Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland exportiert, Südeuropa stagniert

ThemaKonjunktur

Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland exportiert, Südeuropa stagniert

von Tim Rahmann

Deutschlands Wirtschaft ist wettbewerbsfähiger denn je. Bei den Leistungsbilanzüberschüssen wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Ganz anders ist die Lage in Südeuropa.

Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes gilt als eine der wichtigsten Größen für Wohlstands- und Wachstumsaussichten einer Nation. Schließlich gilt: Je wettbewerbsfähiger eine Volkswirtschaft ist, desto mehr Produkte kann sie auf den internationalen Märkten absetzen. Deutschland liegt da bekanntermaßen weit vorne.

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Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Schweden verfügt über starke Institutionen (Rang 13), die sowohl transparent als auch effizient sind. Auch die Infrastruktur ist stabil (Rang 22). Die Staatsverschuldung ist niedrig und die Wirtschaft gesund (Rang 17).
    Noch wichtiger für die Wettbewerbsstärke der Skandinavier ist aber das innovationsfreundliche Umfeld im Land. Das Bildungssystem ist von hoher Qualität (Rang 14). In puncto Informations- und Kommunikationstechnik macht Schweden in der Welt kaum jemand etwas vor (Rang 3). Auch was die Innovationskraft angeht, sind die schwedischen Firmen weit vorn (Rang 6). Der Grund dafür ist wohl der hohe Wettbewerb (Rang 21), der für die Unternehmen ein Anreiz ist, sich stets weiterzuentwickeln.
    Weniger gut schneiden Schwedens stark regulierter Arbeitsmarkt (Rang 59) und das Steuersystem (Rang 119) ab.

  • Platz 9

    Großbritannien profitiert vor allem von seinem hervorragenden Arbeitsmarkt (Rang 5) und seinem hoch entwickelten Finanzsystem (Rang 15). Dass es nicht weiter vorn im Ranking steht, liegt an dem britischen Bankensystem (Rang 89) und dem schwierigen Zugang zu Krediten (Rang 82) – beides schadet der Wettbewerbsfähigkeit.
    In Sachen Informations- und Kommunikationstechnik belegen die Briten den zweiten Rang weltweit. In Verbindung mit einem sehr großen (Rang 6) und wettbewerbsstarken (Rang 5) Markt ist die Informations- und Kommunikationstechnik der Grund für eine hohe Innovationskraft (Rang 12).
    Wollen die Briten wettbewerbsfähiger werden, sollten sie an ihrem Bildungssystem arbeiten (Rang 23). Vor allem in Mathematik und in den Naturwissenschaften schneiden britische Schüler nicht gut ab (Rang 63).

  • Platz 8

    Die Niederländer verfügen über ein exzellentes Bildungs- und Ausbildungssystem (Rang 3), hohe Informations- und Kommunikationstechnik (Rang 8) und eine großen Innovationskraft (Rang 8). All das führt zu Unternehmen (Rang 5), die auch am internationalen Markt gut dastehen.
    Dazu kommen effiziente Institutionen (Rang 10), eine erstklassige Infrastruktur (Rang 4) und wettbewerbsintensive (Rang 5) Märkte.
    Arbeiten müssen die Niederländer an ihrem unflexiblen Arbeitsmarkt (Rang 123) und an den Schwächen des Finanzsystems (Rang 80), die auch den Zugang zu Krediten immer schwieriger gestalten (Rang 48).

  • Platz 7

    Hongkongs Gütermarkt (Rang 2) und Arbeitsmarkt (Rang 3) sind Weltklasse.
    Will Hongkong seine Wettbewerbsfähigkeit weiter entwickeln, sollte es an seinem Bildungssystem (Rang 22) und seiner Innovationsfähigkeit arbeiten. Zudem ist Hongkong ein schwacher Forschungsstandpunkt (Rang 32) und es fehlt an Wissenschaftlern und Ingenieuren (Rang 36).

  • Platz 6

    Japan verfügt über die weltweit am höchsten entwickelten Unternehmen (Rang 1). Auch in puncto Innovation spielt Japan vorne mit (Rang 4). Viel Geld investiert Japan in Forschung und Innovation (Rang 2). Infolgedessen verfügt das Land über hervorragende Arbeitskräfte (Rang 3), gefragte Forschungsinstitutionen (Rang 7) und eine hohe Innovationskraft (Rang 7). Das alles zahlt sich aus: Japan meldet pro Einwohner am zweitmeisten Patente weltweit an.
    Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes leidet unter den Haushaltsproblemen (Rang 127). Die Staatsverschuldung liegt derzeit bei 240 Prozent des BIPs. Allerdings hat es Japan geschafft, die Deflation einzudämmen. Auch der japanische Arbeitsmarkt (Rang 22) bereitet der Wettbewerbsfähigkeit Probleme. Vor allem der Frauenanteil auf dem Arbeitsmarkt (Rang 88) ist mit der niedrigste in sämtlichen OECD-Ländern.

