzt werden, ließ Bernanke verlauten. Schließlich brächte eine lange Zeit niedriger Zinsen auch Kosten und Risiken mit sich – na, wer hätte das gedacht. Und er legte noch eines drauf: Eine zu lange Periode von niedrigen Zinsen – derzeit sind sie praktisch bei Null – „könnte die Finanzstabilität“ untergraben, warnte Beranke.

Einerseits, so Bernanke, verbessere sich der Arbeitsmarkt wie auch der Immobilienmarkt in den USA, andererseits seien sowohl der Arbeitsmarkt wie auch der Häusermarkt noch immer recht schwach. Die USA, weltweit größte Volkswirtschaft, werde 2013 voraussichtlich um 2,5 Prozent wachsen. Die Arbeitslosenquote sei zwar auf 7,5 Prozent gefallen. Doch die Lage auf dem Jobmarkt sei aber weiter kritisch, vor allem die Zahl der Langzeitarbeitslosen sei „historisch hoch“.

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Die FED will ihr Anleihekaufprogramm so lange weiterlaufen lassen bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. Bernanke gab allerdings offen zu, dass die Notenbank mit ihrer Geldpolitik nur begrenzte Möglichkeiten habe, um den Arbeitsmarkt tatsächlich zu verbessern. Von den 7,5 Prozent der Arbeitslosenquote seien zwischen fünf und sechs Prozent „strukturelle Arbeitslosigkeit“, der Rest sei zyklisch bedingt. Die strukturellen Probleme auf dem US-Arbeitsmarkt könne die FED tatsächlich gar nicht beeinflussen, gab Bernanke zu. Was nützt dann das ganze Programm?

„Eine risikofreie Ausstiegsstrategie gibt es nicht“

Eine Ausstiegsstrategie aus der expansiven Geldpolitik lieferte Bernanke erst gar nicht. Er gab sogar offen zu, dass er keine risikofreie Strategie in petto habe, um die Konjunkturerholung und die Preisstabilität nicht zu gefährden. Na dann, Kopf nach unten und weitermachen wie bisher bis der Nachfolger übernimmt? Auf die Frage, ob er eine dritte Amtszeit anstrebe, wollte der Fed-Chef nicht antworten. 

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