Wechselkurse: Mr. Inflation und der weiche Dollar

Wechselkurse: Mr. Inflation und der weiche Dollar

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Fed-Chef Bernanke: Ankäufe von US-Staatspapieren sollen die Preise und Umsätze an den Märkten stabil halten

von Alexander Busch, Matthias Kamp, Malte Fischer und Elke Pickartz

Mit seiner lockeren Geldpolitik schickt US-Notenbankchef Bernanke den Dollar auf Talfahrt. Damit provoziert er einen internationalen Abwertungswettlauf, neuen Protektionismus - und eine weltweit steigende Inflation.

Es war ein Akt der Verzweiflung. Als Japans Notenbankchef Masaaki Shirakawa am vergangenen Dienstag vor die Presse trat und erklärte, die Notenbank werde den Leitzins von 0,1 auf 0 bis 0,1 Prozent senken und zusätzliches Geld in die Wirtschaft pumpen, zeigten sich die Märkte zunächst überrascht. Der Dollar kletterte auf 84 Yen. Doch bis zum Abend gab der Wechselkurs wieder auf 83,22 Yen nach – und beendete den Handelstag auf dem gleichen Niveau wie am Vortag.

Zu mikroskopisch klein war die Zinssenkung, zu mickrig die zusätzliche Liquiditätsspritze, als dass sie den Höhenflug der japanischen Währung hätten beenden können. Seit der Yen gegenüber dem Dollar im Mai auf Kletterpartie gegangen ist, liegen die Nerven in Tokio blank. Denn ein starker Yen verteuert die Waren der exportorientierten japanischen Wirtschaft und drückt die Importpreise nach unten. Das wiederum verschärft die Deflation, unter der Japan seit Jahren leidet.

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Schon Mitte September hatte die Bank von Japan daher versucht, den Yen zu schwächen. Zum ersten Mal seit 2004 intervenierte sie wieder am Devisenmarkt und warf für umgerechnet 25 Milliarden Dollar Yen auf den Markt. Doch der Erfolg blieb aus.

Nicht nur der Yen, auch der Euro, das britische Pfund, der Schweizer Franken und viele Schwellenländer-Währungen stehen derzeit unter massivem Aufwertungsdruck. Grund: Die US-Notenbank Fed schickt sich an, die Notenpresse wieder anzuwerfen. Das lässt das Vertrauen in den Greenback erodieren, eine Fluchtbewegung aus dem Dollar hat eingesetzt. Aus Angst, die Stärke der eigenen Währung könnte die Exporte abwürgen und den Aufschwung gefährden, stemmen sich Regierungen und Notenbanken rund um den Globus gegen den Aufwertungsdruck. Dabei ist sich jeder selbst der Nächste.

Wechselkurse wichtiger Währungen

Wechselkurse wichtiger Währungen

Brasiliens Finanzminister Guido Mantega und der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, warnen daher bereits vor einem „Währungskrieg“. Gelingt es nicht, die Währungsverzerrungen durch ein koordiniertes Vorgehen der Regierungen zu korrigieren, drohe zusätzlich ein „Handelskrieg“, fürchtet Mantega.

Steht die Weltwirtschaft also nach Bankenkrise, Rezession und Schuldendesaster jetzt vor einer Währungskrise? Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Wettrennen um Marktanteile die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds führt. 1931, zwei Jahre nach Ausbruch der Großen Depression, hatte Großbritannien die Goldbindung des Pfund gelöst. Bis 1933 verlor die britische Währung rund ein Drittel ihres Wertes. Im Frühjahr 1933 trennten die USA auch den Dollar vom Gold, der daraufhin um 40 Prozent abwertete. Noch stärker, um 57 Prozent, verbilligte sich Japans Währung. Doch anders als erhofft gab es nur Verlierer des Wettrennens. Der Welthandel kollabierte, Wachstum und Wohlstand gingen zurück.

Damit so etwas nicht noch einmal passiert, versprachen die Regierungschefs nach dem Schock der Lehman-Pleite Ende 2008, die Grenzen für den Warenhandel geöffnet zu halten und auf Abwertungen zu verzichten. Allein, die guten Vorsätze hielten der politischen Praxis nicht stand.

US-Wirtschaft schwächelt

Nachdem sich die Wirtschaft in den USA im Winterhalbjahr 2009/10 zunächst ordentlich erholt hatte, geht ihr seit dem Frühjahr schon wieder die Puste aus. Das Bruttoinlandsprodukt nahm im zweiten Quartal annualisiert nur noch um schlappe 1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Die Betriebe schaffen kaum neue Jobs.

Das nährt die Sorge, die US-Wirtschaft könne wie weiland Japan in die Deflation rutschen. Für Fed-Chef Ben Bernanke wäre das der GAU. Komme die Wirtschaft nicht schnell in Schwung, müsse die Fed erneut Staatsanleihen ankaufen und Zentralbankgeld ins Bankensystem pumpen, argumentiert Bernanke. Experten rechnen damit, dass die Fed für bis zu 1000 Milliarden Dollar Staatspapiere ankaufen könnte. Die Bilanzsumme der Fed würde so um mehr als 40 Prozent steigen. Fraglich ist jedoch, ob das der Konjunktur tatsächlich hilft.

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