Volker Wieland: Geldpolitik-Experte wird neuer Wirtschaftsweiser

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Volker Wieland: Geldpolitik-Experte wird neuer Wirtschaftsweiser

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Volker Wieland war zuvor unter anderem in den USA an der renommierten Stanford-Universität und als Senior Economist bei der Notenbank Federal Reserve in Washington tätig.

Der Frankfurt Ökonom Volker Wieland soll 2013 im Kreis der fünf Wirtschaftsweisen den Posten von Wolfgang Franz übernehmen. Der Experte für Makroökonomie, Geldtheorie und Geldpolitik ist im In- und Ausland bekannt.

Der Frankfurter Geldpolitik-Experte Volker Wieland wird im Frühjahr in den Rat der Wirtschaftsweisen aufrücken. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte, hat das Kabinett den Ökonomieprofessor für den Posten vorgeschlagen. Die Berufung durch den Bundespräsidenten gilt als Formsache. Dann kann Wieland ab 1. März in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einziehen, aus dem ZEW-Chef Wolfgang Franz turnusgemäß ausscheidet.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) würdigte Wieland als einen im In- und Ausland anerkannten Experten für Makroökonomie, Geldtheorie und Geldpolitik. Wieland ist derzeit Stiftungsprofessor für Volkswirtschaftslehre und Geschäftsführender Direktor am Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) an der Goethe-Universität Frankfurt.

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Das schreiben die „fünf Wirtschaftsweisen“ über ...

  • ... die aktuelle Lage der Euro-Zone

    „Der Euro-Raum sieht sich drei gravierenden und zugleich eng miteinander verbundenen Problemfeldern gegenüber: einer Staatsschuldenkrise, einer Bankenkrise und einer makroökonomischen Krise.“ (...)

    „Die zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte unvermeidbaren Sparprogramme beeinträchtigen die ohnehin schwache Binnenkonjunktur in den betreffenden Ländern.“ (...)

    „Das Finanzsystem ist aber gerade in den Ländern, in denen die hohe Auslandsverschuldung vor allem spekulative Entwicklungen im Immobiliensektor genährt hat, stark angeschlagen. Erhebliche Teile der seinerzeit vergebenen Kredite sind akut ausfallgefährdet und belasten die Bankbilanzen. Der dadurch ausgelöste 4 Zeit für eine dauerhafte Lösung der Euro-Krise Sachverständigenrat 2012 Vertrauensverlust ließ die privaten Kapitalflüsse aus dem Ausland versiegen.“

  • ... das bisherige Krisenmanagement

    Es sei gelungen, „mutige Schritte zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen einzuleiten“, ganz anders als in Großbritannien oder den USA. (...)

    Dass Spanien und Italien mit Problemen bei der Kreditaufnahme zu kämpfen hätten, die USA und Japan aber etwa nicht, hänge mit der anders ausgerichteten Geldpolitik der Zentralbanken zusammen, bei der jedoch Geld- und Fiskalpolitik vermischt würden.

    „Die besondere Exponiertheit der Problemländer gegenüber den Finanzmärkten resultiert zusätzlich daraus, dass ihre gesamte Verschuldung auf eine Währung lautet, die sie nicht selbst schaffen können. Das kann man prinzipiell als einen erwünschten Disziplinierungseffekt ansehen, es kann sich daraus aber auch ein destabilisierender Prozess ergeben (...)“

  • ... die Ergebnisse des EU-Gipfel Ende Juni

    Die Staats- und Regierungschefs hätten eine Aufgabenerweiterung der Rettungsfonds ESM und EFSF beschlossen. Der Sachverständigenrat wiederhole aber seinen Vorschlag eines Modells, das den Zugang zu gemeinschaftlichen Finanzierungsmechanismen von dem Erreichen der Ziele des Stabilitäts- und Wachstumspakts abhängig macht. Außerdem seien ESM und EFSF eigentlich zu klein, da sie nach Abzug der laufenden Programme und der geplanten Hilfen für spanische Banken nur noch ein Volumen von 400 Milliarden Euro hätten.

    Die Idee der von den Regierungschefs propagierten gemeinsamen Bankenaufsicht begrüßen die Wirtschaftsweisen: „Allerdings benötigt die Etablierung von hinreichenden Aufsichts- und Eingriffsrechten nicht zuletzt geraume Zeit, die in der aktuellen Krise jedoch nicht zur Verfügung steht.“

    „Insgesamt haben die Staats- und Regierungschefs der Länder des Euro-Raums damit den Problemländern lediglich zu einer Atempause verholfen.“

  • ... noch benötigte Entscheidungen

    Der Sachverständigenrat wiederholt die Empfehlung, einen „Schuldentilgungsfonds“ zu schaffen. Kriselnde Staaten dürften dabei gemeinschaftliche Anleihen mit anderen Staaten begeben und dabei von niedrigen Zinsen profitieren, müssten dabei aber Tilgungsverpflichtungen eingehen. Angesicht des Zusammenhangs von Staatsschulden- und Bankenkrise reiche das aber nicht aus. Es bedürfe eines Drei-Punkte-Plans.

  • ... ihren Vorschlag eines „Drei-Punkte-Plans“

    1. Die spanischen Banken müssen rasch rekapitalisiert werden aus EFSF und ESM und mehr Befugnisse für die Europäische Zentralbank, um die Lage des Bankensektors besser beurteilen zu können.

    2. Es bedürfe einer besseren „Kapitalausstattung der Banken, um deren Risikotragfähigkeit zu erhöhen. Parallel dazu ist die Etablierung von Mechanismen zur Restrukturierung und Abwicklung von Banken erforderlich.“ Eine umfassende Lösung der Weichenstellungen für ein stabiles Finanzsystem werde „derzeit nicht zuletzt dadurch erschwert, dass es keine effektiven und europaweit abgestimmten Verfahren zur Restrukturierung und Abwicklung von Banken (...) gibt.“

    3. „Keine Schnellschüsse hin zur Bankenunion: (...) Ein langfristiges System, bei dem Haftung und Kontrolle zusammenfallen, erfordert nicht zuletzt die Aufgabe nationaler Souveränitätsrechte. Dies wird somit zwingend einige Zeit in Anspruch nehmen; umso wichtiger ist es, die erforderlichen Änderungen der Regulierung jetzt auf den Weg zu bringen.“

  • Wer sind eigentlich die „fünf Wirtschaftsweisen“?

    Die Mitglieder des Gremiums, das offiziell „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ heißt sind:

    Wolfgang Franz (ZEW, Mannheim) ist der Vorsitzende. Die anderen vier Mitglieder sind Peter Bofinger (Uni Würzburg), Claudia Buch (Uni Tübingen), Lars Feld (Uni Freiburg) und Christoph Schmidt (Uni Bochum, RWI-Präsident).

Vor seiner Tätigkeit am IMFS war Wieland unter anderem in den USA an der renommierten Stanford-Universität und als Senior Economist bei der Notenbank Federal Reserve in Washington tätig. Die Wirtschaftsweisen begutachten seit 1963 die ökonomische Entwicklung im Auftrag der Bundesregierung. Neben dem im März ausscheidenden Vorsitzenden Franz gehören dem Gremium die Ökonomen Claudia Buch, Peter Bofinger, Christoph Schmidt und Lars Feld an.

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