Währungssystem: Die wilden Siebziger der freien Wechselkurse

Währungssystem: Die wilden Siebziger der freien Wechselkurse

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Anfang der 70er Jahre brach das Währungssystem von Bretton Woods zusammen. Es begann ein Ära der freien Wechselkurse - mit all ihren Chancen und Gefahren

von Hans Jakob Ginsburg und Elke Pickartz

Vor fast 40 Jahren brach das Währungssystem von Bretton Woods zusammen. Eine Ära freier Wechselkurse beflügelt die Weltwirtschaft – führt aber auch zu immer neuen Krisen.

Es war am 15. August 1971. Ein Sonntagabend in der US-Hauptstadt Washington. Mit brüchiger Stimme verkündete Präsident Richard Nixon vor der Presse das Ende der Selbstverpflichtung der USA, Dollar in jeder Menge zu einem festen Kurs gegen Gold zu tauschen.

Das war der Anfang vom Ende des Währungssystems von Bretton Woods, unter dessen Regime die Weltwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg einen beispiellosen Aufschwung erlebt hat. Anker des Währungssystems war der mit Gold gedeckte Dollar, die Währungen aller anderen wichtigen Westländer waren mit einem Festkurs an ihn gekoppelt. Doch die verordnete Ruhe an der Währungsfront trog. Anleger besorgte die Schwäche der USA und spekulierten gegen den Dollar. Im Frühjahr 1973 brach das Festkurssystem unter den Eindruck gewaltiger Spekulationswellen endgültig zusammen.

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Ungeahnte Dynamik

„Leitwährung gesucht“ kommentierte damals eine Karikatur der WirtschaftsWoche: Bundeskanzler Willy Brandt, der französische Präsident Georges Pompidou und der britische Premierminister Edward Heath irrten wie Blinde mit Wünschelruten durch wüst herumliegende Haufen von Geldscheinen herum.

Die Folgen des Zusammenbruchs von Bretton Woods prägen die Weltwirtschaft bis heute. Vom starren Korsett des Festkurssystems befreit, entwickelte die Weltwirtschaft einerseits eine ungeahnte Dynamik. Weltweit begann eine Ära der Liberalisierung. Freier Kapitalverkehr, der Abbau von Zöllen und die Deregulierung von Märkten gaben der Globalisierung neuen Schwung. Doch auf der anderen Seite stiegen mit der Freiheit auch die Risiken. Unsicherheiten, Spekulation und Währungskrisen stürzten die Wirtschaft rund um den Globus immer wieder in Turbulenzen, vernichteten Vermögen und zerstörten nicht selten den hart erarbeiteten Wohlstand ganzer Nationen.

Auch heute, unter dem Eindruck anhaltender Handels-Ungleichgewichte und infolge der Finanzkrise, stellen nicht wenige das herrschende Währungssystem zur Disposition. Der Stern des Dollar als internationale Leitwährung leuchtet immer schwächer. China, die aufstrebende Supermacht, will eine neue Weltleitwährung durchsetzen. Der Euro, zu dem es ohne die währungspolitischen Verwerfungen seit 1971 vielleicht nie gekommen wäre, steckt in der größten Krise seiner jungen Existenz. Weltweit diskutieren Ökonomen und Politiker neue Kapital- und Devisenmarktkontrollen, sogar eine Rückkehr zu den alten Regulierungsideen von Bretton Woods. Vor allem der französische Präsident Nicolas Sarkozy macht sich zum Wortführer dieser Debatte. Schwingt das Pendel nun zurück?

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