Wachstumsbericht: IWF gibt deutschem Wachstum die Note 2-

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Wachstumsbericht: IWF gibt deutschem Wachstum die Note 2-

von Henning Krumrey

Trotz eigener Wirtschaftskraft bleibt Deutschland von Schwierigkeiten im Euroraum nicht verschont - und so sieht nun auch der IWF das deutsche Wachstum schwinden. Die Regierung in Berlin kommt dennoch nicht schlecht weg.

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huGO-BildID: 24680359 ARCHIV - IWF-Präsidentin Christine Lagarde (l) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verabschieden sich am Donnerstag (06.10.11) nach einer Pressekonferenz in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Dienstag 10.01.2012 mit der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, über die Euro-Schuldenkrise beraten. Bei dem Treffen in Berlin geht es vor allem um die drohende Staatspleite in Griechenland. Foto: Michael Kappeler dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Internationale Währungsfonds sieht die nähere konjunkturelle Zukunft Deutschlands skeptisch. Angesichts der großen Unsicherheit in der Euro-Zone erwarten die Experten aus Washington nach ihrer turnusgemäßen Deutschland-Prüfung ein Mini-Wachstum von gerade mal 0,3 Prozent in diesem Jahr. In den letzten Monaten vor Weihnachten könnte es zwar eine leichte Beschleunigung geben – aber nur, wenn eben die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Euro-Krise und die politischen Entscheidungen nachlasse.
Denn gerade die Nervosität trägt erheblich zur Wachstumsdelle bei. Zwar habe sich der Konsum in Deutschland ganz gut gehalten, aber wegen des schrumpfenden Exports in die Nachbarländer des Kontinents habe die heimische Industrie ihre Investitionen deutlich zurück genommen. Sollte es nicht zu einer Beruhigung der aufgeregten Debatte einerseits und zu einer Konjunkturbelebung an der südlichen Peripherie der EU kommen, „ist zu erwarten, dass das Wachstum für längere Zeit unter seinen Möglichkeiten bleibt“, haben die Ökonomen des IWF festgestellt.

Weniger Wachstum erwartet OECD senkt Deutschland-Prognose ab

Mit der Weltwirtschaft geht es nach Einschätzung von Ökonomen allmählich aufwärts. Großes Sorgenkind bleibt allerdings die Eurozone. Auch die Prognose für Deutschland wurde abgesenkt.

Quelle: dpa

Mit Freude sehen die Wissenschaftler eine etwas lockerere Fiskalpolitik in Deutschland heraufziehen. Das sei möglich, weil der Staat auf Bundesebene alle Vorgaben der Schuldenbremse bereits vor der Zeit erfüllt habe und auch die Maastricht-Kriterien fast alle wieder einhalte. Das sei aber auch nötig, um die Konjunktur anzukurbeln. Auch 2014 erwartet der IWF von Deutschland eine moderate Konsolidierung. In den vergangenen drei Jahren habe die Konsolidierung in der Bundesrepublik die Pläne übertroffen, gestützt auf den robusten Arbeitsmarkt und die Niedrigzinsphase. Nun dürfe Deutschland aber nicht übertreiben, gerade angesichts der schwachen Konjunktur.

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Sorge bereitet den Fachleuten in Washington immer noch der europäische Finanzmarkt. Zwar habe man das Bankensystem stabilisieren können, verwundbar sei es aber nach wie vor. Deutsche Banken könnten sich günstig refinanzieren, allerdings gebe es immer noch Engagements in gefährlichen Sektoren wie Schifffahrt, Internationale Geschäftsimmobilien und riskante Auslandsengagements. Die Kreditnachfrage bleibe erst mal wegen der dümpelnden Konjunktur schwach. Wichtig ist aus IWF-Sicht vor allem, möglichst bald ein einheitliches europäisches Bankensystem zu schaffen.
Generell müsse Deutschland aufgrund seiner Solidität ein „Anker der Stabilität in der Region“ bleiben. Dazu trage vor allem sein Ruf als sicherer Hafen für internationales Kapital bei. Deshalb lobt der IWF auch die andauernde Führungsrolle Deutschlands bei der weiteren Integration innerhalb der Eurozone, insbesondere einer engeren Koordinierung in der Finanz- und Wirtschaftspolitik.

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Mit Blick auf ein mittelfristig stabiles und starkes Wachstum lobt der Währungsfonds die Aktivitäten, mit der die Bundesregierung in den vergangenen Jahren das Wachstumspotential stärken wollte. So sei die Anwerbung von qualifizierten Zuwanderern ebenso zu begrüßen wie steuerliche Förderung und der Ausbau der Tagesbetreuung. Eine weitere Verstärkung dieser Bemühungen, verbunden mit einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei vielversprechend. Produktivität und Wachstum könnten auch durch den Auf- und Ausbau kontinentaler Netze von Bahngleisen bis Stromtrassen gestärkt werden. Für die mittelfristige Finanzpolitik mahnt der IWF das Gegenteil seiner kurzfristigen Empfehlungen an: Angesichts der demographischen Entwicklung müsse Deutschland die Effizienz seiner staatlichen Ausgaben steigern.

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