Wachstum erst 2014 : IWF: Eurozone bleibt in der Rezession

ThemaKonjunktur

Wachstum erst 2014 : IWF: Eurozone bleibt in der Rezession

Das Ende der Rezession in der Eurozone lässt nach einer Prognose des IWF noch länger auf sich warten. Vor allem die Unsicherheit hinsichtlich der Reformbemühungen der Politiker sei Schuld an der längeren Durststrecke.

Die Eurozone bleibt nach einer Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch in diesem Jahr in der Rezession. Die Wirtschaftsleistung werde 2013 um 0,2 Prozent schrumpfen, heißt es in dem am Mittwoch in Washington vorgelegten Weltwirtschaftsausblick der Organisation. Bisher hatte sie ein Wachstum von 0,2 vorausgesagt. Grund für die Abwärtskorrektur sei vor allem die anhaltende Unsicherheit der Märkte, ob die politischen Maßnahmen gegen die Schuldenkrise ausreichten. Die Erholung verlaufe daher langsamer als erwartet.

Erst für 2014 erwartet der IWF eine Rückkehr der Euroländer in die schwarzen Zahlen. Im Vorjahr habe der Rückgang 0,4 Prozent betragen. „Das Risiko einer verlängerten Stagnation in der gesamten Eurozone wird zunehmen, wenn die Reformanstrengungen nachlassen“, warnt der Fonds. Das sei auch ein großes Risiko für die Weltwirtschaft. Die Institution bekräftigte ihre Forderung an Europas Gesetzgeber, den Bau finanzieller Schutzmauern und der Bankenunion voranzutreiben sowie sich stärker in der Haushaltspolitik abzustimmen.

Anzeige

Schuldenstand in der EU Griechen stehen am tiefsten in der Kreide

Der Schuldenstand in den 27 Euro-Ländern verharrt auf hohem Niveau: Im dritten Quartal 2012 lag er bei 90 Prozent. Die höchsten Schuldenstände finden sich in den Krisenländern Griechenland, Italien und Portugal.

Auf eine Europafahne fallen in Karlsruhe Euro-Münzen, Illustration vom (04.07.2011). In der Bundesregierung wird einem Zeitungsbericht zufolge erwogen, notfalls mit fünf anderen als besonders kreditwürdig geltenden Euro-Ländern gemeinsame Anleihen aufzulegen. Wie «Die Welt» (Ausgabe vom Montag, 28.11.2011) unter Berufung auf EU-Diplomaten berichtet, könnten mit diesem Geld nicht nur Schulden der sogenannten Triple-A-Länder - neben Deutschland auch Frankreich, Finnland, die Niederlande, Luxemburg und Österreich - finanziert werden, sondern gegen strenge Auflagen auch Hilfen für Krisenländer wie Italien und Spanien. Für Kanzlerin Merkel (CDU) käme die Umsetzung der Pläne aber nur infrage, wenn nicht alle 27 EU-Staaten gemeinsam der von ihr geforderten Änderung der EU-Verträge zur strengeren Überwachung der Euro-Stabilitätsregeln verbindlich zustimmen. Foto: Uli Deck dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Auch für Deutschland verringerte der IWF seine Prognose für dieses Jahr von 0,9 auf 0,6 Prozent. Im kommenden Jahr jedoch soll die Konjunktur in der Bundesrepublik mit einem Plus von 1,4 Prozent wieder schneller wachsen. Auch für die rezessionsgeplagten Länder Italien und Spanien sieht der IWF für 2014 eine Rückkehr ins Plus. Die positiven Erwartungen stünden aber unter dem Vorbehalt, dass die geplanten Maßnahmen gegen die Krise auch wirklich umgesetzt würden.

Was für und gegen eine Rezession in Deutschland spricht

  • Dafür: Exporte

    Bislang haben sich die Exporteure wacker geschlagen. Um mehr als vier Prozent haben sie ihren Auslandsumsatz in den ersten neun Monaten gesteigert, die Umsatzgrenze von einer Billion Euro dürfte das zweite Jahr in Folge geknackt werden. Doch die Tendenz zeigt deutlich nach unten: Im September fielen die Ausfuhren um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat - das war das erste Minus seit Anfang 2010 und zugleich das stärkste seit November 2009. Grund: Die Nachfrage aus den Euro-Ländern - wohin etwa 40 Prozent der Waren "Made in Germany" gehen - bricht wegen der Rezession in Italien, Spanien & Co ein. Sie fiel um 9,1 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht. Die Industrieaufträge aus der Euro-Zone sanken zuletzt um 9,6 Prozent. Und die EU-Kommission sagt wichtigen Handelspartnern wie Italien und Spanien auch für 2013 eine Rezession voraus. "Außenwirtschaftliche Impulse dürften in den kommenden Monaten ausbleiben", befürchtet das Bundeswirtschaftsministerium. "Das nächste Jahr wird zäh", sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

