Weblog Boom and Bust: Weniger Staat, mehr Wettbewerb

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Die Konzentrationsrate in der deutschen Wirtschaft steigt deutlich an

Kolumne

Die Monopolkommission warnt vor zunehmender Marktmacht in Deutschland. Wir sollten die Warnung ernst nehmen – und unsere wettbewerbsfeindliche Haltung aufgeben.

Alle zwei Jahre veröffentlicht die Monopolkommission ihr sogenanntes Hauptgutachten. Darin analysiert das fünfköpfige Gremium, gemäß seinem gesetzlichen Auftrag, die Entwicklung der Unternehmenskonzentration in Deutschland. Gerade ist Hauptgutachten Nummer 17 erschienen, und es sollte uns zu denken geben. Denn das Werk zeigt, dass es um die Intensität des Wettbewerbs in Deutschland noch lange nicht zum Besten bestellt ist. Im Gegenteil: Die Konzentration der deutschen Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren insgesamt kräftig zugenommen (siehe Grafik).

Zugegeben, diese Klumpenbildung ist nicht ganz einfach zu interpretieren, weil der Zusammenhang zwischen Marktkonzentration und Wettbewerbsintensität nicht immer eindeutig ist. Manchmal herrscht auf Märkten mit sehr wenigen Anbietern intensiver Wettbewerb, wie zum Beispiel in der Telekommunikation. Trotzdem: In der Tendenz bedeutet die Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Konzentration, dass die Macht großer Unternehmen zunimmt – und damit die Ohnmacht der Verbraucher, die oft keine Möglichkeit haben, sich gegen ständig steigende Preise zur Wehr zu setzen. Wie zum Beispiel in der Energiebranche, wo die Strom- und Gaspreise gerade wieder kräftig in die Höhe schießen.

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Grundhaltung in Deutschland ist eher wettbewerbsfeindlich

Trotzdem ist die Grundhaltung der Deutschen eher wettbewerbsfeindlich, und die Politiker bedienen diese Stimmung bereitwillig. Als Selbstständige und Arbeitnehmer spüren die Menschen eben auch den Wettbewerbsdruck, der durch die Globalisierung zugenommen hat. Das wirft die Frage auf, woran wir uns orientieren sollten: an unserem Interesse als Konsumenten an niedrigeren Preisen, oder an unserem Wunsch, als Produzenten und Arbeitnehmer weniger Wettbewerbsdruck aushalten zu müssen?

Die Antwort findet sich schon beim guten alten Immanuel Kant, dessen kategorischer Imperativ uns das empfiehlt, was „als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könne“. Der verständliche Wunsch der Unternehmen, vor unliebsamer Konkurrenz geschützt zu werden, taugt herzlich wenig als ein solches Prinzip; der Wettbewerb sehr wohl. Deshalb hat die Monopolkommission recht, wenn sie im Titel des Gutachtens fordert: „Weniger Staat, mehr Wettbewerb.“

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