Verbraucherlaune: Besseres Konsumklima hilft Deutschland nicht

KommentarVerbraucherlaune: Besseres Konsumklima hilft Deutschland nicht

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Passanten an der Goethestraße in Frankfurt am Main

Wer hätte das gedacht? Mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise steigt die Konsumlaune der Bundesbürger. Darauf deutet jedenfalls der heute von der GfK veröffentlichte Konsumklimaindex für November hin, der sich von 1,8 auf 1,9 Punkte verbessert hat.

Dürfen wir uns also Hoffnungen machen, dass der private Konsum trotz aller Widrigkeiten doch noch anspringt und damit den Einbruch bei Exporten und Investitionen wettmacht? Kann Deutschland dadurch der drohenden Rezession entkommen?

Mitnichten. Ein genauer Blick auf die einzelnen Teilkomponenten des GfK-Index ist ernüchternd. Zwar hat sich die Teilkomponente für die Einkommenserwartungen der Bürger leicht verbessert - das ist neben den höheren Tarifabschlüssen vor allem auf die rückläufigen Energiepreise zurück zu führen -, doch ist der Index für die Anschaffungsneigung kräftig gesunken. Der Teilindex für die Konjunkturerwartungen brach sogar auf sein niedrigstes Niveau seit dem Krisenjahr 2003 ein.

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Es wird deutlich: Die Bundesbürger machen sich ein realistisches Bild von der künftigen Wirtschaftsentwicklung. Deutschland steckt mitten in der Rezession. Und die wird tiefer und länger ausfallen als alle Rezessionen seit der großen Weltwirtschaftskrise in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Wie schmerzhaft der wirtschaftliche Einbruch sein wird, zeigen die Ankündigungen großer Automobilhersteller, ihre Produktion drastisch zurück zu fahren. Für die nächsten Wochen müssen wir uns auf ähnliche Horrormeldungen aus anderen Branchen gefasst machen.

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Bild: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Schon bald werden Entlassungen an der Tagesordnung sein, weil die Firmen bei rückläufiger Produktion weniger Arbeitskräfte benötigen. Die Ankündigungen der Konzerne, sich demnächst von Zeitarbeitern zu trennen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Als nächstes werden die Personalverantwortlichen befristete Arbeitsverträge nicht verlängern, dann Auszubildende nicht mehr übernehmen und am Ende des Tages auch die Stammbelegschaften verringern.

Angesichts dieser Perspektiven ist es verständlich, dass sich die von der GfK befragten Bürger bei den Konsumausgaben zurückhalten wollen. Denn wer Angst um seinen Job hat, geht nicht fröhlich auf Einkaufstour, sondern legt Geld für schlechte Zeiten zurück.

Daher sollten wir uns keine Illusionen machen. Der private Konsum wird die deutsche Konjunktur nicht retten. Im Gegenteil: Er wird im nächsten Jahr erneut sinken.

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