  • Dafür: Investitionen

    Wegen der ungewissen Aussichten - nicht zuletzt im Exportgeschäft - investieren viele Unternehmen weniger. Seit Ende 2011 gehen ihre Investitionen in Maschinen, Anlagen und Geräte von Quartal zu Quartal zurück. "Das ist gewöhnlich ein Vorbote für eine Rezession", sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. Die Investitionen dürften in diesem Jahr um 3,3 Prozent schrumpfen, sagen die Wirtschaftsweisen in ihrem Gutachten für die Bundesregierung voraus. 2013 rechnen sie nicht mit einer echten Erholung, sondern nur mit einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. 2011 sah das noch ganz anders aus: Damals zogen die Ausrüstungsinvestitionen um 7,0 Prozent an und verhalfen der Wirtschaft zu einem kräftigen Wachstum von 3,0 Prozent. "Die Unternehmen warten ab, wie sich die Schuldenkrise weiter entwickelt", sagt DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle.

  • Dagegen: Konsum

    Das einstige Sorgenkind hat sich zur großen Stütze der deutschen Wirtschaft entwickelt. Wegen der niedrigen Arbeitslosigkeit und steigender Reallöhne sitzt das Geld bei den deutschen Verbrauchern wieder lockerer. Die Chancen stehen gut, dass dies auch so bleibt. Denn alle Experten sagen einen stabilen Arbeitsmarkt voraus. Die Wirtschaftsweisen rechnen für 2013 sogar mit einem Beschäftigungsrekord. Zudem sollen die Bruttolöhne mit 3,2 Prozent fast genauso schnell steigen wie im zu Ende gehenden Jahr mit 3,7 Prozent. Entlastet werden viele Deutsche zudem von der Senkung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Krankenversicherung, der von 19,6 auf 18,9 Prozent fällt. Zusätzlich entfallen die zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal. "Es ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, dass der Konsum in den kommenden Monaten nachgibt", sagt der Präsident des Einzelhandelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser.

  • Dagegen: Bauboom

    Stabiler Arbeitsmarkt gepaart mit extrem niedrigen Zinsen - diese Mischung sorgt seit vielen Monaten für einen Boom des Wohnungsbaus in Deutschland. Und der dürfte sich fortsetzen. "Die Konjunktur wird weiterhin dadurch unterstützt, dass der Wohnungsbau von den günstigen Finanzierungsbedingungen, dem Mangel an Alternativanlagen und der gestiegenen Verunsicherung profitiert", ist sich die Bundesbank sicher. Das strahlt auf viele Bereiche ab - vom Handwerk über baunahe Dienstleister bis hin zu Baumärkten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet, dass die Branche nach der Stagnation in diesem Jahr um fünf Prozent wachsen wird - auch weil die Kommunen angesichts rekordhoher Steuereinnahmen wieder mehr investieren dürften.

Der Schuldenstand in den 17 Ländern der Eurozone hat sich derweil im dritten Quartal auf hohem Niveau stabilisiert. Er belief sich Ende September auf 90,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), wie die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mitteilte. Am Ende des zweiten Quartals hatte er bei 89,9 Prozent gelegen. Laut dem Vertrag von Maastricht ist lediglich ein Schuldenstand von 60 Prozent der Wirtschaftskraft erlaubt. In Deutschland betrug die Verschuldung 81,7 Prozent des BIP. Die höchsten Schuldenstände finden sich in den Krisenländern Griechenland, Italien und Portugal.

Weitere Artikel

Weltweit rechnet der IWF nur noch mit einem Konjunkturplus von 3,5 Prozent in diesem Jahr. Der Wert wurde um 0,1 Prozentpunkte gesenkt. 2014 werde das Wachstum auf 4,1 Prozent zulegen. Das Bruttoinlandsprodukt könnte sogar noch stärker steigen, „wenn das Krisenrisiko sich nicht bestätigt und sich die finanziellen Kondition weiter verbessern“, heißt es in dem Bericht. Dazu müssten vor allem die USA ihren innenpolitischen Streit um den Staatshaushalt mit einer sinnvollen Einigung beilegen und die aufstrebenden Länder sich von den Nachfrageschwankungen aus den Industrieländern lösen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%