Währungskrieg: Mit dem Dollar gegen den Rest der Welt

Währungskrieg: Mit dem Dollar gegen den Rest der Welt

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Ben Bernanke

Der angekündigte Ankauf von US-Staatsanleihen durch die amerikanische Notenbank verschärft den internationalen Währungsstreit. Die Schwellenländer rüsten zum Gegenangriff – und die Gefahr neuer Blasen an den Anlagemärkten steigt.

Ungünstiger hätte der Zeitpunkt kaum sein können: Gut eine Woche vor dem Gipfel der G20-Staaten in Seoul dreht die US-Notenbank Fed noch einmal kräftig den Geldhahn auf. 600 Milliarden Dollar will sie in den nächsten Monaten über den Ankauf nationaler Staatsanleihen in die Märkte pumpen.

Das wird den Dollar weiter schwächen, doch Fed-Chef Ben Bernanke nimmt dies in Kauf. Seine Sorge gilt der Arbeitslosigkeit, die mit knapp zehn Prozent in den USA weitaus höher ist, als die Amerikaner zu akzeptieren bereit sind. Die G20, Asien, Südamerika und Europa – all das ist für Bernanke weit weg.

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Denn seit die Republikaner vergangenen Dienstag die Mehrheit im Repräsentantenhaus errungen haben, ist US-Präsident Barack Obama der Weg verbaut, der lahmen US-Konjunktur mit neuen Finanzspritzen auf die Beine zu helfen. Die Notenbank soll es richten.

Dollar Euro

Dollar Euro

Entsprechend missmutig fielen die Reaktionen rund um den Globus aus. Der chinesische Zentralbankberater Xia Bin erklärte, solange sich die USA nicht bei der Dollar-Ausgabe zurückhielten, sei eine neue Krise unvermeidlich. Brasiliens Außenhandelsstaatssekretär Welber Barral schimpfte, die Fed bestrafe mit ihrer Politik die Nachbarländer und provoziere Vergeltungsmaßnahmen.

In Südkorea, das derzeit den Vorsitz der G20 innehat, erklärte das Finanzministerium, „aggressiv“ über Gegenmaßnahmen nachzudenken. Und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zeigte sich skeptisch, ob die Fed-Strategie denn überhaupt aufgehen werde, weil Liquidität nicht gleichbedeutend mit Konsum sei.

Selbst der Internationale Währungsfonds forderte die USA auf, endlich eine „glaubhafte Strategie zum Abbau der Schulden“ vorzulegen.

Zwar kam der Schritt der Fed nicht überraschend. Doch das nimmt ihm nichts von seiner Brisanz. Der Dollar sackte nach der Entscheidung auf ein Neun-Monats-Tief zum Euro ab, die Aktienmärkte zogen weltweit an. Weltweit steigt der Druck, sich gegen den schwachen Dollar zu stemmen.

Bilanzsumme

Bilanzsumme

Länder wie Brasilien oder die asiatischen Tiger ächzen seit Monaten unter der Aufwertung ihrer Währungen, die ihnen die Exportaussichten verhageln und immer neue Kapitalzuflüsse bescheren. China, das den Yuan an den Dollar gebunden hat, muss den Kurs durch Dollar-Käufe stabilisieren und häuft monströse Berge an Devisenreserven an. Andere Schwellenländer ziehen nach (siehe Grafik).

Harte Realität

Mit all dem werden sich die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Staaten (G20) nun auf ihrem Gipfel am 11. November in Seoul konfrontiert sehen.

Ihre Finanzminister hatten sich beim Vorbereitungstreffen im Oktober noch darum bemüht, den Streit um die Wechselkurse zu dämpfen. Man zeigte Einigkeit, die weltweiten Ungleichgewichte reduzieren zu wollen. Man lobte wechselseitig den Willen zur Kooperation und fand nette Worte zur Ächtung des Protektionismus. Allen ist klar: Das verhängnisvolle Auf und Ab der Wechselkurse ist nicht die Ursache, sondern nur ein Symptom der Krankheit, an der die Weltwirtschaft schon lange leidet.

Es sind die globalen Ungleichgewichte zwischen den Handelsblöcken, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben und die sich in den Jahren vor der Finanzkrise noch einmal verschärften. Auf der einen Seite stehen Defizitländer wie die USA, die deutlich mehr konsumieren als sparen und sich daher stark verschulden.

Auf der anderen Seite stehen Volkswirtschaften wie Japan, Deutschland und China deren Exportwirtschaften hohe Handelsüberschüsse einbringen. Will man also den Währungsstreit beenden, muss man die globalen Ungleichgewichte angehen. So weit die guten Vorsätze – doch zu Hause wurden die Finanzminister schnell von der harten Realität eingeholt.

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