Weblog Boom and Bust: Das Restpulver trocken halten

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Kolumne

Die Europäische Zentralbank setzt im internationalen Zinssenkungswettlauf eine Runde aus. Das ist gut so.

Die globale Rezession hält die Zentralbanken weltweit auf Trab. In der vergangenen Woche senkte die Bank of England den Leitzins auf der Insel um 50 Basispunkte auf den tiefsten Stand seit 314 Jahren. Wenige Tage zuvor hatten bereits die Kollegen aus Norwegen, Tschechien, Australien und Polen an der Zinsschraube gedreht. Die Europäische Zentralbank (EZB) aber verweigerte sich: Auf ihrer Sitzung am Donnerstag beließ sie die Leitzinsen in der Euro-Zone bei 2,0 Prozent.

Trotz der ständig neuen Katastrophenmeldungen aus der Wirtschaft hat diese Nachricht gutgetan. Die Währungshüter, die seit Oktober die Leitzinsen bereits um 2,25 Punkte heruntergefahren haben, verordnen sich eine geldpolitische Verschnaufpause. Dies hält ihnen alle Optionen offen und verhindert – vorerst – riskante monetäre Experimente in der Euro-Zone, zu denen sich andere Zentralbanken mittlerweile gezwungen sehen. In Japan, wo der Leitzins nur knapp über der Nulllinie liegt, will die Notenbank mangels anderer Steuerungsmöglichkeiten den Banken für umgerechnet 8,7 Milliarden Euro Unternehmensaktien abkaufen – und bringt sich als Aktionär in einen Interessenkonflikt zwischen Geld-und Unternehmenspolitik.

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In den USA hat die Notenbank die Zinsen ebenfalls nahe null gedrückt – und pumpt nun Liquidität in den Markt, indem sie unter anderem Schuldverschreibungen von Unternehmen ankauft. Ökonomen nennen das „quantitative Lockerung“. Anders ausgedrückt: Die Fed wirft die Notenpresse an.

Zwar gehen Beobachter davon aus, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung am 5. März die Leitzinsen doch noch mal ein Stück nach unten schleust. Doch die Ein-Prozent-Marke könnte sich als psychologische Schwelle erweisen, die die Währungshüter nicht unterschreiten wollen. Die Ablehnung einer Nullzinspolitik hat dabei auch institutionelle Gründe: Würde die EZB etwa dazu übergehen, Staatsanleihen zu kaufen, dürfte ein Hauen und Stechen der Euroland-Staaten um die Gunst der Zentralbank beginnen.

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