Weltwirtschaft: Am Sparen führt kein Weg vorbei

Weltwirtschaft: Am Sparen führt kein Weg vorbei

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Straßenbau

von Malte Fischer

Die wachsenden Spannungen an den Finanzmärkten und die Sparprogramme der Regierungen schüren Ängste vor einem Rückfall der Weltwirtschaft in die Rezession. Wie berechtigt sind die Sorgen?

Schlechte Nachrichten ist Giorgos Papandreou gewohnt. Doch als am vergangenen Montag die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit Griechenlands gleich um vier Stufen von „A3“ auf „Ba1“ zurückstufte und den Bonds des Mittelmeerstaates damit den Status von Ramschanleihen bescheinigte, kochte der griechische Ministerpräsident vor Wut. Die Entscheidung von Moody’s sei völlig unbegründet, ließ er seinen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou ausrichten. Weder spiegele sie die Erfolge der Sparanstrengungen wider, noch berücksichtige sie die verbesserten Wettbewerbsbedingungen in Griechenland.

Die Empörung in Athen ist nachvollziehbar. Denn Moody’s begründete die Herabstufung mit der Gefahr für die Konjunktur, die von dem Sparpaket ausgehe, das die Griechen auf Druck der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgelegt haben. Hatten die Agenturen noch vor wenigen Wochen drastische Sparmaßnahmen gefordert, so heißt es jetzt, diese gefährdeten das Wachstum.

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Mit ihren Sorgen, die Sparprogramme der Regierungen könnten die Wirtschaft in die Knie zwingen, noch bevor der Aufschwung richtig Tritt gefasst hat, stehen die Ratingagenturen nicht allein. Anfang Juni prangerte US-Finanzminister Timothy Geithner – unterstützt von mehreren Schwellenländern – den Sparkurs der deutschen Regierung an. Geithners Argument: Weil die überschuldeten US-Bürger in nächster Zeit mehr sparen müssen, sollten Länder mit Überschüssen im Außenhandel wie Deutschland ihre Binnenkonjunktur ankurbeln und die globale Nachfragelücke schließen. Sparprogramme seien da kontraproduktiv. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, ohnehin kein Freund des Sparens, schlug in die gleiche Kerbe. Wenn alle nur sparten, dozierte der Präsident, „treten wir in die Rezession ein“.

Der Schwung lässt nach ...

Die Teilnehmer an den Finanzmärkten teilen diese Sorgen. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Index der Konjunkturerwartungen für Deutschland und Euro-Land brach im Juni spürbar ein. Einer Umfrage der Bank of America Merrill Lynch unter Fondsmanagern zufolge glaubt nur noch eine Minderheit von 24 Prozent, dass die Weltwirtschaft in den nächsten zwölf Monaten weiter wächst. Im April waren es noch 61 Prozent. Neben den Sparpaketen der Regierungen treiben die wachsenden Finanzierungsschwierigkeiten der Banken den Fondsmanagern die Sorgenfalten auf die Stirn. Steht die Weltwirtschaft vor einem neuen Absturz, dem gefürchteten Double-dip?

Tatsächlich mehren sich die Zeichen, dass der weltweite Aufschwung seinen Zenit überschritten hat. Rund um den Globus haben die Einkaufsmanagerindizes in der Industrie – wichtige Frühindikatoren für die Konjunktur – nach unten gedreht. In den USA befindet sich die Bauwirtschaft nach dem Auslaufen steuerlicher Fördermaßnahmen wieder auf Talfahrt. In China zeigen sich im Gefolge der Maßnahmen der Regierung gegen Überhitzungserscheinungen erste Bremsspuren in der Konjunktur. Industrie und Einzelhandel haben zuletzt eine gemächlichere Gangart eingelegt, das Kreditvolumen wächst um ein Drittel langsamer als zu Jahresbeginn. In Europa fallen die Problemländer im Süden (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) beim Wachstum immer weiter hinter Deutschland zurück, das mit seiner starken Exportwirtschaft zur Konjunkturlokomotive Europas geworden ist.

... doch der Double-dip bleibt aus

In den nächsten Monaten werden zudem die anregenden Wirkungen der Lagerinvestitionen der Unternehmen weltweit abebben. In den meisten Ländern laufen auch die Konjunkturprogramme aus, mit denen die Regierungen die Wirtschaft nach der Lehman-Pleite vor dem Absturz gerettet hatten. Experten erwarten daher, dass sich die Konjunkturdynamik ab der zweiten Hälfte dieses Jahres abschwächt. „Kommen dann noch aggressive Sparpakete der Regierungen hinzu, ist ein Rückfall der Wirtschaft in die Rezession nicht mehr auszuschließen“, warnt Howard Archer, Europa-Chefvolkswirt des Finanzdienstleisters Global Insight.

Andere Ökonomen sind da weniger pessimistisch. „Die anstehende Haushaltskonsolidierung im öffentlichen Sektor wird das Wachstum zwar bremsen, aber nicht zu einer zweiten Rezession führen“, heißt es bei der DekaBank. Auch Joachim Fels, Chefvolkswirt der US-Bank Morgan Stanley, hält die Ängste vor einem Double-dip für „übertrieben“.

In der Tat sprechen mehrere Gründe gegen einen Rückfall in die Rezession:

Das Ausmaß der avisierten Sparprogramme ist in den großen Volkswirtschaften eher moderat. So will die Bundesregierung das Haushaltsdefizit von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr nur auf 4,5 Prozent 2011 reduzieren. Rechnet man die konjunkturbedingten Schwankungen von Einnahmen und Ausgaben sowie die Zinszahlungen für Altschulden heraus, ergibt sich der reine Spareffekt. Für 2011 liegt er bei mickrigen 0,2 Prozent vom BIP.

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