Warum eigentlich...: ...gibt es Inflation – und warum steigen die Preise auch im konjunkturellen Abschwung weiter?

Warum eigentlich...: ...gibt es Inflation – und warum steigen die Preise auch im konjunkturellen Abschwung weiter?

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Warum geht die Inflation im Abschwung nicht zurück?

Es gibt nur wenige Worte, die die Angelsachsen aus dem Deutschen übernommen haben. Eines davon ist „Angst“. Das hat seinen Grund. Glaubt man Umfragen, dann haben die Deutschen vor besonders vielen Dingen Angst – vor Arbeitslosigkeit, vor dem Klimawandel, vor der Globalisierung. 

In den vergangenen Monaten ist die Palette um eine Variante reicher geworden: die Angst vor Inflation. Mehr als 70 Prozent der Bundesbürger sorgen sich, dass ihr Geld in Zukunft wegen steigender Preise nicht mehr zum Leben ausreicht. 53 Prozent der Deutschen sehen im Euro die Ursache Nummer eins für die Preisexplosion. Rund ein Drittel will ihn wieder durch die gute alte D-Mark ersetzen.

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Zwar sank die Inflationsrate im April auf 2,4 Prozent von 3,1 Prozent im März. Doch das war in erster Linie eine Folge des saisonalen Preisrückgangs für Pauschalreisen. Bereits im Mai dürfte die Inflation wieder in Richtung drei Prozent klettern.

Die Ökonomen unterscheiden zwei Arten von Inflation

Dass die Preise so kräftig in die Höhe schießen, hatte vor einem Jahr noch kein Experte vorausgesagt. Im Gegenteil. Nach der harten Anti-Inflationspolitik der Notenbanken in den Achtzigerjahren galt die Inflation in den meisten westlichen Ländern als ausgerottet. Als die New-Economy-Blase platzte, kam sogar die Furcht auf, die Wirtschaft könnte in die Deflation stürzen, eine lange Phase mit sinkendem Preisniveau.

Grundsätzlich unterscheiden Ökonomen zwei Arten von Inflation: die Nachfragesog- und die Kostendruckinflation. Eine Nachfragesoginflation entsteht, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stärker wächst als die Produktionsmöglichkeiten der Volkswirtschaft. In diesem Fall steigen die Preise und bringen die Gesamtnachfrage und das Gesamtangebot wieder ins Gleichgewicht. Da die Nachfrageexpansion meist mit steigender Beschäftigung einhergeht, legen auch die Löhne kräftig zu, was den inflationären Effekt noch verstärkt.

Auslöser für eine Nachfragesog-inflation kann zum Beispiel sein, dass die Zentralbank der Wirtschaft zu viel Geld zur Verfügung stellt. Die Geldmenge wächst dann stärker als es zur Finanzierung der steigenden Produktionsmöglichkeiten und zum Ausgleich der sich ändernden Geldnachfrage erforderlich ist. Das überschüssige Geld kurbelt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen an und treibt deren Preise in die Höhe.

Im Gegensatz dazu beruht die Kostendruckinflation darauf, dass wichtige Kostenfaktoren für die Unternehmen wie Löhne, Energie-, Nahrungsmittel- oder Importpreise steigen. Das zwingt die Betriebe dazu, ihre Absatzpreise ebenfalls zu erhöhen. So wird der Bäcker, der beim Großhandel mehr für sein Mehl zahlen muss, auch seine Brötchenpreise anheben.

Allerdings gelingt den Unternehmen das nur, wenn die Zentralbank dafür die notwendige Geldversorgung bereitstellt. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman folgerte daraus, dass Inflation letztlich „immer und überall ein monetäres Phänomen ist“.

Seit Mitte der Neunzigerjahre ist die Kostendruckinflation auf dem Rückzug. Die kräftigen Produktivitätszuwächse durch die Verbreitung von Internet und Computer ließen die Lohnstückkosten sinken, und der scharfe Wettbewerb der Globalisierung drückte auf die Güterpreise. Doch nun laufen diese preisdämpfenden Effekte aus. Die Produktivitätszuwächse durch IT-Investitionen werden kleiner, und die Löhne der Arbeitnehmer steigen wieder kräftiger.

Die derzeitige Preisexplosion bei Energie und Nahrungsmitteln trägt ebenfalls zur Renaissance der Kostendruckinflation bei. So schätzt der Internationale Währungsfonds, dass der weltweite Durchschnittspreis für Nahrungsmittel 2008 um rund 50 Prozent höher liegen wird als 2005. Schon jetzt geht in Deutschland mehr als die Hälfte der Inflation auf das Konto höherer Nahrungsmittel- und Energiepreise.

Die Währungshüter können nur eine inflationäre Lohn-Preis-Spirale verhindern

An diesem Trend dürfte sich vorerst nichts ändern. Für die Notenbanken ist das keine gute Nachricht. Anders als bei einer Nachfragesoginflation, die sie mit höheren Zinsen bekämpfen können, sind die Währungshüter gegen weltweit steigende Kosten für Energie und Nahrungsmittel machtlos. Sie können lediglich eine inflationäre Lohn-Preis-Spirale verhindern. Dazu müssen sie das Wachstum der Geldmenge, das in den vergangenen Jahren kräftig in die Höhe geschossen ist und in Euroland deutlich über dem Referenzwert von 4,5 Prozent liegt, unter Kontrolle bringen.

Einen Verbündeten haben die Inflationswächter allerdings – den starken Euro. Der verbilligt die Importe und sorgt dafür, dass Sprit und Heizöl nicht gänzlich unbezahlbar werden.

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