Weltbank: Ein Kandidat für die Tradition

Weltbank: Ein Kandidat für die Tradition

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Der US-Kandidat Jim Yong Kim. „Ich glaube, er ist eine exzellente Wahl“, sagt die Außenministerin Hillary Clinton über ihn.

Quelle:dpa

Der US-Präsident Obama will Jim Yong Kim als neuen Weltbankchef - und nach alter Tradition ist sein Wunsch Befehl. Doch erstmals gibt es heftigen Widerstand gegen den US-Kandidaten.

Für jemanden, der den Job scheinbar sicher hat, muss sich Jim Yong Kim ganz schön hart anstrengen. Acht Länder in 13 Tagen bereiste der US-Kandidat für die Weltbank-Präsidentschaft, um Regierungschefs und Finanzminister rund um den Globus von sich zu überzeugen. Vielleicht bereits an diesem Montag wählen in Washington die 25 Mitglieder des Exekutivgremiums der Entwicklungshilfe-Gruppe den Nachfolger des scheidenden Robert Zoellick. Der Amerikaner Kim ist klarer Favorit - schließlich bekommen die Europäer dafür den Vorsitz beim Internationalen Währungsfonds.

So will es die Tradition. Doch diesmal könnte alles anders kommen. Immer weniger Staaten akzeptieren die sechs Jahrzehnte alten Absprachen, nach denen die USA und Europa die weltweit einflussreichen Finanzeinrichtungen wie nach Gutsherrenart unter sich aufteilen. Aufstrebende Länder haben die Praxis ebenso satt wie die ärmsten Staaten, die ihren Bedürfnissen mehr Gehör verschaffen wollen. „Der Weltbank-Job soll nur nach Fähigkeiten allein vergeben werden“, kommentierte die „New York Times“ jüngst. Der US-Pass genüge nicht mehr als Auswahlkriterium für Weltbankchefs.

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Die Kritik richtet sich nicht gegen Kim als Person. Zwar gab es Verwunderung über die Entscheidung von US-Präsident Barack Obama, einen Medizin-Professor statt eines Finanzexperten für die Spitze der Bank zu nominieren. Aber viele halten den Ansatz auch für originell. „Der Leiter der Weltbank sollte ein umfassendes Verständnis über die Rolle der Entwicklungshilfe in der Welt haben“, meinte Obama. Der Lebenslauf des gebürtigen Südkoreaners stützt diesen Anspruch: Er ist Gründer einer humanitären Einrichtung, die sich für die medizinische Behandlung von Armen in der Welt einsetzt. Zudem war Kim mal Direktor der Aids- und HIV-Abteilung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO. Was vielen sauer aufstößt ist vielmehr, dass Kims Mitbewerber von Anfang kaum Chancen zugeschrieben wurden. Erstmals in der Geschichte der Weltbank gibt es nämlich nicht nur den einen US-Kandidaten.

Der kolumbianische Kandidat hat das Tuch geworfen

Auch die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala ist im Rennen - und auch der frühere kolumbianische Finanzminister José Antonio Ocampo hatte um Stimmen gekämpft. Er gab entmutigt auf, aber Okonjo-Iweala insistiert weiter, am besten auf den Job zu passen. „Ich weiß, was es bedeutet, zum Strom zu laufen, um Wasser zu holen. Was es bedeutet, wenn Menschen arm sind und nicht genügend zum Essen haben“, sagte die 57-Jährige mit den Abschlüssen der Elite-Unis Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology bei einer ihrer Vorstellungsrunden. Nicht zuletzt kennt die Afrikanerin die Weltbank nach Jahren in hohen Positionen in- und auswendig. Sie gilt als die „perfekte Insiderin“, meint die „Washington Post“.

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„Sie würde Dinge von Anfang an zum Laufen bringen“, schrieben Dutzende Ex-Manager der Weltbank in einem offenen Brief und forderten ihre Wahl. Doch für eine Revolution an bei der Besetzung des Chefsessels scheint die Zeit noch nicht gekommen. Nicht nur halten die USA und Europa die klare Mehrheit der Weltbank-Anteile - und damit der Stimmen. Auch deuten andere Länder ihre Unterstützung für Kim an. Er „ist ein Profi von internationalem Format, der mit der praktischen Arbeit vertraut ist und Führungsposten in großen internationalen Organisationen innehatte“, sagte der russische Finanzminister Anton Siluanow.

Ähnlich sehen das Schwellenländer wie Brasilien und Indien. Um nicht dennoch eine Pleite zu erleben, gehen die USA bei der Werbung für ihren Kandidaten Kim auf Nummer sicher. Am Donnerstag nutzte Außenministerin Hillary Clinton das Treffen mit ihren Kollegen der großen Industrienationen und Russland (G8), um den 52-Jährigen noch einmal aufs Schild zu heben. „Ich glaube, er ist eine exzellente Wahl“, schärfte sie den anderen Chefdiplomaten ein.

Quelle:  dpa
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