  • Platz 5

    Bis jetzt hat Deutschland dank seiner hohen Wettbewerbsfähigkeit (Rang 3) und seiner hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung (Rang 6) die Euro-Krise gut überstanden. Die deutschen Unternehmen stecken ebenfalls viel Geld in die Forschung (Rang 5). Die eigenen Innovationen befördern Unternehmen in Deutschland zudem durch Kooperationen mit Universitäten (Rang 10) und Forschungslaboren (Platz 8).
    Die vielen Mittelständler in Deutschland sind in Nischenmärkten tätig und können sich daher stark spezialisieren (Rang 3). Die hervorragende Infrastruktur (Rang 7) und die exzellente Ausbildung (Rang 6) komplettieren Deutschlands Stärken.
    Um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit könnte es aber noch besser bestellt sein, wenn Deutschland weiter an der Effizienz seines Arbeitsmarkts arbeitete (Rang 35, 2012: 53). In Anbetracht des demografischen Wandels sollte Deutschland zudem weiter die Immigration forcieren und mehr Frauen in den Arbeitsmarkt integrieren. Das größte Problem ist aber nach wie vor die hohe Staatsverschuldung (Rang 118).

  • Platz 4

    Finnlands Institutionen sind die transparentesten der Welt (Rang 1). Auch die Infrastruktur von Finnland kann sich sehen lassen (Rang 19), ebenso wie der Gütermarkt (Rang 18). Finnlands Finanzsystem ist hoch entwickelt (Rang 5). Die finnischen Arbeitskräfte sind hervorragend ausgebildet (Rang 7), was neben den hohen öffentlichen und privaten Investitionen in die Forschung (Rang 3) zur höchsten Innovationskraft weltweit führt (Rang 1).
    Getrübt wird die Wettbewerbsfähigkeit Finnlands durch die schwachen Aufstiegschancen am Arbeitsmarkt (Rang 143).

  • Platz 3

    Trotz der Krise, in der sich die USA befinden, sind sie im höchsten Maß wettbewerbsfähig. Die Unternehmen florieren (Rang 4) und sind innovativ (Rang 5). Die Verknüpfung der Wirtschaft mit den exzellenten Universitäten des Landes befördert dies. Zudem ist der Arbeitsmarkt sehr flexibel.
    Nichtsdestotrotz hat auch Amerika Schwächen: Das Vertrauen der Unternehmen in die Politik ist gering (Rang 48). Die Unternehmer sind der Meinung, die Regierung gehe zu verschwenderisch mit ihren Ressourcen um (Rang 73). Trotz der sinkenden Staatsverschuldung stellt auch der Haushalt der USA nach wie vor eine starke Schwäche dar (Rang 113).

  • Platz 2

    Singapurs Arbeitsmarkt ist hocheffizient (Rang 2) ebenso der Finanzmarkt. Darüber hinaus verfügt der Insel- und Stadtstaat über Weltklasse Institutionen (Rang 3) und eine starke Infrastruktur (Rang 2). Die Wettbewerbsfähigkeit wird befördert durch Singapurs hervorragendes Bildungssystem (Rang 2).
    Jammern auf hohem Niveau kann Singapurs über seinen Privatsektor (Rang 19). Auch in puncto Innovation (Rang 9) könnte Singapur noch zulegen.

  • Platz 1

    Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft ist zum sechsten Mal in Folge die Schweiz. Sie verfügt über erstklassige akademische Institutionen, ein hervorragendes Bildungs- und Ausbildungssystem, investiert viel Geld in Forschung und Entwicklung und meldet die meisten Patente pro Kopf an (Rang 1).
    Der Arbeitsmarkt sucht weltweit seinesgleichen (Rang 1). Auch die öffentlichen Institutionen gelten als effizient und transparent (Rang 7). Weiter befördert wird die Wettbewerbsfähigkeit durch die gut ausgebaute Infrastruktur und die hochentwickelten Finanzmärkte (Rang 11). In einer Zeit, in der die meisten europäischen Länder mit ihren Haushalten zu kämpfen haben, erweist sich der Schweizer Haushallt als äußerst widerstandsfähig (Rang 12).
    Allerdings lässt die Innovationskraft der Schweiz nach (Rang 24, 2012: Rang 14). Auch an ihrer Haltung zur Immigration muss die Schweiz arbeiten, will sie auch in Zukunft ihren Standard halten.

Das Weltwirtschaftsforum ermittelte kürzlich, dass Deutschland zu den wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt gehört. In Europa seien nur die Schweiz und Finnland besser aufgestellt. Auch die EU-Kommission hält die deutsche Industrie für topfit für den internationalen Konkurrenzkampf. Von den 28 EU-Staaten hätten neben Deutschland nur noch die Niederlande, Dänemark und Irland eine hohe und besser werdende Wettbewerbsfähigkeit, teilte die Brüsseler Behörde am Donnerstag in ihrem Jahresbericht mit.

