Währungspolitik: Wie China den Yuan zur Leitwährung machen will

Währungspolitik: Wie China den Yuan zur Leitwährung machen will

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Der Dollar in Bedrängnis. China arbeitet weiter daran den Yuan als Leitwährung zu etablieren.

von Philipp Mattheis

China macht den nächsten Schritt, um den Dollar als Leitwährung abzulösen. Noch ist es dahin ein weiter Weg, doch Peking folgt einem klaren Plan.

Es ist ein großer Plan, den Chinas Regierung hat: In den nächsten Jahren soll der chinesische Yuan den US-Dollar als Leitwährung ablösen. Am vergangenen Mittwoch sind die Parteistrategen ihrem Ziel einen kleinen Schritt näher gekommen: Li Bo, Chef der Geldpolitikabteilung der Zentralbank gab bekannt, in den nächsten ein bis zwei Jahren das "China International Payment System" aufzubauen. Die Plattform soll den internationalen Handel des Yuan gewährleisten. "Das neue System wird die Konvertierbarkeit der Währung stärken und die Nutzung des Yuan als Handelswährung erhöhen", sagte Li.
Peking finanziert die US-Wirtschaft

Noch klingt es schwer vorstellbar: Firmen, die ihre Geschäfte genauso selbstverständlich in Yuan abrechnen wie heute in US-Dollar, verunsicherte Anleger, die bei der nächsten Krise des Westens in den Yuan flüchten, oder Menschen in deutschen Fußgängerzonen, die aus dem Stand den aktuellen Euro-Kurs in Yuan benennen können - aber genau das soll, wenn es nach den Plänen Chinas geht, Realität werden. Und so abwegig ist der Plan nicht: Experten gehen davon aus, dass die chinesische Wirtschaft in den nächsten 20 bis 40 Jahren die amerikanische überholen wird. Hinzu kommt: Washington schuldet Peking über eine Billon Dollar - die meisten in Form von Staatsanleihen, die die Chinesen über die letzten zwei Jahrzehnte gekauft haben, und so den amerikanischen Boom mitfinanzierten. Das gibt China mehr Handlungsfreiheit und verringert die der USA.

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Für viele Staaten, insbesondere Schwellenländer, ist China längst der wichtigste Handelspartner geworden. Könnten diese ihre Geschäfte direkt in Yuan abwickeln, und den Umweg über den Dollar vermeiden, wären sie auch sicherer vor Währungsschwankungen. Der Yuan als Leitwährung könnte also in nicht allzu ferner Zukunft durchaus der wirtschaftlichen Realität entsprechen. Und er brächte für Peking einen Zuwachs an politischer Macht - und gleichzeitig einen Kontrollverlust.

Chinas Dilemma

Denn die chinesische Regierung steckt in einem Dilemma: Zwar ist China in kurzer Zeit zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen - doch seine Währung der chinesische Yuan (oder "Renminbi") ist nicht frei handelbar. Die Regierung lässt den Renminbi nur in einer kleinen Spanne "floaten", weshalb sie gewaltige Devisen (derzeit über drei Billionen US-Dollar) anhäufen muss, um den Kurs stabil zu halten. Das schützt den Yuan vor einer Aufwertung, den besonders die USA immer wieder fordern. Durch eine Aufwertung würden sich chinesische Produkte im Ausland verteuern, was wiederum zu einer Abschwächung des Wachstums führen würde. Nichts aber fürchtet die Regierung mehr als eine schwächelnde Wirtschaft. Denn dann platzt der seit 1989 geltende inoffizielle Deal mit dem eigenen Volk: Wohlstand, aber dafür keine politische Partizipation. Nicht zu letzt deswegen kann die Regierung die Kontrolle über den Wechselkurs nicht dem Markt überlassen.

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