_

US-Wirtschaft: Neue Haltung gegenüber dem BIP-Wachstum

Was bringt das neue Steuer-und Konjunkturpaket der US-Regierung? Harvard-Professor Martin Feldstein sagt: Ob die Maßnahmen den Konsum ankurbeln, ist zweifelhaft - die positiven Folgen sind eher psychologischer Natur.

Ökonom Martin Feldstein Quelle: Laif
Ökonom Martin Feldstein Quelle: Laif

Das Steuerpaket, auf das sich US-Präsident Barack Obama und seine republikanischen Gegner im amerikanischen Kongress geeinigt haben, ist eine  richtige Mischung aus angemessener kurzfristiger Fiskalpolitik und längerfristiger fiskalpolitischer Umsicht. Im Mittelpunkt steht die Fortschreibung der Einkommensteuersätze des Jahres 2010 für weitere zwei Jahre – ohne eine Festlegung, was danach mit den Steuersätzen geschehen soll.

Anzeige

Ohne diesen Deal  wären die Steuersätze 2011 wieder auf das höhere Niveau gestiegen, das vor den Steuersenkungen der Bush-Administration aus dem Jahre 2001 galt. Dies hätte höhere Lasten für alle Steuerzahler bedeutet  - die Steuerverbindlichkeiten 2011 und 2012 wären um etwa 450 Milliarden Dollar gestiegen. Dies entspricht 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Da Amerikas BIP zuletzt um nur etwa zwei Prozent jährlich gestiegen ist, hätte eine derartige Steuererhöhung die US-Volkswirtschaft vermutlich erneut in die Rezession gedrückt.

Die Einigung steht im Gegensatz sowohl zu Obamas Haushaltsvorschlag vom Februar 2010 als auch zum Gegenvorschlag der Republikaner. Obama wollte die Steuersätze dauerhaft für Steuerzahler mit einem Jahreseinkommen bis 250.000 Dollar festschreiben. Die Republikaner schlugen vor, die aktuellen Steuersätze dauerhaft für alle fortzuschreiben.

Steuersenkungen nutzten viele Amerikaner zum Sparen

Die offizielle Haushaltsarithmetik wird die Einigung über die persönlichen Einkommensteuersätze als 450-Milliarden-Dollar-Erhöhung des US-Defizits behandeln. Dadurch erscheint sie als große steuerliche Konjunkturmaßnahme. Aber sie behält lediglich die bestehenden Steuersätze bei, sodass die Steuerzahler sie nicht als Steuersenkung wahrnehmen. Eine echte Konjunkturmaßnahme wäre sie nur, wenn die Steuerzahler zuvor erwartet hätten, dass Kongress und Regierung einen Anstieg der Steuersätze erlauben würden – eine unwahrscheinliche Aussicht angesichts der negativen Folgen, die dies auf die gegenwärtig schwache Konjunktur gehabt hätte.

Selbst bei US-Bürgern, die 2011 und 2012 höhere Steuern erwarteten, ist unklar, wie stark die neue Lage nun den Konsum ankurbelt. Die temporären Steuersenkungen 2008 und 2009 scheinen die Haushalte eher genutzt zu haben, um ihre Ersparnisse zu erhöhen und Schulden abzubauen.

Zu diesem Artikel
3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.01.2011, 02:56 UhrAnonymer Benutzer: Mariposa

    Martin Feldstein hat mit seiner These vollkommen recht. Die US-Amerikaner sparen (fuer ihre Verhaltnisse) auf breiter Front. Die Ergebnisse des Weihnachtsgeschaefts sind laengst nicht so positiv ausgefallen wie erwartet. Viele Rabattaktionen im Vorfeld haben auf die Umsatzhoehe gedrueckt, dann gegen Ende ist dem Geschaeft die Luft ausgegangen. Was frueher irgendwie einen Abnehmer fand, bleibt heute im Regal. Langsam setzt sich das bewusstsein fuer Preisvergleiche durch. Kredite zur Finanzierung werden laengst nicht mehr so freigiebig vergeben. Die Steuereinsparungen werden genutzt um die Schulden bei Kreditkarten, der Autofinanzierung etc. zu reduzieren.

  • 08.01.2011, 23:04 UhrAnonymer Benutzer: Sparfuchs

    Die Amis werden es nie lernen das man nur mit Kapital, das Zinsen regeneriert nachhaltiges WAchstum schafft...

  • 08.01.2011, 21:21 UhrAnonymer Benutzer: Querdenker

    Niedrige Steuern, damit das es keine Rezession gibt? Die Amerikaner sparen statt das Geld auszugeben, also verpufft die Konjunkturwirkung.
    sinnvoller wäre es gewesen, die Steuern zu erhöhen (bzw auf das alte Nivau anzuheben) und das Geld in Haushalte zu stecken, welche eine niedrige Sparquote haben, z.b. Sozial Schwachgestellte Haushalte, dann wäre fast alles in den Konsum geflossen. Jetzt dagegen werden Schulden abgebaut und das biP wird um 1.5% sinken. Tja, Politik hat halt nix mit Sinnhaftigkeit zu tun, sondern ist Lobbygestzgebung, insb für die Reichen...

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.