Währung: EZB-Äußerungen beflügeln den Euro

Währung: EZB-Äußerungen beflügeln den Euro

Der Höhenflug des Euro nimmt kein Ende. In der vergangenen Woche knackte die Gemeinschaftswährung zum ersten Mal seit ihrer Einführung im Jahr 1999 die Marke von 1,60 Dollar.

Auch im Vergleich zum britischen Pfund erreichte der Euro neue Rekorde. Der sogenannte reale effektive Wechselkurs, der die Entwicklung des Euro zu allen wichtigen Handelspartnerwährungen und die unterschiedlichen Inflationsraten widerspiegelt, lag im März um elf Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Auslöser für den jüngsten Kurssprung: Bundesbankpräsident Axel Weber und andere Mitglieder des geldpolitischen Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten sich besorgt über die hohe Inflation geäußert – und angedeutet, die Zentralbank könne sich gezwungen sehen, die Zinsen zu erhöhen. Tatsächlich betrug die Inflationsrate im März 3,6 Prozent, deutlich mehr als die von der EZB angepeilten knapp zwei Prozent.

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Verstärkt werden die Inflationssorgen der EZB noch durch den gewaltigen Anstieg des Ölpreises. So wurde ein Barrel Rohöl in der vergangenen Woche in den USA mit fast 120 Dollar gehandelt – auch dies war ein neuer Rekord. Zwar halten die meisten Experten die Äußerungen der EZB-Offiziellen für reine Rhetorik. Die Erwartung von bald sinkenden Leitzinsen ist aber erst mal vom Tisch. Bisher gingen Beobachter davon aus, dass die EZB schon im Sommer die Zinsen senken würde – jetzt rechnen sie frühestens gegen Ende des Jahres damit. Bis dahin bleibt es wohl beim aktuellen Leitzins von 4,0 Prozent.

Ganz anders dagegen die amerikanische Notenbank Fed: Im Kampf gegen eine drohende Rezession hat sie den Leitzins seit September vergangenen Jahres schon um ganze drei Prozentpunkte gesenkt. Bei der Sitzung in dieser Woche dürfte mindestens ein weiterer viertel Punkt folgen – und für Mitte des Jahres prognostizieren Experten einen Leitzins von nur noch 1,5 Prozent. Die wachsende Zinsdifferenz macht Euroland für Anleger im Vergleich zu Amerika attraktiver, was die Nachfrage nach dem Euro erhöht und den Wechselkurs weiter in die Höhe treibt. Daher dürfte die Euro-Hausse denn auch noch eine Weile weitergehen. Die Ökonomen von Global Insight etwa rechnen bis zum dritten Quartal mit einem weiteren Anstieg des Wechselkurses auf 1,65 Dollar.

Dann wird die Luft aber dünner für den Euro. Denn im weiteren Verlauf des Jahres dürfte die weltweite Konjunkturabkühlung auch die Wirtschaft in Euroland in Mitleidenschaft ziehen. Die schwächere Nachfrage würde den Inflationsdruck eindämmen, eine Zinssenkung der EZB würde wieder möglich. Dass ein Euro bald zwei Dollar kostet, damit ist deshalb vorerst nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Die meisten Experten rechnen damit, dass sich der Wechselkurs bis zum Ende des Jahres bei 1,40 bis 1,50 Dollar einpendelt.

USA: Häuserpreise sinken weiter

In Amerika setzt sich derweil der Abschwung am Immobilienmarkt fort. Zwar legte der Hauspreisindex der Bundesaufsicht für Häuserbau (Ofheo) im Februar leicht zum Vormonat zu. Gegenüber dem Vorjahr gab es aber ein sattes Minus von 2,4 Prozent (siehe Grafik). Auch die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter wie Maschinen oder Autos setzten ihren Abwärtstrend fort und gingen im März saisonbereinigt um 0,3 Prozent zurück.

Diesseits des Atlantiks zeigt sich nun auch immer deutlicher, dass sich die Konjunktur nicht von den USA abkoppeln kann. So stieg zwar der Auftragseingang in den Euro-Ländern im Februar überraschend um 0,6 Prozent an (siehe Grafik). Im gesamten ersten Quartal dürfte aber trotzdem nur ein winziges Orderplus herauskommen. Wie es tatsächlich um die Aussichten für die Industrie bestellt ist, sieht man besser am Einkaufsmanagerindex.

Der gab im April um 1,2 auf 50,8 Punkte nach – das ist der niedrigste Wert seit drei Jahren (siehe Grafik). Damit liegt der Index nur noch knapp oberhalb der Schwelle von 50 Punkten, jenseits der mit einer Expansion der Industrie zu rechnen ist. Besorgniserregend ist vor allem, dass die befragten Einkaufsprofis ausgerechnet den Auftragseingang deutlich schlechter bewerteten als im Vormonat. Der entsprechende Teilindex sackte um 2,3 auf 48,6 Punkte ab – die Unternehmen haben also mit rückläufigen Bestellungen zu kämpfen.

Auch die Aussichten im Dienstleistungssektor spenden wenig Trost. Zwar legte der Einkaufsmanagerindex dort leicht um 0,2 auf 51,8 Punkte zu. Sieht man aber genau hin, geht dies ausschließlich auf die Stimmungsaufhellung in Deutschland zurück, während die Befragten in vielen anderen Ländern, vor allem in Frankreich, eher schwarz sehen. Hinzu kommt: Letztlich hängt auch der Servicesektor, der zum großen Teil aus unternehmensnahen Dienstleistungen besteht, am Tropf der Industrie – und wird irgendwann ebenfalls unter deren Schwäche leiden.

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