Deutschland steht vor Herausforderungen

Deutschland stehe aber vor großen Herausforderungen, wenn es diese Vormachtstellung mittel- und langfristig halten wolle. „Vor allem die demografische Entwicklung könnte Wachstum und Innovation in Zukunft bremsen.“ So müsse etwa die Bildung und Ausbildung den Anforderungen angepasst werden, um Fachkräftemangel zu vermeiden - hauptsächlich in der High-Tech-Industrie.

Aktuell sind die Probleme aber nicht: Dem Ifo-Institut zufolge wird die Bundesrepublik in diesem Jahr erneut den weltweit höchsten Exportüberschuss erzielen – und das mit einem Rekordwert. Das Plus in der Leistungsbilanz steige auf umgerechnet 280 Milliarden Dollar, wie am Donnerstag aus Berechnungen der Münchner Wirtschaftsforscher hervorgeht. Auf Platz zwei komme die weltgrößte Handelsnation China mit 230 Milliarden Dollar, gefolgt vom Ölexporteur Saudi-Arabien.

Deutschlands Stärken

  • Exportorientiert

    Deutschland ist zwar nicht mehr Exportweltmeister, liegt jedoch ganz vorne im internationalen Vergleich. Deutschland liegt an dritter Stelle, wenn es um den Export von Gütern, Dienstleistungen und Investitionen im Ausland geht. Deutsche Güter werden weltweit nachgefragt, so ist die Bundesrepublik wenig anfällig, wenn die Konsumlaune im Inland oder im europäischen Ausland nachlässt.

  • Fördernd

    Wer in Deutschland etwas entwickelt, kann sich sicher sein, dass seine Eigentumsrechte per Gesetz gewahrt werden. Deutschland belegt den dritten Platz beim Schutz des geistigen Eigentums. Das stärkt das Vertrauen in den Standort und fördert kreative Köpfe. Außerdem investiert die Bundesrepublik in Zukunftstechnologien. Bei Ausgaben für das Gesundheitssystem und Grünen Technologien liegt Berlin auf dem vierten Platz.

  • Begehrt

    Deutschland gelingt es sehr gut, seine Bürger und Unternehmen zu schützen. Das Land ist politisch stabil (Rang 5), genießt höchstes Vertrauen bei Geldgebern (Rang 5) und lockt so ausländische Investoren an (Rang 4).

  • Qualitätssichernd

    In Sachen Produktivität (Rang 1) liegt Deutschland im internationalen Vergleich ganz vorne. Ebenfalls hervorzuheben: Die Ausbildung ist top (Rang 2), kleine und mittlere Unternehmen sind konkurrenzfähig (Rang 2) und die Fortbildung der Mitarbeiter genießt einen hohen Stellenwert (Rang 2).

  • Breit aufgestellt

    Die deutsche Wirtschaft ist vielfältig. Ob Autos, Technologie oder Dienstleistungssektor, hierzulande sind viele verschiedene Industrien angesiedelt. Das erhöht zum einen die Attraktivität des Landes, zum anderen senkt es aber auch die Gefahr, dass Deutschland aufgrund Probleme einer einzelnen Industrie selbst in Schwierigkeiten gerät. Mit seiner breiten Aufstellung in unterschiedlichen Branchen liegt Deutschland international auf Rang 2.

Allein von Januar bis Juli habe Deutschland für 133 Milliarden Euro mehr Waren exportiert als importiert. In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenaustausch noch sämtliche anderen Transfers mit dem Ausland ein, von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe. Der gesamte Leistungsbilanzüberschuss dürfte 2014 auf 200 Milliarden Euro klettern. „Ein neuer Rekordwert“, sagte Henzel. 2013 waren es 192 Milliarden Euro, 2012 rund 196 Milliarden Euro. Die Summe entspreche 7,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Mangelnde Investitionen

Doch wie sieht es mit dem Rest Europas aus? Das Weltwirtschaftsforum warnte zuletzt, dass Frankreich und Italien an Wettbewerbsfähigkeit verlören. Dringende Reformen würden verschleppt, die Erholung gefährdet. Die EU-Kommission bläst ins gleiche Horn – wenn auch deutlich verhaltener.

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„Es gibt noch viel zu tun“, sagte der scheidende EU-Kommissar Ferdinando Nelli Feroci in Brüssel, Fortschritte seien aber sichtbar. Probleme seien weiterhin mangelnde Investitionen, ein begrenzter Zugang zu Krediten bei vielen kleinen und jungen Firmen, hohe Energiekosten und zu viele Bürokratie. Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Italien bescheinigte die Kommission eine hohe Wettbewerbsfähigkeit, die aber stagniere oder sich sogar verschlechtere.

Am untersten Ende der Skala sieht die Kommission Slowenien, Bulgarien, Kroatien, Malta und Zypern. Diese Länder hätten nur eine „bescheidene“ Wettbewerbsfähigkeit und würden im Konkurrenzkampf auf der Stelle treten oder weiter zurückfallen.

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