Wachstumsausblick: OECD vermisst Reformen aus Berlin

ThemaKonjunktur

Wachstumsausblick: OECD vermisst Reformen aus Berlin

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Blick nach Berlin: Die OECD erwartet von Deutschland mehr Reformen für Arbeitsmarkt, Sozial- und Steuerpolitik.

Ruht sich Deutschland auf seinen Wirtschaftszahlen aus? Die OECD jedenfalls vermisst energische Reformen. Auch als Antreiber beim Wachstum erwarten die Wirtschaftsexperten mehr von Berlin.

Deutschland sollte aus Sicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mehr für seine Zukunftsfähigkeit tun. „Der Ehrgeiz für gute Strukturreformen hat deutlich nachgelassen“, kritisierte der Direktor für wirtschaftspolitische Studien bei der OECD, Christian Kastrop, am Mittwoch in Paris bei der Vorlage des Wirtschaftsausblicks seiner Organisation.

Nach zuvor guten Ansätzen seien die jüngsten fünf bis sieben Jahre „eher enttäuschend“ verlaufen, sagte Kastrop. Als mögliche Ziele nannte Kastrop die Bereiche Arbeitsmarkt, Sozial- und Steuerpolitik. Zudem könne Deutschland mehr für die Erholung des Wachstums in Europa tun. Gemeinsam mit fiskalpolitischen Ansätzen könnten die Volkswirtschaften aus Sicht der OECD damit „der Wachstumsfalle entkommen“.

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Die Organisation sieht die Weltwirtschaft in einer anhaltenden Phase schlechter Konjunkturwerte. „Das Wachstum in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften bleibt schwach und hat sich in den Schwellenländern, die seit der Krise Zugpferd der Weltwirtschaft waren, abgeschwächt“, sagte Generalsekretär Angel Gurría in Paris nach OECD-Angaben.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

So erwartet die Organisation weltweit in diesem Jahr nur ein Wachstum von 3,0 Prozent, stagnierend auf dem Niveau des bereits schwachen Vorjahres. Für 2017 erwarten die Experten 3,3 Prozent. Deutschland kann nach 1,4 Prozent im Vorjahr mit 1,6 Prozent in diesem und 1,7 Prozent in 2017 rechnen.

Für die Eurozone gehen die Statistiker nach 1,6 Prozent in 2015 und 2016 für 2017 von 1,7 Prozent mehr Wirtschaftskraft aus. In China lässt das Wachstum „trotz der Nachfragestimulierung“ weiter nach mit Werten von 6,9 (2015), 6,5 (2016) und 6,2 (2017) Prozent.

Wachstumsprognosen OECD senkt deutsche Aussichten deutlich

Die OECD blickt deutlich skeptischer auf die globale Konjunktur. Die Organisation senkte am Donnerstag ihre Wachstumsprognosen für Weltwirtschaft, USA und Euro-Zone teilweise deutlich - für Deutschland.

Die OECD sieht dunkle Wolken über Deutschland heranziehen und senkt seine Wachstumsprognose für die Bundesrepublik. Quelle: dpa

Ein Risiko für das Wachstum sieht die OECD zudem in einem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU. „Ein Brexit würde zu wirtschaftlicher Unsicherheit führen und den Handel behindern“, hieß es in Paris. Ein Brexit würde die EU nach OECD-Berechnung bis 2030 fünf Prozent ihres gesamten Volumens kosten.

Aktuell sorgt in Deutschland vor allem die Binnennachfrage für Wachstum. Ein starkes Potenzial für Deutschland sieht die OECD in der Zuwanderung von Migranten. „Wir sind ein stark alterndes Land“, betonte Kastrop mit Blick auf Deutschland. Die Möglichkeiten könnten aber nur dann ausgeschöpft werden, wenn Immigranten schnell in den Arbeitsmarkt integriert würden.

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